Testlauf in Planung Norden will die Schulmensen für alle öffnen
Der Bürgermeister sagt: „Es kann nicht sein, dass wir teure Infrastruktur bauen, die dann nur von ganz wenigen Kindern genutzt werden kann. Das müssen wir ändern.“ Die Stadt hat schon konkrete Pläne.
Norden - Für teures Geld Mensen bauen und sie dann nur für wenige Schüler nutzen? Das ist nicht so, wie es sich der Norder Bürgermeister Florian Eiben vorstellt. Deshalb will er künftig die Schulmensen der Grundschulen öffnen – zunächst auch für die Schulkinder, die nicht am Ganztag teilnehmen. Dann aber auch für die Familien der Schüler, die Essen mitnehmen möchten oder auch für die Senioren des Viertels, die nicht mehr selbst kochen können. Das teilte Eiben in einem Gespräch mit unserer Zeitung mit. Einen ersten Test soll es schon bald in der Grundschule Süderneuland geben. Noch muss aber die Verwaltung dafür ein entsprechendes Bestell- und Abrechnungssystem finden.
Fast überall hat die Stadt Norden teure Mensen gebaut. Zuletzt an der Grundschule Im Spiet. „Es kann aber nicht sein, dass am Ende nur noch zehn Kinder dort essen können, weil die Schule nicht genügend Personal für ein größeres Ganztagsangebot hat“, sagte Eiben. Die neue Mensa an der Grundschule Im Spiet wurde nach vier Jahren Planungs- und Bauzeit im Frühjahr dieses Jahres eröffnet und hat rund 1,5 Millionen Euro gekostet. Das Problem: Weil die Schule nicht genügend Personal hat, kann der Ganztagsbetrieb nicht vollständig angeboten werden. Wie berichtet, muss allein das Norder Ulrichsgymnasium im kommenden Schuljahr 60 Lehrerstunden an die Grundschule abordnen. Bisher dürfen an den Mensen der städtischen Schulen aber nur die Kinder essen, die auch für den Ganztag angemeldet sind. Daher werden die Mensen viel weniger genutzt, als es möglich wäre.
Eiben: Eltern müssen das Essen auch mitnehmen können
„Wir werden uns mit den Schulen darüber unterhalten müssen. Denn dafür baue ich nicht teure Infrastruktur. Das muss man sich ändern“, machte Eiben klar. Er verstehe auf der einen Seite das Problem der Schulen, denn es gehe auch um Aufsichtspflichten der Kinder. Gerade mit Blick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie werde sich die Verwaltung aber ein anderes Modell einfallen lassen müssen. Es müsse die Möglichkeit geben, dass – wenn ein Kind auf der Grundschule, das andere vielleicht noch in der Kita ist – die Eltern beim Abholen das Essen für alle mitnehmen können, wenn sie schon nicht vor Ort essen können, so Eiben. „Dieses Modell möchte ich gerne. Ich möchte gerne, dass wir in Norden einen neuen Weg einschlagen, weil er Entlastung für die Familien bringt“, sagte Eiben.
Es dürfe nicht sein, dass es Im Spiet jetzt eine Mensa gebe, die nur von ein paar wenigen Kindern genutzt werde. „Ich weiß, dass es auch drumherum im Quartier Bedarf gibt“, betonte der Bürgermeister. Da seien vielleicht alleinstehende Senioren, die gar nicht mehr kochen, die aber in die Mensa gehen würden. Um das zu koordinieren, könne man über verschiedene Zeitkorridore sprechen. „Dass etwa die Senioren von 12 Uhr bis 12.30 Uhr kommen, weil danach die Schüler dran sind. Da gibt es Modelle und Möglichkeiten, mit denen wir uns beschäftigen müssen“, so Eiben.
Fachdienst will mit einer Schule starten
Es sei nicht zu verstehen, dass, wenn ein Kind in der Grundschule angemeldet ist und es jeden Tag abgeholt wird, die Eltern nicht auch das Essen für die Familie mitnehmen können, weil wegen der Arbeit keine Zeit bleibt, selbst zu kochen, echauffierte sich Eiben. „Da müssen wir ran“, betonte er. Es gebe durch die Digitalisierung genügend Möglichkeiten, auch frühzeitige Bestellungen zu regeln. „Selbst wenn ich bis zum Freitagmittag das Essen für die nächste Woche vorbestellen muss, dann muss ich mich darauf einstellen. Ich habe ja auch einen Vorteil und ich glaube, dass das angenommen wird“, ist Eiben überzeugt.
Nico de Vries, Fachdienstleiter Jugend, Schule, Sport und Kultur ist dazu bereits mit den Grundschulen im Gespräch, wie er sagte. Mittlerweile hat sich an der Rechtslage im Erlass des Landes etwas geändert. Dadurch können die offenen Ganztagsschulen ab dem Schuljahr 2024/2025 flexiblere Abholzeiten einführen. Dadurch könnten insbesondere jüngere Schüler in der Grundschule und die Familien entlastet werden, heißt es in dem Erlass. Arbeitszeiten können bei Bedarf leichter mit den Betreuungszeiten in Einklang gebracht werden. Im Zuge der flexibleren Abholzeiten könne ein Kind künftig in den städtischen Mensen auch dann essen, wenn es nicht im Ganztag angemeldet ist, erklärte de Vries. „Wir werden das jetzt in den Schulen ausprobieren“, kündigte er an. Geplant ist, das Angebot zunächst in der Grundschule Süderneuland zu testen, um herauszukriegen, wie hoch der Bedarf ist. Auch in der Grundschule Lintel gebe es eine ähnliche Diskussion. „Aktuell schauen wir, wie man das mit der Abrechnung hinbekommen kann“, sagte de Vries. Momentan werde das Essen aus dem Ganztag heraus geplant. Die Stadt prüfe gemeinsam mit den Schulen, ob es da nicht bessere Möglichkeiten gibt, das Essen zu bestellen – losgelöst vom Ganztag. „Wenn ich an meine eigene Schulzeit denke, war das nie eine Frage. Da wurde man nur gefragt, willst du essen oder nicht und dann gab es die Menükarte. Das war nicht an die Anzahl der Stunden gekoppelt, die ein Kind an der Schule verbringt“, sagte de Vries. Deshalb habe er sich zum Ziel gesetzt, das auch in Norden möglich zu machen.