Einkaufszentrum in Aurich  Leerstände im Caro – wer geht als nächstes?

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 25.06.2024 11:20 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auffällige Folien an den Schaufenstern sollen im Caro die Leerstände kaschieren.
Auffällige Folien an den Schaufenstern sollen im Caro die Leerstände kaschieren.
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Im Auricher Caro klaffen einige Leerstände. Das Centermanagement sagt, es gehe aktiv dagegen vor. Die ganze Hoffnung ruht allerdings auf einem Sechs-Millionen-Euro-Projekt.

Aurich - Mittagszeit im Auricher Einkaufszentrum Caro. In der Mall herrscht große Betriebsamkeit, vor allen Dingen rund um den asiatischen Imbiss und den Döner-Shop schräg gegenüber. Der Trubel lenkt den Blick zunächst von den rund 20 Ladenlokalen ab. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass derzeit drei Schaufenster großflächig mit Werbung beklebt sind. Es ist Werbung in eigener Sache. „Deine Idee für den Caro!“, ist dort zu lesen. Und weiter: „Erhalte weitere Infos zu unseren freien Ladeflächen und zu Möglichkeiten eines eigenen Shops oder Pop-up-Stores. Mietkonditionen auf Anfrage.“ Das Centermanagement des niederländischen Betreibers TB Investments geht offensiv mit den Leerständen in dem 17.000 Quadratmeter großen Einkaufscenter vor. Dabei schlägt es zwei Fliegen mit einer Klappe:

Die Buchhandels-Kette "Thalia" hatte den Caro vor Jahren verlassen und ist wieder zurückgekehrt.
Die Buchhandels-Kette "Thalia" hatte den Caro vor Jahren verlassen und ist wieder zurückgekehrt.

Durch die farbige Folie auf der Glasscheibe wird der Leerstand kaschiert. Gleichzeitig wird der Platz genutzt, um einen Nachfolger für denjenigen zu finden, der das Ladenlokal verlassen hat. Aus welchen Gründen auch immer. Zu den drei Leerständen im Parterre wird in den nächsten Wochen noch ein vierter hinzukommen. Die Filialkette „Nanu-Nana“ verlässt den Caro und wird sich in der Burgstraße 9 ansiedeln. „Wir haben als Einzugstermin den 26. August 2024 vereinbart“, sagt Arno Fecht. Der Auricher Unternehmer und Gastronom ist Vermieter des Ladenlokals. Das Unternehmen mit Sitz in Oldenburg war am Montag, 24. Juni 2024, für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Makler ist bereits beauftragt

Erst vor rund sechs Wochen hatte sich der Fahrradhändler „Drahtesel“ aus dem Caro zurückgezogen, um ein Geschäft direkt um die Ecke an der Kirchdorfer Straße zu eröffnen. Wie viele Kündigungen von Geschäftsinhabern kann ein Center verkraften? Caro-Sprecherin Elisa Langert weicht der Frage aus. Sie versichert, dass man sich sehr bemühe, neue Mieter zu finden: „Wir haben einen Makler damit beauftragt, suchen aber auch selbst.“ Man könne auf ein dichtes Netzwerk an Kontakten zurückgreifen, bisher sei aber noch nichts spruchreif. „Schön wäre es, wenn wir ein Schuhgeschäft als Mieter gewinnen könnten. Nachfrage gibt es auch nach einem Elektronikmarkt.“

Die Tage des Geschenkartikel-Geschäfts „Nanu-Nana“ im Caro sind gezählt. Fotos: Boschbach
Die Tage des Geschenkartikel-Geschäfts „Nanu-Nana“ im Caro sind gezählt. Fotos: Boschbach

Sie verspreche sich einiges von der Eröffnung des Themenparks „Space Magic“ im Obergeschoss des Caro. Auf drei Ebenen soll es dort noch in diesem Jahr zwölf Attraktionen und ein Restaurant geben. Steve Schröder und Chistoph Vogels investieren nach eigenen Angaben rund 4,4 Millionen Euro, um Jumpräume, Kletterparcours und einen Escaperoom einzurichten. 1,6 Millionen Euro steuert TB Investments bei. Laut Elisa Langert werde das „Space Magic“ das Einkaufscenter aufwerten und unter Umständen auch neue Mieter anziehen.

Mieter sehen etliche Standortvorteile

Diese Hoffnung teilt Heidi Hoffmann. Die Mitarbeiterin der Buchhandels-Kette „Thalia“ sagt im Gespräch mit der Redaktion, dass dadurch die Ansiedlung im Caro für andere Interessenten attraktiver werden könnte. Sie selbst höre immer wieder, dass Kunden sich darüber unterhielten, was sich im Caro alles verändert habe. Dabei würden auch die Leerstände angesprochen. „Es ist schade, dass es die gibt. Dabei ist das Einkaufscenter attraktiv, alleine durch die Parkplätze in der Tiefgarage und die Wetterunabhängigkeit. Nicht zu reden von den besonderen Werbekampagnen, die eine Agentur für uns alle arrangiert. Es ist eine tolle Atmosphäre hier“, schwärmt Heidi Hoffmann und erinnert daran, dass „Thalia“ in Aurich vor Jahren vom Caro, der damals noch Carolinenhof hieß, in ein Ladenlokal in der Burgstraße gezogen ist, um von dort 2019 wieder in das Einkaufscenter zu ziehen. Ein Sprecher der Thalia Bücher GmbH mit Sitz im westfälischen Hagen hatte seinerzeit ein Bekenntnis zum Caro abgegeben. Die Standortvorteile seien in den Augen seines Unternehmens zahlreich und vor allen Dingen schlagkräftig.

Leerstände werden in einem Einkaufscenter im Interesse aller Mieter aktiv bekämpft, wie die eingangs beschriebene Folierung der Schaufenster zeigt. Auch um Betreiber von Pop-up-Stores wird geworben. Die Devise dahinter: Durch den raschen Wechsel an Nutzern eines solchen Stores ist das Interesse der Kunden dauerhaft geweckt. Diese sind neugierig und schauen häufiger mal im Center vorbei. Der Handel mit Gewerbeimmobilien ist in Aurich im vergangenen Jahr – wie beinah überall in Deutschland – fast zum Erliegen gekommen. Die Angst vor einer Existenzgründung in wirtschaftlich unsicheren Zeiten ist allerorten spürbar. Nur die Investoren von „Space Magic“ scheinen unerschrocken zu sein. Kein Wunder, dass sie deshalb ein Hoffnungsträger sind.

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