Stadtgestaltung in Aurich Von wegen Schlendern und Schlemmen – Träume für Georgswall geplatzt
Entwurf und Wirklichkeit prallen am Auricher Georgswall hart aufeinander. Offenbar ist es schwer, dort Gastro-Betriebe zu etablieren. Doch jetzt könnte es klappen.
Aurich - Flanieren und Schlemmen am Georgswall: Als die Grünfläche samt angrenzender Bebauung in Aurich vor mehr als zehn Jahren umgestaltet wurde, gab es hochfliegende Pläne von Landschaftsarchitekten. Grundlage war der Entwurf des Berliner Büros Locodrom, das 2008 einen städtebaulichen Wettbewerb zur Gestaltung des Areals gewonnen hatte. Entstehen sollte ein 400 Meter langer, von einer Lindenallee flankierter Grünstreifen, der im Norden von Wohnhäusern und Geschäftslokalen gesäumt wird. Bürger-Workshops unterlegten dieses Konzept. Ein vielfacher Wunsch: Es sollte mehr Restaurants und Cafés geben.
Die Wirklichkeit hat die Theorie mittlerweile eingeholt. Oder sollte man sagen: Mit dem Träumen ist es vorbei? Ein 2015 vorgelegtes Einzelhandelsgutachten förderte zutage, dass viele Sortimente in der Innenstadt schon bestehen und es deshalb am Georgswall keinen großen Bedarf mehr dafür gebe. Die Folge: Das geschäftliche Leben auf der Fläche muss sich vor allen Dingen auf dem schmalen Stück zwischen Carolinengang und Rathauspassage abspielen. Dort sind zwei große Wohn- und Geschäftshäuser errichtet worden.
Vermarktung ist schwierig
Das Haus mit der Nummer 14 hat Lennart Gerstmeier gebaut. Die Geschäftsflächen sind an einen Hörgeräteakustiker und an das Zaubertheater von Andreas Reichert vermietet. An der Ecke zur Marktpassage hat das Bauunternehmen Krusebau ein Wohn- und Geschäftshaus mit 13 Wohnungen und drei Ladenlokalen errichtet. Es ist seit rund zwei Jahren bezugsfertig. Die Wohnungen mit einer Fläche zwischen 70 und 100 Quadratmetern sind veräußert. Die Vermarktung der Geschäftsflächen gestaltet sich indessen offenbar sehr schwierig. Bereits bei Baubeginn 2020 hatte Investor Andreas Kruse Interessenten für die Nutzung der Fläche von 300 Quadratmeter akquiriert.
Einer davon war Dennis Casto, der erwogen hatte, mit seinem Restaurant „Da Sergio“ von der Leerer Landstraße an den Georgswall zu ziehen. Nach reiflicher Überlegung hat sich der Gastronom aber dagegen entschieden: „An meinem alten Standort weiß ich, was ich habe“, sagte er im Gespräch mit der Redaktion. Er habe schließlich die Räume an der Leerer Landstraße gekauft und durch Investitionen aufgewertet. So hat er unter anderem die Terrasse modernisiert und vergrößert. Aktuell ist es Andreas Kruse gelungen, immerhin einen kleinen Teil der Ladenfläche zu veräußern, nämlich jenen, der an Trautes Burger-Bar angrenzt. Käufer ist Siegmar Krull. Der Unternehmer sagte auf Anfrage der Redaktion, dass er mit mehreren Miet-Interessenten im Gespräch sei. Aktuell stimme er sich mit verschiedenen Behörden ab.
Generell werden sich die Auricher aber wohl von der Vorstellung einer Flaniermeile am Georgswall verabschieden müssen. Das ist der Tenor von Gesprächen in den Fachausschüssen. Denn entgegen ursprünglicher Planung soll der Georgswall nicht autofrei sein. Das wäre die Voraussetzung für eine Art Fußgängerzone parallel zur Burgstraße gewesen. Stadtplaner Mirko Wento hatte erst vor etwas mehr als einem Monat angedeutet, dass die Entwürfe der Vergangenheit nicht praktikabel seien. Anwohner sowie der Lieferverkehr müssten weiterhin dort entlangfahren können.