Hannover  Vorsorgemuffel: Niedersachsen gehen seltener zum Gesundheits-Check

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 06.07.2024 01:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Vorsorgeuntersuchungen werden von den Menschen in Niedersachsen seit Corona seltener in Anspruch genommen. Foto: dpa/Christin Klose
Vorsorgeuntersuchungen werden von den Menschen in Niedersachsen seit Corona seltener in Anspruch genommen. Foto: dpa/Christin Klose
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Ab 35 Jahren können gesetzlich Versicherte alle drei Jahre eine umfangreiche Vorsorgeuntersuchung in Anspruch nehmen. Seit Corona ist die Nachfrage spürbar zurückgegangen.

Während der Corona-Pandemie haben die Menschen in Niedersachsen Gesundheits-Check-Ups deutlich seltener in Anspruch genommen. Das zeigen Auswertungen von Abrechnungsdaten des Instituts für Gesundheitssystemforschung der Barmer Krankenkasse, die unserer Redaktion exklusiv vorliegen.

Demnach nutzte in den Jahren 2022 und 2021 nur etwa jeder Fünfte (rund 20 Prozent) in Niedersachsen den Gesundheits-Check. Im Jahr 2020, dem Beginn der Corona-Pandemie, waren sogar nur knapp 13 Prozent bei der Vorsorgeuntersuchung, die gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren alle drei Jahre in Anspruch nehmen können.

In den Jahren vor der Pandemie lag die Quote laut Barmer bei etwa 25 Prozent.

Am häufigsten gingen im Jahr 2022 die Menschen in Berlin und im Saarland (jeweils 22 Prozent) sowie in Bremen (21 Prozent) zum Check-Up. Die größten Vorsorgemuffel leben in Baden-Württemberg (15 Prozent) und Bayern (16 Prozent).

„Gehen Sie nicht erst krank zur Ärztin oder zum Arzt, sondern nutzen Sie die Angebote zur Früherkennung. Viele Krankheiten schleichen sich zunächst ohne Beschwerden ins Leben, wie zum Beispiel Bluthochdruck, Diabetes Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, warnt Heike Sander, Landesgeschäftsführerin der Barmer Niedersachsen/Bremen.

Erste Anzeichen vieler Erkrankungen könnten bei regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen rechtzeitig erkannt werden. „Wer während der Corona-Pandemie oder generell auf Vorsorgetermine verzichtet hat, sollte diese wichtigen Untersuchungen nachholen“, rät Sander.

Der Gesundheits-Check ab 35 Jahren beinhaltet laut Krankenkasse ein ärztliches Vorgespräch, die sogenannte Anamnese. Darin geht es um eventuell vorhandene Beschwerden, chronische Erkrankungen oder Krebsfälle in der Familie sowie um den individuellen Impfschutz.

Darüber hinaus thematisiert der Arzt Ernährungsgewohnheiten, Sport und Bewegung sowie Alkohol- und Nikotinkonsum. Im Anschluss erfolgen verschiedene Untersuchungen wie das Abhören von Herz und Lunge, das Messen von Puls und Blutdruck sowie das Beurteilen des Bewegungsapparats, der Haut und der psychischen Verfassung. Zusätzlich werden Blut und Urin untersucht. Gesetzlich Versicherte zwischen 18 und 34 Jahren können den Check-Up einmalig in Anspruch nehmen, ab 35 Jahren dann alle drei Jahre.

Die Krankenkasse Barmer hat nach eigenen Angaben in Niedersachsen rund 800.000 Versicherte, etwa 350.000 davon sind erwerbstätig. Die Barmer ist damit in Niedersachsen die drittgrößte Kasse nach der AOK und der Techniker Krankenkasse (TK).

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