Unglück auf der Nordsee Trauer und Zusammenhalt bei den Fischern in Greetsiel
Die Suche nach dem verunglückten Mann wurde zwar eingestellt. Seine Kollegen sind aber trotzdem auf eigene Faust noch einmal rausgefahren, weil sie nicht wollen, „dass er auf See bleibt“.
Greetsiel - Die Anteilnahme für den am Sonntag auf der Nordsee verunglückten Fischer aus Greetsiel ist groß. Er war in den frühen Morgenstunden des 16. Juni 2024 von Bord eines Krabbenkutters gefallen und konnte trotz intensiver Bemühungen bisher nicht gefunden werden. „Wir wissen, dass wir ihn nicht mehr lebend von See holen können“, sagte dazu am Dienstag Gerold Conradi, Sprecher der Greetsieler Fischer und zweiter Vorsitzender des Landesfischereiverbands Weser-Ems, im Gespräch mit dieser Zeitung.
Die Fischer waren, nachdem die offizielle Suche am Sonntagabend beendet worden war, am Montag auf eigene Faust noch einmal in das Gebiet gefahren, um es erneut abzusuchen. Doch noch immer fehlte jede Spur ihres Kollegen. Aufgeben kommt für die Fischer deshalb aber nicht in Frage. So wollen sie am kommenden Montag, 24. Juni, ein drittes Mal auslaufen zur Suche. „Damit er nicht auf See bleibt“, sagt Conradi. „Wir brauchen einen Abschluss. Dort soll er nicht bleiben.“
Große Anteilnahme auch bei Facebook
Einige Greetsieler Fischer haben ihren Eindrücken und Emotionen bei Facebook Raum gegeben: „Wir haben alles versucht aus der Luft, zu Wasser oder an Land. Leider konnten wir unseren jungen Kollegen nicht finden“, schreibt etwa der Fischer Matthias Schäfer bei Facebook. „Der Zusammenhalt der Greetsieler Fischer ist in den letzten Tagen einfach unvergleichbar gewesen, die Suche leider erfolglos. In Gedanken bei ihm und seiner Familie“, heißt es weiter. Der Beitrag wurde über 300 Mal geteilt und oft kommentiert. „In der Not zusammen zu halten, nichts unversucht zu lassen, ist bewundernswert und nicht selbstverständlich“, heißt es da zum Beispiel. Oder: „Ihr habt gezeigt, was Freundschaft und Familie bedeutet.“
Wir haben alles versucht aus der Luft zu Wasser oder an Land leider konnten wir unseren jungen Kollegen nicht finden ...
Gepostet von Matthias Schäfer am Montag, 17. Juni 2024
Das Greetsieler Fischhandelsunternehmen Siebrands schreibt dazu: „Die traurige Gewissheit, den Kollegen nicht mehr lebend zu finden, ist kaum zu ertragen. Ihr habt gekämpft und gezeigt, dass ihr alle füreinander da seid und einsteht! Das macht Euch Fischer aus! Niemand kann Euch vorwerfen, dass ihr keinen Erfolg hattet… Wir stehen mit großem Respekt hinter Euch… Unser aufrichtiges Beileid geht an die Hinterbliebenen der Familie, Freunde und an alle, die ihn mochten.“
„Zermürbt, erschöpft, erfolglos“
Auch der Fischer Jann-Tjado Gosselaar hat seine Gedanken bei Facebook geteilt: „Zermürbt, erschöpft, erfolglos, aber auch ein wenig stolz auf uns selbst. Stolz auf unseren Zusammenhalt und auch stolz darauf, dass wir als Fischer noch wissen, was bedingungslose Seemannschaft bedeutet“, schreibt er. Gleichwohl macht er auch deutlich, dass das Thema für die Fischer noch längst nicht abgeschlossen sei. „Wir sind fast täglich in dem Gebiet, wir gehen jeden Tag dort unserem Job nach. Wir sind jeden Tag bei unserem Kollegen und halten auch während der Arbeit Ausschau nach ihm. Wir werden bei jedem mal, wenn wir die Netze hoch holen, an ihn denken, vielleicht auch mit gemischten Gefühlen.“
Moin Wir sind heute abend wieder eingelaufen. Zermürbt, erschöpft, erfolglos aber auch ein wenig stolz auf uns selbst....
Gepostet von Jann-Tjado Gosselaar am Montag, 17. Juni 2024
Die Gedanken der Fischer seien in den nächsten Tagen und Wochen bei der Familie des Verunglückten und bei seinem Kapitän. „Als Fischer verbringt man mehr Zeit mit seiner Crew als mit seiner Familie. Das schafft eine sehr enge Beziehung“, schreibt er. „Wir reden auf See nicht viel miteinander, aber oft auch mehr und vertrauter als mit anderen Menschen an Land. Wir sind dort unsere eigene Familie an Bord.“
An eine Trauerfeier ist noch nicht zu denken
Für die Fischer sei es „selbstverständlich“ gewesen, nach der Nachricht über den Unfall „sofort mit unseren Besatzungen und Schiffen zur Stelle“ zu sein. „Mit so einer beispiellosen Selbstverständlichkeit, dass es mir mehr als einmal Gänsehaut bereitet hat“, schreibt Jann-Tjado Gosselaar weiter. „Für jeden und immer wieder.“
An eine Trauerfeier oder Ähnliches wollen die Fischer aktuell noch nicht denken, sagt Gerold Conradi. Nicht, so lange sie ihren Kollegen nicht gefunden haben. „Ohne geht es nicht“, sagt der Greetsieler. Er selbst hat ein ganz ähnliches Schicksal vor ziemlich genau 20 Jahren schon einmal erleben müssen. Damals war sein Bruder bei einem Unfall auf See verstorben. Er hatte immer gehofft, dass zu der Plakette, die auf einem Denkmal im Greetsieler Hafen auf seinen Bruder hinweist, keine weitere hinzukommt.
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