Prozess am Landgericht Aurich  Geplatzter Traum vom Eigenheim – Kreditbetrüger verurteilt

Bettina Keller
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Von Bettina Keller
| 03.07.2024 16:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bei E-Bay wurden die beiden Frauen auf den Betrüger aufmerksam. Foto: Skolimowska/dpa
Bei E-Bay wurden die beiden Frauen auf den Betrüger aufmerksam. Foto: Skolimowska/dpa
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Zwei Frauen verloren ihre Ersparnisse durch einen Kreditbetrüger aus Westoverledingen. Der 65-Jährige versprach hohe Darlehen, nutzte das Geld aber selbst. Jetzt fiel das Urteil.

Aurich - Sie wollten sich den Traum vom Eigenheim mit einem Privatkredit erfüllen und erlitten Schiffbruch. Jetzt haben die Geschädigten, eine 23-jährige Studentin aus Hohnstorf/Elbe in Niedersachsen und eine 56-jährige Finanzbuchhalterin aus Schwaan in Mecklenburg-Vorpommern, ihre gesamten Ersparnisse verloren. Sie sind auf die Masche eines 65-Jährigen aus Westoverledingen hereingefallen.

Über E-Bay hatte er ihnen die Gewährung von Darlehen im sechsstelligen Bereich gegen Überweisung einer fünfstelligen Summe zugesichert. Das im Juli und im November 2022 überwiesene Geld der Geschädigten – 50.000 Euro und 25.000 Euro – hat er aber für sich selbst genutzt. Von den vereinbarten Darlehen über 700.000 Euro beziehungsweise 300.000 Euro sahen die Frauen keinen Pfennig.

Kontostand von drei Millionen Euro gefälscht

In dem Prozess um zweifachen gewerbsmäßigen Kreditbetrug vor dem Auricher Landgericht fiel am Mittwoch, 3. Juli 2024, das Urteil. Der hafterfahrene Angeklagte ist 29-fach vorbestraft, aufgrund einer großen Zahl von Betrugstaten mehrfach einschlägig. Aktuell sitzt er in Untersuchungshaft. Die Tatvorwürfe hat er eingeräumt. Die vierte große Strafkammer entschied auf eine fünfjährige Freiheitsstrafe. Der Einzug des Erlangten in Höhe von 75.000 Euro wurde angeordnet. Binnen einer Woche kann der Angeklagte Revision einlegen.

Die Staatsanwältin hat auf fünfeinhalb Jahre Gefängnis plädiert. Mit dem ergaunerten Geld habe sich der 65-Jährige ein Unternehmen aufbauen wollen. „Er hat Sachen für die Renovierung seines Restaurants gekauft und einen Teil verlebt“, sagte sie. Seinen Kontostand von drei Millionen Euro habe er gefälscht und sich im Schriftverkehr mit den Zeuginnen öfters als seine Frau ausgegeben. Im Chat habe der Angeklagte sehr viel Druck ausgeübt: „Er wollte, dass es schnell geht, und hat sich nach Erhalt der Summen in Ausreden geflüchtet.“

„Ein Berufsbetrüger, wie er im Buche steht“

Außer des Geständnisses fand die Staatsanwältin keinen Punkt, der zugunsten des Angeklagten spreche. Strafschärfend zählte sie gleich ein ganzes Bündel auf. „Er ist ein Berufsbetrüger, wie er im Buche steht“, befand sie. Die Taten habe er unter Bewährung, mit einer enormen Rückfallgeschwindigkeit und erheblicher krimineller Energie begangen. Die Tatfolgen für die Frauen seien erheblich. Die Studentin leide unter depressiven Krisen und die 56-Jährige unter finanziellen Problemen.

Verteidiger Ludger Vischedyk äußerte in seinem Plädoyer zynische Worte: „Den Geschädigten hätte sich aufdrängen müssen, dass dahinter kein seriöses Geschäft steht. Da war die Hoffnung größer als der Verstand.“ Sein Mandant hätte sich verliebt und sich nach der Haftentlassung mit einem Restaurant neu aufstellen wollen – „er ist ein guter Handwerker, Koch und Fleischer“. Der 65-Jährige bedauere den entstandenen Schaden. „Er ist ein alter Mann und bestrebt, ihn wieder gut zu machen“, sagte der Anwalt. Dazu wolle er arbeiten gehen. Dann könne er jeden Monat 500 Euro abbezahlen. Deshalb beantragte er für seinen Mandanten eine zweijährige Freiheitsstrafe zur Bewährung – „aus meiner Sicht ist das alternativlos“, so Vischedyk.

Vom Geld der Studentin Ford Explorer gekauft

Die Kammer folgte dieser Argumentation nicht. Eine Strafe auf Bewährung sei bei dieser Vorstrafenliste undenkbar, argumentierte Richter Olthoff. Dass dessen Frau überhaupt noch zu ihm stehe, wundere ihn. Er legte dem Angeklagten nahe, sich die Gestaltung seiner Zukunft gut zu überlegen: „Ob sie im Gefängnis sterben wollen, wenn es so weitergeht.“

Die 56-jährige Geschädigte und ihr Mann äußerten sich gegenüber dieser Zeitung über die Ereignisse. „Wir waren euphorisch, wir wollten das kleine Haus“, erzählte sie. Bei einem Treffen in Westoverledingen habe der Angeklagte sie überzeugt. Ihren Mann habe es allerdings stutzig gemacht, dass der 65-Jährige in einer Reihenhaussiedlung wohnte. Immerhin habe ein dicker Ford Explorer davor gestanden – finanziert mit den 50.000 Euro der Studentin. Zum Glück habe sie schon nach zwei Wochen Anzeige erstattet, so die Frau. Auf dem beschlagnahmten Konto des Angeklagten hätten sich noch 17.000 Euro befunden: „Wir hoffen, dass das Geld zurückgeführt werden kann.“ Ihr Mann meinte, er hätte es am liebsten, wenn das Konterfei des Angeklagten wie in den USA überall angebracht werde. Damit nicht noch weitere Menschen auf den Betrüger hereinfallen.

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