Teestube verkauft Jetzt ist klar, was mit Poppingas Alter Bäckerei in Greetsiel passiert
Poppingas Alte Bäckerei in Greetsiel gehört zu den bekanntesten Häusern in ganz Ostfriesland. Jetzt wurde die einstige Teestube verkauft. Was haben die neuen Eigentümer vor und wie geht es weiter?
Greetsiel - Poppingas Alte Bäckerei in Greetsiel wurde verkauft. Das teilte Krummhörns Bürgermeisterin Hilke Looden am Mittwoch, 3. Juli 2024, bei einem Pressegespräch im Pewsumer Rathaus mit. Käuferin des denkmalgeschützten Hauses in der Sielstraße ist die „PAB Denkmal eGbR“ mit Sitz in Dunum. Dahinter stecken laut Handelsregister die Gesellschafter Johannes Cassens, Bernd Cirksena-Thaden sowie Eike Willms. Sie wollen das Gebäude in der Sielstraße nun umfangreich sanieren, wie Cassens bei dem Pressegespräch sagte. Ziel sei es, dabei so viel wie möglich von der historischen Substanz inklusive Innenausstattung zu erhalten.
Das Haus liegt mitten im Ortskern von Greetsiel, stammt aus dem 17. Jahrhundert und beherbergte unter der Leitung von Inge Ysker-Cornelius von 1982 bis 2020 eine urige Teestube. Verpächterin war die Gemeinde Krummhörn. Nachdem Ysker-Cornelius 2020 mit 71 Jahren ihren Abschied bekannt gab, sprach sich der damalige Gemeinderat dafür aus, die alte Bäckerei zu verkaufen. Die notwendige Sanierung aus der Gemeindekasse wäre wohl nicht tragbar gewesen.
Investoren gründeten Firma
Danach war es der Gemeinde lange nicht gelungen, einen geeigneten Käufer für die besondere Immobilie zu finden. In zwei Bieterrunden meldeten sich zwar durchaus Interessierte, zum Abschluss kamen die Gespräche aber nie. Das ist nun anders. Bereits im März dieses Jahres hätten Politik und Verwaltung dem Kaufangebot von Johannes Cassens einstimmig zugestimmt, sich aber bis zur Vertragsunterzeichnung auf Stillschweigen geeinigt. Wie Gemeindesprecher Oliver Janssen jetzt bestätigt, ist nun die notarielle Beurkundung des Kaufvertrags erfolgt. Seit Juli ist die PAB Denkmal die neue Eigentümerin von Poppingas Alter Bäckerei.
Johannes Cassens ist in der Gemeinde kein Unbekannter. Er war zehn Jahre bei der Verwaltung angestellt, darunter neun als Leiter der Touristik, die er mitbegründete. Als er davon erfahren hatte, dass ein erster Verkaufsversuch der alten Bäckerei geplatzt war, reichte er kurz vor Ende der Frist ein eigenes Angebot ein. „Ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, den Zuschuss zu bekommen.“ Weil sich so ein Kauf und vor allem die bevorstehende Grundsanierung aber nicht alleine tragen ließe, suchte er nach Geschäftspartnern, „die auch denkmalaffin sind“. Gemeinsam gründeten die drei Männer im April 2024 die PAB Denkmal, deren Name sich aus den Anfangsbuchstaben von Poppingas Alter Bäckerei ableitet.
Das haben die Investoren mit dem Gebäude vor
Mit dem Kauf des Gebäudes verpflichten sich Johannes Cassens und seine Geschäftspartner gegenüber der Gemeinde, das Gebäude zu sanieren und wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das sei ihnen auch ein großes Anliegen, betonte Cassens. „Ich kenne das Gebäude noch gut aus meiner Greetsieler Zeit“, sagte er. „Es war mir wichtig, dass es wieder zugänglich gemacht wird.“
Cassens und seine Geschäftspartner hätten sich in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Gebäude und seiner zukünftigen Nutzung befasst. Dabei wurde unter anderem der Monumentendienst hinzugezogen. „Die haben das Haus zwei Tage lang auf den Kopf gestellt“, sagte er. Dabei sei eine Liste an Dingen erstellt worden, die erledigt werden müssen. „Es waren einige Ausrufezeichen an erster Stelle“, sagte Cassens. Wenn man diese Baustellen nicht zeitnah angehen werde, wäre das Haus auf Sicht wohl nicht zu retten gewesen.
Nasser Keller bereitet Sorgen
Sorge bereitet den neuen Inhabern und der zuständigen Bauplanerin Gerlinde Janssen aus Aurich aktuell vor allem der Keller: „Die Wasserproblematik im Keller bereitet uns große Sorge. Der Gebäudezustand lässt nichts anderes als eine umfassende Kernsanierung zu“, so Cassens. Auch der Denkmalschutz stelle eine Schwierigkeit dar: „Da sind Änderungen am Gebäude immer nur schwierig umsetzbar“, sagte Gerlinde Janssen.
Für die Sanierung von Poppingas Alter Bäckerei seien „enorme finanzielle Mittel“ von Nöten, die Cassens, Cirksena-Thaden und Willms neben Eigenmitteln und Fremdkapital auch mithilfe von Stiftungen und öffentlichen Zuschüssen aufbringen wollen. Diesbezüglich hätten bereits einige Gespräche mit möglichen Zuwendungsgebern stattgefunden. Dabei habe es „grundsätzlich positive Signale“ gegeben, auf die man nun, nachdem der Kaufvertrag unterschrieben wurde, aufbauen wolle. Der Sanierungsbeginn hänge nicht unwesentlich, neben den denkmal- und baurechtlichen Genehmigungen, von diesen Zuwendungsbescheiden ab. Auch Unvorhersehbares oder böse Überraschungen müssten bei so einem alten Gebäude mit einkalkuliert werden.
Wie sieht der Zeitplan aus?
Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten soll Poppingas Alte Bäckerei wieder als Teestube der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Es sei geplant, den Betrieb grundsätzlich wieder so herzurichten, wie es Inge Ysker-Cornelius in über 30 Jahren mit sehr viel Herzblut und Engagement aufgebaut hat. Künftige Betreiber könnten dieses Konzept aber selbstverständlich ergänzen oder modernisieren. Einen Pächter oder eine Pächterin gebe es aktuell noch nicht, Interessenten könnten sich gerne melden.
Bis es soweit ist, möchten Johannes Cassens und seine Partner sich aber erst einmal auf die nachhaltige Sanierung des Gebäudes konzentrieren. Die neue Eigentümer hoffen, dass bis Ende Februar 2025 sämtliche Bescheide und Genehmigungen vorliegen, sodass mit der sehr aufwendigen Sanierung begonnen werden kann. „Hierfür muss man uns jetzt erstmal einfach machen lassen“, so Cassens. Er hofft, dass die Teestube dann im Sommer 2026 in Betrieb genommen werden kann.
In der Teestube waren schon Promis zu Gast
Bürgermeisterin Hilke Looden zeigt sich froh, dass Poppingas Alte Bäckerei nun endlich in gute Hände gekommen sei. „Das Haus bekommt jetzt hoffentlich die Zuwendung, die wir ihm nicht hätten geben können“, sagte sie. „Ich bin überzeugt, dass das Haus in gute Hände kommt.“
Poppingas Alte Bäckerei gehört zu den traditionsreichsten Häusern in der gesamten Krummhörn. Das schmuckvolle und ortsprägende Gebäude aus dem 17. Jahrhundert in der Sielstraße befindet sich in direkter Nachbarschaft zum Hafen und zum Marktplatz. Der Name Poppinga geht auf den im Jahr 1811 geborenen ersten Bäckermeister Heit Harm Poppinga zurück, der mit einer Bäckerstochter aus Loppersum verheiratet war und schließlich selbst eine Bäckerei in dem Gebäude an der Sielstraße eröffnete. Die letzte Bewohnerin des Hauses, Mareike Poppinga, hat dort noch bis 1973 Brot und Lebensmittel verkauft. In den 80er Jahren wurde die alte Bäckerei aufwendig saniert und zur Teestube hergerichtet.
Besucherinnen und Besucher schätzten an der Gaststube vor allem die urige Einrichtung - im Hauptraum befindet sich ein originaler Verkaufstresen mit der Ladeneinrichtung aus dem 19. Jahrhundert. Auch die alten „Schlaf-Butzen“ und der alte Ofen sind vollständig erhalten. Immer wieder waren auch Prominente und das Fernsehen in Poppingas Alter Bäckerei zu Gast. Showmaster Thomas Gottschalk, Musikerlegende Peter Maffay, Politiker wie Gerhard Schröder oder Sigmar Gabriel, sowie Journalisten wie Henri Nannen oder Ingo Zamperoni, um nur ein paar Beispiele zu nennen.