Lukas Koch verlässt Firrel  Alkoholfrei von der Jugend-Kreisliga in die Regionalliga

| | 25.06.2024 18:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bei GW Firrel war Lukas Koch (links) stets eine Konstante auf der Linksverteidigerposition und der absolute Dauerbrenner im Team. In zweieinhalb Jahren verpasste er nur eine einzige Landesliga-Minute. Foto: Doden, Emden
Bei GW Firrel war Lukas Koch (links) stets eine Konstante auf der Linksverteidigerposition und der absolute Dauerbrenner im Team. In zweieinhalb Jahren verpasste er nur eine einzige Landesliga-Minute. Foto: Doden, Emden
Artikel teilen:

Fußballer Lukas Koch ist ein Phänomen. Er verpasste in zweieinhalb Jahren nur eine einzige Spielminute bei GW Firrel. Der Tod eines Ex-Mitspielers und Kumpels schockierte ihn.

Firrel/Jeddeloh - Lukas Koch ordnet seiner großen Leidenschaft, dem Fußballspielen, vieles unter. So trinkt er seit zwei Jahren beispielsweise keinen Alkohol mehr. „Nach dem Trinken ging es mir richtig schlecht – Kater halt. Dann habe ich mal eine Zeitlang eine Alkoholpause gemacht und gemerkt, dass ich beim Fußball leistungsfähiger bin. Also habe ich komplett aufgehört, Alkohol zu trinken“, schildert Lukas Koch, der mit seinen 20 Jahren immer noch am Anfang seiner Fußball-Herrenlaufbahn steht.

Vor fünf Jahren kickte er noch bei seinem Heimatverein FSV Westerstede in der B-Jugend-Kreisliga, ehe er begann, ambitionierter und leistungsorientierter Fußball zu spielen. Seit zweieinhalb Jahren ist Lukas Koch Leistungsträger bei Herren-Landesligist GW Firrel. Am Freitag beginnt für ihn nun ein neues Fußball-Kapitel. Er wechselt in die Regionalliga zum SSV Jeddeloh, bei dem am Freitag der Vorbereitungsauftakt ansteht. „Ich traue mir den Schritt zu, freue mich darauf“, sagt der Westersteder selbstbewusst. Wohlwissend: „Erstmal werde ich sicherlich nicht direkt Stammspieler sein, aber ich will meine Minuten bekommen und mich reinbeißen.“

Lukas Koch (links) trägt künftig blau-weiß. Der Sportliche Leiter des SSV Jeddeloh, Olaf Blancke (rechts), freut sich über die Verpflichtung des 20-Jährigen. Foto: SSV Jeddeloh
Lukas Koch (links) trägt künftig blau-weiß. Der Sportliche Leiter des SSV Jeddeloh, Olaf Blancke (rechts), freut sich über die Verpflichtung des 20-Jährigen. Foto: SSV Jeddeloh

Potthoff lotst Koch zum SSV Jeddeloh

Reinbeißen ist ein gutes Stichwort. Koch ist auf dem Fußballplatz ein Kämpfer und Wühler, ist umtriebig, gibt nie auf. Aber auch dank seiner Schnelligkeit und seiner feinen Technik war Koch als Linksverteidiger schon von Tag eins an eine echte Säule bei GW Firrel. Im Winter 2022 war er als 18-Jähriger vom A-Jugend-Regionalligisten Rehden nach Firrel gewechselt. Der Kontakt war über Firrels damaligen Co-Trainer Ralf Potthoff, der auch aus Westerstede kommt, zustande gekommen. Mittlerweile ist Potthoff Torwarttrainer beim SSV Jeddeloh – und hatte beim Wechsel von Koch an den Küstenkanal nun wieder seine Finger mit im Spiel.

„Ich denke, Jeddeloh passt ganz gut zu mir. Wie in Firrel ist es dort recht familiär. Nur ist es professioneller und eben 4. Liga“, sagt Lukas Koch. Künftig fährt er von seinem Elternhaus in Westerstede zu Spielen und Trainingseinheiten nicht mehr rund 20 Minuten in den Nordwesten nach Firrel, sondern etwa 25 Minuten in den Südosten nach Edewecht. Lukas Koch verlässt GW Firrel mit einer unfassbaren Quote. In den zweieinhalb Jahren beim ostfriesischen Landesligisten stand der Ammerländer in 80 von 80 möglichen Ligaspielen in der Startelf. Dabei sammelte er 7199 von 7200 möglichen Spielminuten – lediglich beim 3:0-Sieg gegen den SV Holdorf im August 2022 wurde er ausgewechselt, in der 89. Spielminute.

Tod des Kumpels war ein Schock

Für Fußballer wie Lukas Koch ist das Wort Dauerbrenner erfunden worden. Die frisch abgelaufene Saison ist für den 1,77 Meter großen Außenverteidiger besonders „hart“ gewesen, berichtet er. „Wir hatten zum Ende hin viele Englische Wochen. Da hatte ich ab und zu auch Problemchen – aber ich wollte immer durchspielen. Auch die Serie hat mich angetrieben“, gesteht Lukas Koch, der sich bei der Egon Senger GmbH zum Kfz-Mechatroniker ausbilden lässt.

Bei selbiger Firma arbeitete mit Hannes Eckbauer auch ein guter Kumpel und einstiger Mitspieler von Lukas Koch. Doch auf tragische Weise kam Eckbauer vor anderthalb Jahren bei einem Zugunglück in Oldenburg ums Leben. „Wir haben zusammen beim JFV Bremen und BSV Rehden gespielt. Als mich an dem Morgen nach dem Unglück unser alter Trainer anrief und darüber informierte, war ich schockiert. Erst am Abend habe ich das ein wenig realisiert“, schildert Lukas Koch. „Das war ein Schlag ins Gesicht. Erst eine Woche zuvor habe ich Hannes noch in der Firma gesehen und ihm beim Aufräumen geholfen. Manchmal kann das Leben schnell gehen.“ Zu dem Zeitpunkt stand Hannes Eckbauer beim SSV Jeddeloh unter Vertrag – bei jenem Klub, dem sich Lukas Koch nun anschließt. „Das eine hat mit dem anderen aber nichts zu tun.“

Erst nach dem Saisonende wurde der Wechsel von Lukas Koch zum SSV Jeddeloh finalisiert. „Ein wenig schade ist, dass ich so in Firrel nicht wirklich verabschiedet wurde“, sagt Koch. Auf der Mannschaftsfahrt von GW Firrel nach Mallorca war der Transfer aber fix. „Es war sozusagen meine Abschiedsfahrt. Ich muss zugeben, dass ich vorher ein wenig Angst davor hatte. Es war mein erstes Mal auf Malle und ich trinke ja keinen Alkohol, aber es war richtig witzig dort.“

Ähnliche Artikel