Ostfriesen unterwegs bei der Fußball-EM  Der Vielfahrer bei der Europameisterschaft

Marco Lindenbeck
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Von Marco Lindenbeck
| 10.07.2024 10:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Beim Spiel der Engländer gegen die Schweiz traf Kai Schoolmann vor dem Spiel noch EM-Maskottchen „Albärt“.Fotos: privat
Beim Spiel der Engländer gegen die Schweiz traf Kai Schoolmann vor dem Spiel noch EM-Maskottchen „Albärt“.Fotos: privat
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Das Halbfinale in Dortmund ist für Kai Schoolmann bereits das zehnte EM-Spiel. Begleitet wird er von einem niederländischen Original.

Ostfriesland - Wer sich in diesen Tagen die Spiele der Fußball-EM im Fernsehen anschaut, dem springt die Fahne förmlich ins Auge. Fein säuberlich befestigt, der Schriftzug Großheide auf der Deutschland-Flagge ist eindeutig zu sehen und beweist: Kai Schoolmann hat es mal wieder geschafft, an EM-Tickets zu kommen. Seine Bilanz bei dieser Europameisterschaft kann sich sehen lassen: Neun Spiele, davon die fünf Partien der Deutschen Nationalmannschaft, dazu kommen noch zwei Achtelfinalspiele und drei von vier Viertelfinalspielen. Für heute Abend liegen die Eintrittskarten schon bereit. Der Emder schaut sich mit dem Niederländer „Käse Frans“ in Dortmund das Halbfinale zwischen England und den Niederlanden an.

Die Vorfreude ist riesig. „Wir fahren am Mittwoch früh los, ich will auf keinen Fall den Fanmarsch verpassen“, sagt Schoolmann. Für den spektakulären Auftritt der Fans aus dem Nachbarland macht Schoolmann mal eine Ausnahme. Denn eigentlich geht er nach eigenem Bekunden nicht so gerne auf die Fanmeilen. „Das ist nicht so meine Welt, wenn man sich für ein Bier in eine 100-Meter-Schlange stellen muss“, sagt Schoolmann.

Ärger mit der Deutschen Bahn

Seit der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich hat Schoolmann viele Europameisterschaften und Weltmeisterschaften besucht. Für die Heim-EM hatte der Emder eigentlich nur drei Karten für die Vorrundenspiele der Deutschen Mannschaften im Einkaufskorb. Doch der Hunger nach Fußball wurde größer und so setzte sich Schoolmann an den heimischen PC. „Da habe ich dann weitere Karten gekauft oder getauscht“, sagt Schoolmann. So ergatterte der Fußball-Fan Karten für alle Achtelfinalspiele – Reisestress mit der Deutschen Bahn inbegriffen. „Vier Spiele in vier Tagen waren schon eine Herausforderung. Das fing schon nach dem ersten Spiel in Dortmund an“, erzählt der Emder. Regendurchnässt nach dem Deutschland-Spiel gegen Dänemark wartete Schoolmann mehr als eineinhalb Stunden am Bahnhof auf den nächsten Zug in Richtung Köln. „Es herrschte einfach nur Chaos. Es gab keine Durchsagen, aber seit zehn Jahren geht es auch bergab mit der Deutschen Bahn“, berichtet Schoolmann über das Ärgernis. Fans aus Österreich erwischte es noch schlimmer. „Einige berichteten, dass sie es wegen der Bahnverspätungen nicht rechtzeitig ins Stadion geschafft hätten“, so Schoolmann.

Die Niederländer sind schon ganz heiß auf das Halbfinale in Dortmund gegen England.
Die Niederländer sind schon ganz heiß auf das Halbfinale in Dortmund gegen England.

In Stuttgart wird Schoolmann dann Zeuge des unglücklichen Ausscheidens der DFB-Elf gegen Spanien. Den großen Aufreger, das vermeintliche Handspiel eines Spaniers, kann Schoolmann von seinem Platz nicht so gut sehen. „Ich habe mir dann zu Hause die Szene noch einmal angeschaut. Unglaublich, dass der Schiedsrichter keinen Elfmeter gegeben hat.“

Nächstes Reiseziel ist die WM 2026

Den Emder kann nach Jahrzehnten bei Fußball-Turnieren nichts mehr erschüttern, auch nicht das Ausscheiden der Deutschen. Er ist gut organisiert und kennt an jedem Fleckchen in Deutschland einen Freund, der ihm weiterhelfen kann. Mit einem gebürtigen Emder, der jetzt in Fulda lebt, hat Schoolmann die meisten Spiele gesehen. Nach dem Viertelfinalspiel zwischen den Niederlanden und Rumänien in München gönnt sich Schoolmann sogar noch ein Konzert von Jan Delay im Olympiapark. „Das war auch ein tolles Erlebnis“, sagt Schoolmann.

Und welches Land hat die besten Fans nach Deutschland geschickt? Auf diese Frage hat Schoolmann eine eindeutige Antwort. „Die Schotten, das hat ja jeder gesehen. Die haben das Bier kistenweise aus den Läden getragen“, berichtet Schoolmann. Doch auch die Schweizer und Österreicher haben ihn positiv überrascht.

Kai Schoolmann traf auf seiner EM-Reise auch Fans aus Moordorf (von links): Steffen Neunaber, Steffen Keller und Pascal Helmke.
Kai Schoolmann traf auf seiner EM-Reise auch Fans aus Moordorf (von links): Steffen Neunaber, Steffen Keller und Pascal Helmke.

Doch nun geht es erst einmal mit „Käse Frans“ zum Halbfinale nach Dortmund. Schoolmann überlegt noch, ob er sich auch um Karten für das große Finale am Sonntag in Berlin bemüht. Denn: Nach dem Aus der DFB-Elf sind die Preise auf dem Schwarzmarkt bereits kräftig gefallen. Die Heim-Europameisterschaft wird Schoolmann in guter Erinnerung behalten. „Insgesamt war es eine runde Geschichte“, sagt er.

Und nach dem Turnier ist vor dem Turnier. In zwei Jahren wird die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada ausgetragen. Da möchte Schoolmann wieder mit dabei sein. „Nach der EM fange ich dann wieder an, Überstunden zu sammeln“, sagt Schoolmann.

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