Paris nach Babyglück Erstmals nach 16 Jahren startet ein Ostfriese bei Olympia
Am Mittwoch kam Tochter Elena zur Welt. Am Sonntag ging dann der große Sportler-Traum in Erfüllung.
Ostfriesland/Magdeburg - Die Glückshormone des in Norden aufgewachsenen Leichtathleten Henrik Janssen spielen regelrecht verrückt. „Es ist schon krass“, sagt der Diskuswerfer zu den turbulentesten Tagen seines Lebens. Am Mittwoch kam seine Tochter Elena zur Welt. Vier Tage später gewann er die Silbermedaille bei den Deutschen Meisterschaften und ergatterte das Traum-Ticket eines jeden Weltklasse-Sportlers: „Ich bin endgültig für Olympia nominiert. Am Samstag ist die Einkleidung in Düsseldorf.“ Damit hat Ostfriesland erstmals nach 16 Jahren (2008 war es die Leeraner Ruderin Christina Hennings) wieder einen Olympioniken. „Ein Traum geht in Erfüllung“, sagt Henrik Janssen.
Der große Familientraum wurde schon ein paar Tage vorher Realität. Am Mittwoch um 3 Uhr brachte Janssens Ehefrau Maria, die ebenfalls aus Norden stammt, Töchterchen Elena zur Welt. „Es ist für Mutter und Baby alles perfekt gelaufen“, sagt der Sportler. Allerdings spannte Elena die Eltern ganz schön auf die Folter, ignorierte den errechneten Geburtstermin und erblickte erst zwei Wochen später das Licht der Welt.
Aufgeregt im Kreißsaal
Für den 2,04 Meter großen und 127 Kilo schweren Kraftprotz des SC Magdeburg waren es spannende Stunden im Kreißsaal. „Ich habe meine Frau vor lauter Aufregung, glaube ich, fast ein bisschen dolle angefeuert“, sagt der 26-Jährige. „Maria und ich sind total happy.“ Der Modellathlet behielt nach eigenem Bekunden im Kreißsaal jederzeit die Nerven. „Die Nabelschnur habe ich aber mit ein bisschen zittriger Hand durchtrennt“, erzählt er lächelnd.
Schon am Nachmittag verließ die kleine Familie das Krankenhaus in Magdeburg. Natürlich verliefen die nächsten Tage und Nächte bei Janssens nicht so entspannt wie sonst. „Ich habe natürlich nicht so viel gepennt wie sonst“, sagt Henrik Janssen.
Silber bei DM
In Braunschweig nahm er jede Menge Glückwünsche schon vor dem ersten Wurf entgegen. Der Wettkampf verlief im Dauerregen für alle Athleten nicht optimal. Rein theoretisch hätte einer der Konkurrenten mit einem Traumwurf dem ostfriesischen EM-Fünften noch das Olympia-Ticket entreißen können.
Doch am Ende lagen wieder die beiden derzeit besten deutschen Diskuswerfer vorne. Es siegte diesmal der EM-Sechste Clemens Prüfer (SC Potsdam) mit 65,95 Metern vor dem Ostfriesen (64,34). Außer diesen beiden hat auch Mika Sosna (Bergedorf) noch die Olympia-Norm erfüllt. Er belegte in Braunschweig den vierten Rang.
Olympia-Einkleidung am Samstag
Der Fahrplan für Henrik Janssen bis zu Olympia in Paris ist schon festgezurrt. Am Samstag wird er mit allen anderen deutschen Olympioniken in Düsseldorf den Dress für Paris entgegennehmen. „Das sind zwei Koffer voller Klamotten“, erklärt Janssen – für ihn natürlich mindestens in Größe XXL.
Von Düsseldorf aus geht es direkt weiter zu einem Meeting in Hengelo (Niederlande) am Sonntag. Es folgen ein Werferwettkampf in Schönebeck (20. Juli) und eine letzte Vorbereitung im Olympia-Zentrum Kienbaum (ab 25. Juli). „Am 1. August geht dann unser Flug nach Paris.“ Bei Olympia bestreiten die Diskuswerfer am 5. August die Qualifikation, ehe am 7. August der Endkampf um die Medaillen auf dem Programm steht.
Bis dahin wird Henrik Janssen aber noch so manchen Diskus geworfen und gewiss auch so manche Windel gewechselt haben.