Lage im Norder Polizeikommissariat Polizeichefs schlagen Alarm wegen Feuchtigkeit und Schimmel
Gesundheitsgefahr im PK Norden: Feuchtigkeit und Schimmel setzen den Gebäuden und den Beamten zu. Jetzt droht den Beamten sogar eine Containerlösung.
Norden/Aurich - Polizeibeamte, die nach Einsätzen zu Hause duschen müssen, ein ganzes Polizeigebäude, das wegen Feuchtigkeit und Schimmel gesperrt ist, Gestank und gesundheitsgefährdende Sporen in der Raumluft – die Situation im Polizeikommissariat (PK) Norden spitzt sich immer weiter zu. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Im schlimmsten Fall droht den Beamten eine Containerlösung oder die Aufteilung auf andere Reviere, sagten der Leiter der Polizeiinspektion (PI) Aurich/Wittmund Stephan Zwerg und Norder Polizeichef Ingo Brickwedde im Gespräch mit unserer Zeitung.
@ostfriesischenachrichten Gesundheitsgefahr im Norder Polizeikommissariat: Feuchtigkeit und Schimmel setzen den Gebäuden und den Beamten zu. Jetzt droht sogar eine Containerlösung. Redakteurin Rebecca Kresse berichtet. #Polizei #Polizeigebäude #Gesundheitsgefahr #Arbeitsbedingungen ♬ Originalton - ONsnacks
Schon mehrfach wurde über die Zustände im Norder PK berichtet. Doch die Situation habe sich nach dem vergangenen Winter noch einmal dramatisch verschärft. Die Gesundheitsgefahr für die Beamten steige deutlich an. „Das Norder PK ist ungeeignet für die Arbeit“, sagte Zwerg.
Polizeibeamte fordern ein Signal der Landesregierung
Das Problem: Weiterhin lässt die Zusage der niedersächsischen Landesregierung für den geplanten Neubau eines Kommissariats auf dem Doornkaat-Gelände auf sich warten. Das wirkt sich auch auf die Laune der Polizeibeamten aus. Die seien laut Brickwedde zwar noch immer über die Maßen engagiert. Gleichzeitig steige aber auch die Ungeduld, dass etwas passiert, so Zwerg. Auch die Polizeichefs haben eine solche Erwartung: „Wenn die Kollegen 24/7 ihre Gesundheit, schlimmstenfalls ihr Leben für die Bevölkerung riskieren, dürfen sie auch den Anspruch haben, eine halbwegs vernünftige Arbeitssituation vorzufinden“, sagte Stephan Zwerg.
Nach zahlreichen Politikern, die sich in den vergangenen Monaten vor Ort ein Bild von der Lage gemacht haben, will nun die zuständige niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens im Rahmen ihrer Sommertour nach Norden kommen. Dabei will sie mit den Mitarbeitern sprechen und sich das PK ansehen. Ob den Beamten das reicht, ist fraglich. Ingo Brickwedde sagte klar: „Meine Mitarbeiter wollen ein Signal hören.“ Das Signal, dass das neue PK im Landeshaushalt berücksichtigt wird, würde laut Brickwedde auch zu einer emotionalen Entlastung führen. „Das, was uns da tagtäglich begegnet, lässt die Beamten an emotionale Grenzen stoßen“, sagte Brickwedde.
Die Bautrockner laufen rund um die Uhr
Der berichtet von einem Wassereintritt im Polizeigebäude an der Sielstraße im regenreichen Winter. Das Wasser sei abgepumpt worden. Wie in den anderen Gebäuden laufen auch hier mittlerweile die Bautrockner. „Die Feuchtigkeit macht uns da zu schaffen“, so Brickwedde. Das staatliche Baumanagement habe zudem Schimmelsporen in der Raumluft festgestellt. Im Kellerbereich liege die Feuchtigkeit bei 100 Prozent. Aufgrund der Schimmelbelastung ist das Gebäude in der Sielstraße gesperrt. Das wird so lange so bleiben, wie die Feuchtigkeit im Keller ist und für die Kollegen keine Gesundheitsgefahr mehr besteht. Da mit den Bautrocknern aber nur die Symptome und nicht die Ursachen – nämlich der Wassereintritt von außen – bekämpft wird, ist fraglich, ob sich an der grundsätzlichen Situation etwas ändert. Was bei den nächsten regenreichen Monaten passiert, ist offen. Zurzeit sind die Mitarbeiter der Sielstraße verteilt auf die übrigen Gebäude Markt 10 und Markt 38. Das geht aber auch nur, weil ein Teil der Kollegen im Urlaub ist, so Brickwedde.
Um die schlimmsten Zumutungen für die Beamten abzustellen, nimmt die Polizeiinspektion jetzt trotz des geplanten Neubaus ein bisschen Geld in die Hand, um wenigstens die Toiletten zu modernisieren. Bisher gibt es noch eine Toilette mit Zugketten-Spülung und ein Waschbecken ohne heißes Wasser. „Betriebswirtschaftlich macht diese Investition keinen Sinn“, machte Stephan Zwerg deutlich. Notwendig sei sie trotzdem. „Hier geht es darum, so weit wie möglich etwas für die Beamten zu tun, dass die hygienischen Bedingungen besser werden“, so Zwerg. Auch die Sozialräume sollen hergerichtet werden, damit sie den modernen Anforderungen eines Dienstes rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr entsprechen.
Polizisten könnten auf andere Dienststellen verteilt werden
Doch das wird nichts an der grundsätzlichen Problematik ändern. Auch ist bisher nicht klar, was in den kommenden Jahren in Norden passiert. Denn, selbst wenn die Landesregierung das Geld für das neue PK im kommenden Jahr zur Verfügung stellen würde, würden bis zum Umzug ins neue Gebäude noch rund fünf bis sechs Jahre vergehen.
„Es ist eine absolute Herausforderung, die Liegenschaft in einem Zustand zu erhalten, das ein halbwegs gesundes Arbeiten dort möglich ist“, sagte Stephan Zwerg. Jedem sei bewusst, wie dringlich die Maßnahme ist. Schlimmstenfalls könne es passieren, dass das Norder Personal temporär anders untergebracht werden müsse. „Der Streifendienst wird in welcher Form auch immer in Norden vor Ort bleiben, zur Not in einer Containerlösung“, sagte Zwerg. Auch wenn das die Ultima Ratio wäre. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Versorgung der Bevölkerung im Soforteinsatz aus größerer Entfernung stattfindet. Das wäre nicht sachgerecht und wird sicherlich nicht passieren“, sagte Zwerg. In anderen Ermittlungsbereichen und Leitungen müssten aber Überlegungen erlaubt sein, auch andere Lösungen zu finden. Die könnten laut Zwerg zum Beispiel sein, das Personal auf andere Dienststellen zu verteilen und von dort arbeiten zu lassen. Schlimmstenfalls wären das die PKs in Aurich, Marienhafe, Hage - alle Stationen, die wir haben, so der PI-Leiter. Letztendlich seien es aber auch zu viele Menschen, um die auf den kleinen Stationen unterzubringen. Praktikabel sei das auch gar nicht und für eine Dienststellenleitung auch eigentlich nicht denkbar. „Das kann nur eine Notfalllösung sein, mehr nicht“, sagte Zwerg.