Berlin  Studie: Wieso Reiche klimafreundlicher wohnen, obwohl sie mehr CO2 produzieren

Sophie Wehmeyer
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Von Sophie Wehmeyer
| 04.07.2024 06:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Nicht nur Privatjets sind den Reichen oftmals vorbehalten, sondern laut Studienergebnissen generell regelmäßige Flugreisen. Foto: IMAGO/dieBildmanufaktur
Nicht nur Privatjets sind den Reichen oftmals vorbehalten, sondern laut Studienergebnissen generell regelmäßige Flugreisen. Foto: IMAGO/dieBildmanufaktur
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Höheres Einkommen, höherer CO2-Ausstoß? Eine neue DIW-Studie zeigt: Reiche Haushalte haben signifikant höhere CO2-Emissionen durch Flugreisen. In anderen Bereichen schneiden sie jedoch besser ab.

Unser CO2-Fußabdruck ist zu groß – dieses Ergebnis einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) verwundert kaum. Die einkommensstärksten Haushalte produzieren die meisten Treibhausgasemissionen. In manchen Bereichen konnten die Spitzenverdiener jedoch gegenüber den Geringverdienern punkten.

Laut der Studie verursachen Haushalte mit hohem Einkommen jährlich im Durchschnitt mehr als zehn Tonnen CO2 pro Kopf, doppelt so viel wie Haushalte mit niedrigem Einkommen, die bei etwa 5,6 Tonnen liegen.

Den größten Treiber für den deutlichen Unterschied des CO2-Fußabdrucks sehen die Forscher in den Flugreisen. Während die Höhe des Einkommens im Wohn- und Ernährungsbereich kaum eine Rolle für den CO2-Fußabdruck spielt, ist der Unterschied im Mobilitätsverhalten gravierend. Reiche fliegen demnach häufiger, was zu erheblich höheren Emissionen führt.

„Eine einzige Langstreckenflugreise führt zu mehr Emissionen pro Kopf als Wohnen und Ernährung in einem ganzen Jahr zusammen“, wird DIW-Forscherin und Studienautorin Sandra Bohmann in einer Mitteilung zitiert.

Überraschend: Laut den Studienergebnissen liegen Menschen mit hohem Einkommen beim Einsparen von Treibhausgasemissionen im Wohnbereich vorne, obwohl sie oftmals in größeren Häusern oder Wohnungen leben. Dies wird damit begründet, dass sie über energieeffizientere Gebäude verfügen.

Die Anzahl der Personen, die in einem Haushalt leben, spiele dabei aber auch eine wichtige Rolle. Während ein Vierpersonenhaushalt pro Kopf nur 1,7 Tonnen CO2 verursacht, sind es in einem Einpersonenhaushalt mehr als vier Tonnen, heißt es in der Mitteilung. Auch die Wohnfläche mache einen Unterschied.

Einkommensstarke Haushalte punkten laut Forschungsergebnissen auch im Bereich des nachhaltigen Konsums, da sich einkommensschwache Haushalte oft keinen umweltfreundlichen Konsum leisten können.

Bei der Ernährung sei vor allem der Fleischkonsum entscheidend. Vegetarier verursachen den Ergebnissen zufolge jährlich etwa 1,2 Tonnen Treibhausgasemissionen pro Kopf, während es bei einer fleischarmen oder fleischlastigen Ernährung zwischen 1,5 und 2 Tonnen sind.

„In jedem Fall muss die finanzielle Situation einkommensschwacher Haushalte bedacht werden, wenn der Konsum nachhaltiger Produkte zunehmen soll“, wird DIW-Ökonomin Sonja Dobkowitz in der Mitteilung zitiert. Der Staat müsse Maßnahmen ergreifen, die sowohl ökologische als auch soziale Gerechtigkeit fördern, empfehlen die Studienautorinnen.

Da laut den Studienergebnissen im Bereich der Mobilität die größte Ungleichheit herrscht, empfehlen die Autorinnen die Reduzierung von Flügen. Dies biete das größte Potenzial zur Emissionsminderung. Auch höhere Einkommens- und Umweltsteuern seien mögliche Instrumente, um nachhaltigen Konsum zu fördern, ohne die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt zu schmälern.

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