Versicherung fehlte Landesmuseum in Emden war lange nicht gegen Schäden abgesichert
Das Ostfriesische Landesmuseum in Emden war über lange Zeit nicht gegen Leitungswasserschäden versichert. Was war denn da los?
Emden - Das Ostfriesische Landesmuseum in Emden ist offenbar lange ohne ausreichenden Versicherungsschutz betrieben worden. Sowohl das Museum im alten Rathaus am Delft als auch das Magazin des Museums im Stadtteil Borssum waren über Jahre nicht gegen Leitungswasserschäden abgesichert. Das wurde am Dienstag, 11. Juni 2024 im Betriebsausschuss des städtischen Gebäudemanagements bekannt.
Auf Nachfrage von GfE-Fraktionschef Jochen Eichhorn räumte der zuständige GME-Bereichsleiter Matthias Erdwiens das Versäumnis ein. Die Versicherung gegen Leitungswasserschäden sei aber mittlerweile nachgeholt werden.
Nachfrage bringt Mangel zutage
Anlass für die Nachfrage Eichhorns war die Vorlage der überplanmäßigen Ausgaben des GME für das Haushaltsjahr 2021. In dieser Liste sind sind die Versicherungskosten als „sonstige ordentliche Aufwendungen“ aufgeführt. Der mangelnde Versicherungsschutz sei 2021 aufgefallen, nachdem der damalige Stadtbaurat Andreas Docter die Leitung des GME übernommen hatte, so Erdwiens.
Von einem Leitungswasserschaden spricht man, wenn Wasser unkontrolliert und unbeabsichtigt aus Leitungen austritt. Solche Schäden entstehen zum Beispiel häufig durch Frost, poröse Rohre und Leitungen, aber auch durch Installations- oder Materialfehler.
Schäden gehen schnell in die Tausende
Die Folgen sind oft katastrophal. Die Schäden gehen schnell in die Tausende Euro. In der Wohngebäudeversicherung ist Leitungswasser das teuerste Risiko. Laut der Stiftung Warentest macht es rund die Hälfte der Ausgaben der deutschen Versicherer aus. Es gibt rund 3000 Fälle pro Tag. Jeder kostet im Schnitt rund 3000 Euro.
Die Versicherung tritt für Schäden ein, die direkt durch das austretende Leitungswasser entstehen. Das gilt vor allem für Schäden am Gebäude. Für das Inventar, die Kunstschätze und und die Sammlungen des Musems hat die Stadt nach eigenen Angaben eine gewerbliche Inhaltsversicherung abgeschlossen. Größere Schäden durch Leitungswasser sind in den vergangenen Jahren nicht bekannt worden.
Politik reagiert mit Unverständnis
Bei den Kommunalpolitikern im GME-Betriebsausschuss löste die Nachricht von der lange Zeit fehlenden Versicherung großes Unverständnis aus. „Das ist ein Novum und erschreckt mich, ehrlich gesagt“, kommentierte Jochen Eichhorn. Verwundert zeigte sich auch CDU-Ratsmitglied Bernd Gröttrup: „Das unterstreicht den Eindruck, den wir in letzter Zeit vom Gebäudemanagement gewonnen haben“.
Der CDU-Politiker spielte damit wohl auch auf die Reihe von Pannen und Versäumnisse beim Bau der Sporthalle des Max-Windmüller-Gymnasiums an, die sich allmählich zu einem handfesten Skandal auswachsen. Neue Details waren in derselben Sitzung des GME-Betriebsausschusses bekannt geworden. Demnach ist bei dem Hallenbau offensichtlich gepfuscht worden.
Heutige Amtsinhaber sind nicht verantwortlich
Wer dafür verantwortlich ist, blieb zunächst unklar. Bekannt wurde unter anderem auch, dass sich die Stadt in der Zwischenzeit vom damaligen Bauleiter des GME getrennt hat. Die Frage, ob er die Schuld an dem Desaster mit der Sporthalle trägt, ist allerdings noch offen.
Die GME-Betriebsleiterin Freia Visser und Bereichsleiter Matthias Erdwiens betonten in der Sitzung, dass sie nicht für den mangelden Versicherungsschutz für das Landesmuseum verantwortlich. Sie verwiesen auf ihre Vorgänger im Amt. Laut Stadtbaurätin Irina Krantz hat sich das Gebäudemanagement in der Zwischenzeit komplett neu aufgestellt und neue Strukturen gegeben. „Das GME ist heute ein völlig anderes“, sagte sie.