Verpflichtende Ganztagsschulen ab 2026 Norder Bürgermeister will Ganztagsschulen – aber nicht überall
Noch weiß niemand, was das Land Niedersachsen vorschreiben wird. Trotzdem wird in Norden über mögliche Modelle diskutiert. Klar ist: Der Ganztag wird ein Balanceakt zwischen Bedarf und Machbarkeit.
Norden - Schon jetzt fehlt an den städtischen Grundschulen in Norden das Personal, um das offene Ganztagskonzept umfassend und mit einem breiten Angebot umzusetzen. Ab 2026 soll es nach Vorgaben des Landes verpflichtende Ganztagsschulen geben. Wie das funktionieren soll, macht auch der Norder Verwaltung Sorgen, wie Bürgermeister Florian Eiben unserer Zeitung erzählte.
Was das Land genau will, erfährt auch Norden erst Anfang 2025. Dann soll die neue Verordnung zum Ganztagsbetrieb 2026 verabschiedet werden. Noch weiß niemand genau, was in der Verordnung stehen wird, was die Kommunen vorhalten müssen. Florian Eiben wartet auf diese Verordnung, hat aber auch schon jetzt eine Vorstellung davon, wie der Ganztag in Norden künftig aussehen könnte. „Ich glaube, wir brauchen das Ganztagsangebot, ich glaube aber auch, dass wir es nicht unbedingt an jeder Schule brauchen, weil es nicht jeder nachfragen wird“, sagte Eiben.
Eiben: Nicht alle Eltern wollen einen Ganztag
Als Beispiel nannte er den Ortsteil Leybuchtpolder. „Wenn wir verpflichtet würden, dort einen Ganztagsbetrieb zu eröffnen, würde das dort keiner wirklich annehmen“, ist Eiben überzeugt. Er beschreibt die Situation in dem kleinen Stadtteil am Rand von Norden so: „Die Kinder laufen von der Grundschule zu Fuß nach Hause. Meist ist ein Elternteil zu Hause oder Oma wohnt da noch.“ Es sei wichtig, zu klären, wie der Ganztagsbedarf tatsächlich sei. Es sei wichtig, zu wissen, ob die Stadt verpflichtet ist „das volle Programm an allen Schulen vorzuhalten mit Mensa und allem Drum und Dran“, wie Eiben es beschreibt. Oder – und danach sehe es nach Angaben des Verwaltungschefs zurzeit aus – dass das Land ein „sowohl als auch“ zulasse.
„Wir werden über Hort-Kombinationen reden müssen, die wir auch brauchen“, sagte Eiben. Es werde schon alles sehr knapp, wenn die Verordnung erst 2025 kommt und schon 2026 greifen soll. Für ihn stelle sich auch die Frage, wie man mit den Außenstellen der Schulen umgehen soll, wie etwa mit der Grundschule Wiesenweg, die zur Grundschule Lintel gehört. Reicht es aus, an der Hauptstelle ein Ganztagsangebot zu machen, oder müsse auch die Außenstelle ein eigenes Angebot haben? „Man darf bei all den Diskussionen aber auch nicht außer Acht lassen, dass es Eltern gibt, die keinen Ganztag möchten, weil sie Zeit mit ihren Kindern verbringen und auch mit den Kindern die Hausaufgaben machen wollen“, sagte Eiben.
Ganztag als Streichkandidat bei fehlendem Personal
Der Leiter des Fachdienstes Jugend, Schule, Sport und Kultur, Nico de Vries, will in einem künftigen Ganztagsangebot sowohl die Vereine als externe Kooperationspartner als auch Einrichtungen wie die Stadtbibliothek einbinden. „Wir sind im regelmäßigen Austausch mit den Sportvereinen. Die haben ja letztlich das umgekehrte Problem: Denen fehlen die Kinder, die im Ganztag sind in den Sportvereinen. Also könnten sie die Kinder dort abholen, wo sie sind, nämlich im Ganztag“, sagte de Vries.
Das Problem: Auch ein solches Engagement läuft über das Ehrenamt. Es müssten zudem Menschen mit einem entsprechenden Trainerschein sein. Und die Menschen müssten auch zur Verfügung stehen, um ein Angebot an den Schulen dauerhaft unterzubringen. Außerdem machte de Vries klar: Das Land habe eine deutliche Rangfolge festgelegt, was bei Stundendefiziten als erstes gestrichen werden soll – und da stehe das Ganztagsangebot an oberster Stelle. Was von den Plänen des verpflichtenden Ganztags ab 2026 in der Realität übrig bleibe, sei genauso unklar wie zurzeit noch die Verordnung des Landes.
Eiben: Irgendeiner muss anfangen
Bürgermeister Florian Eiben hat bei dem Ganzen auch das Thema Familienfreundlichkeit im Blick, sagte er. Gerade auch, was die Ferienzeiten angehe. „Wenn es nach mir geht, tendiere ich dazu, dass wir zunächst viel mehr über Hortangebote nachdenken sollten. Aber so, dass die Horte während der Ferienzeiten weiter offen sind, weil wir dann einen Grundstock haben“, so Eiben. Natürlich sei es eine Herausforderung, einen solchen Hort zu bewirtschaften. „Aber ich sehe das als einziges Modell, bei dem man eine langfristige gute Planungssicherheit für alle hinbekommt“, sagte er.
Natürlich gehe es auch um die Finanzierung, aber damit müsse man sich beschäftigen. Das ist aber einer der vernünftigsten Wege, wenn wir familienfreundlich sein wollen“, betonte Eiben noch einmal. Auf der einen Seite würden die Fachkräfte fehlen. Gleichzeitig würden meist Frauen zu Hause sein, weil sie weniger Stunden arbeiten, um die Betreuung zu gewährleisten. „Wir sind da in einem Teufelskreis. Irgendeiner muss anfangen, um weiter positive Auswirkungen zu haben“, so Eiben. Das koste die Kommune zwar Geld, bringe aber auch gleichzeitig mehr Personal in den Arbeitsmarkt. Das helfe der Stadt beim Wachstum, bei der Steuerkraft, und damit nicht weitere Angebote wegbrechen, weil das Personal fehlt. „Personal wird der Schlüssel der Zukunft sein, wenn man noch Angebote haben will“, ist sich Eiben sicher.