Bürgerschaftliches Engagement  Darum steht der Fürbringerbrunnen heute im Emder Stadtgarten

| 29.06.2024 15:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Fürbringerbrunnen steht seit 40 Jahren im Emder Stadtgarten. Der Brunnen hat aber eine viel ältere Geschichte. Nicht alle Teile sind mehr im Original erhalten. Foto: Müller/Archiv
Der Fürbringerbrunnen steht seit 40 Jahren im Emder Stadtgarten. Der Brunnen hat aber eine viel ältere Geschichte. Nicht alle Teile sind mehr im Original erhalten. Foto: Müller/Archiv
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Vor 40 Jahren wurde der Fürbringerbrunnen im Emder Stadtgarten eingeweiht. Dass der Brunnen überhaupt wieder in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, ist bürgerschaftlichem Engagement zu verdanken.

Emden - Der Fürbringerbrunnen im Emder Stadtgarten ist aus dem Stadtbild kaum noch wegzudenken. Dass er an der Stelle steht, ist dem Notar Dr. Erich Brüggemann und seinen Mitstreitern zu verdanken. Brüggemann setzte sich dafür ein, dass der Brunnen wieder aufgebaut wird, nachdem er von seinem angestammten Platz „An der Bonesse“ weichen musste. Vor genau 40 Jahren, am 29. Juni 1984, ist der Brunnen offiziell am heutigen Standort unter großer Anteilnahme der Bevölkerung feierlich eingeweiht worden.

Viele Emder unterstützten Vorhaben

Um das Vorhaben realisieren zu können, gründete Dr. Erich Brüggemann den „Arbeitskreis zur Errichtung des Fürbringer Brunnen“. Das Geld für den Wiederaufbau stammte größtenteils aus Spenden aus der Bevölkerung sowie von lokalen Unternehmen. So hatte die Bäckerei Hartmann beispielsweise eine 30 Meter lange Himbeertorte gebacken. Die OMAG veranstaltete ein Betriebsfest und die Ostfriesen-Zeitung hatte zum Preiskegeln eingeladen. Unterm Strich waren 58.000 DM zusammengekommen. Zudem stellten Bauunternehmen und Einzelpersonen Sachspenden und ehrenamtliche Arbeitsleistungen zur Verfügung. Durch das Engagement konnte das anfänglich geschätzte Budget von 150.000 DM deutlich unterschritten werden, heißt es in einem Bericht des Emders Wolfgang Schumann, der dem Arbeitskreis damals angehörte.

Der Grundsteinlegung für den Fürbringerbrunnen am neuen Standort wurde am 5. Mai 1984 gelegt. Foto: Privat/Archiv
Der Grundsteinlegung für den Fürbringerbrunnen am neuen Standort wurde am 5. Mai 1984 gelegt. Foto: Privat/Archiv

Die Geschichte des Brunnens

Der ursprüngliche Fürbringerbrunnen wurde 1902 zu Ehren des damaligen Oberbürgermeisters Leo Fürbringer errichtet, der von 1875 bis 1913 sowie mit einer weiteren Amtszeit während des Ersten Weltkrieges von 1914 bis 1918 die Geschicke Emdens leitete. Fürbringer initiierte bedeutende Entwicklungsprojekte für die Stadt, darunter die Eindeichung des Kaiser-Wilhelm-Polders, den Bau mehrerer Hafenbecken sowie wichtige Infrastrukturen wie den Ems-Jade-Kanal und die Große Seeschleuse, die 1913 eröffnet wurde.

Nach der fast vollständigen Zerstörung Emdens durch Bombenangriffe am 6. September 1944 blieb der Brunnen unbeschädigt. Allerdings musste er in den 1960er Jahren dem Ausbau der Martin-Faber-Straße und einer Tankstelle weichen und wurde so zunächst auf einem städtischen Bauhof gelagert. Dr. Erich Brüggemann konnte sich damit nicht abfinden, heißt es in Schumanns Bericht. Und so startete er das Projekt Wiederaufbau.

Ursprünglich stand der Fürbringerbrunnen an der Straße "An der Bonesse" in Emden. Foto: Privat/Archiv
Ursprünglich stand der Fürbringerbrunnen an der Straße "An der Bonesse" in Emden. Foto: Privat/Archiv

Warum nicht alle Teile im Original vorhanden sind

Nicht alle Teile, die heute am Brunnen zu sehen sind, sind Originale. Einige Teile waren beschädigt oder fehlten komplett, unter anderem der Kopf einer Brunnenfigur und die Wasserspeier aus Bronze. Der Steinmetz Thomas Buss rekonstruierte in aufwendiger Arbeit die fehlende Teile. Rund zwei Jahre dauerte es von der Idee des Wiederaufbaus bis zur Fertigstellung.

Fertigstellung wurde groß gefeiert

“Die feierliche Einweihung am 29. Juni 1984 war ein glanzvoller Moment für die Stadt Emden“, so Schumann. Unter den Augen zahlreicher Bürger und Nachkommen von Leo Fürbringer, darunter seine Enkelin Eva-Maria Fürbringer und Urenkel Georg Otten, wurde der Brunnen in Betrieb genommen.

Zahlreiche Menschen, darunter auch nahe Verwandte von Leo Fürbringer, waren bei der Eröffnung des Brunnens am neuen Standort dabei. Foto: Privat/Archiv
Zahlreiche Menschen, darunter auch nahe Verwandte von Leo Fürbringer, waren bei der Eröffnung des Brunnens am neuen Standort dabei. Foto: Privat/Archiv

Mit dieser Feierlichkeit und der symbolischen Übergabe des Brunnens an die Stadt endete die Arbeit des „Arbeitskreises zur Errichtung des Fürbringer Brunnen“, der sich danach auflöste. Dennoch setzte Brüggemann sein Engagement in anderen Projekten fort. Unter anderem arbeitet er im „Arbeitskreis Museumsfeuerschiff“ mit.

Auszeichnung verliehen

Dr. Erich Brüggemann wurde 1990 mit der Ehrenmedaille der Stadt Emden und 1994 mit dem Kulturpreis der Sparkasse Emden ausgezeichnet. Nach seinem Tod im April 1994 ehrte die Stadt Emden ihn, indem ein Teil der Straße „An der Bonesse“ in „Dr.-Erich-Brüggemann-Ufer“ umbenannt wurde.

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