Limburg US-Comedian prangert Tierquälerei durch deutsche Kreisstadt an
Was in deutschen Mittelzentren passiert, interessiert in den USA eher selten. Jetzt aber prangert der US-Talker Stephen Colbert eine deutsche Kreisstadt an – und stellt den dortigen Umgang mit Tieren als schlichtweg psychopathisch dar.
Seit Monaten tobt im hessischen Limburg an der Lahn ein Streit um das Stadttauben-Management. Bei einem Bürgerentscheid haben nun 53 Prozent der Wähler entschieden, den rund 700 Tauben der Stadt das Genick zu brechen. Die Maßnahme soll durch einen Falkner durchgeführt werden, der die Tiere fangen, betäuben und töten soll.
In den USA gilt der Vorgang offenbar als so grotesk, dass der US-Comedian Stephen Colbert ihn jetzt in seiner Late-Show beim Sender CBS aufgriff: „Hey, ähem, Deutschland, alles in Ordnung bei euch?”, fragt Colbert in die Kamera und informiert über die „sorgfältig ausgetüftelte Gewaltaktion“. Dann wechselt er in die Ironie und zitiert fiktive Stadtverordnete, die als Hintermann der Maßnahme einen offensichtlich verrückten Außenseiter benannt hätten: den „stillen Gunther“. Dazu blendet Colbert das Foto eines mittelalten Mannes mit kalten Augen und Topfschnitt ein. Limburgs Stadttauben-Management – in den USA wird sie als Tat eines sadistischen Psychopathen verlacht. Auf YouTube firmiert der Gag unter der Überschrift „Deutschlands Tauben-Mordkomplott“.
Auf YouTube können Sie Stephen Colberts Limburg-Schelte ansehen – die Passage beginnt ab Minute 2:45.
Tatsächlich ist die Tötung von Tauben rechtlich hochumstritten. Seit 2002 ist der Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz verankert; er betrifft auch das einzelne Tier. Auch das Tierschutzgesetz betont ausdrücklich die „Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf“. Es legt fest: „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“ Wer dem zuwiderhandelt, riskiert eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.
Im Fall der Stadttauben ist ein solcher „vernünftiger Grund“ schwer nachzuweisen. Dass Taubenkot Schäden an Autos oder Gebäuden verursache, hat ein Gutachten der Uni Darmstadt bereits vor Jahren widerlegt. Auch die verbreitete Auffassung von Tauben als Krankheitserreger ist unzutreffend.
Um die bloße Belästigung durch Tauben zu minimieren und den mangelernährten Stadttieren zu helfen, greifen andere Kommunen auf das sogenannte Augsburger Modell zurück. Dabei werden die Tiere mit artgerechtem Futter in Taubenschläge gelockt. Hier wird die Population kontrolliert, indem die Eier durch Gipsattrappen ausgetauscht werden.
Dass die Limburger Pläne nun international und auch innerhalb Deutschlands diskutiert werden, legt nahe: Flächendeckende Tötungen verlieren an Akzeptanz. In der Vergangenheit waren sie vielerorts üblich. So beschäftigte beispielsweise auch Osnabrück bis vor wenigen Jahren einen Ehrenamtler, der gegen Aufwandsentschädigung Stadttauben einfing und tötete – das übrigens unter dem irritierenden Namen des „Taubenvaters“.