Berlin  Verbrennerverbot? Nicht für E-Fuels-Autos! Ursula von der Leyens schlauer Kompromiss

Tobias Schmidt
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Von Tobias Schmidt
| 18.07.2024 13:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Will am Verbot für neue Autos mit Benzin- und Diesel-Motor ab 2035 festhalten: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Foto: Imago Images
Will am Verbot für neue Autos mit Benzin- und Diesel-Motor ab 2035 festhalten: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Foto: Imago Images
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Ob Volkswagen, Mercedes oder BMW: Die Primus-Branche hat hart mit der Umstellung auf E-Mobilität zu kämpfen. Muss das EU-Verbrennerverbot weg, um ihre Zukunft zu retten? „Von wegen!“, sagt Ursula von der Leyen, und macht ein besseres Angebot.

Deutschlands Autobranche steckt in der Krise. Nicht nur VW, sondern jedes zweite Unternehmen plant Jobs zu streichen oder ist längst dabei. Als ein Grund wird immer wieder der Umstieg auf Elektrofahrzeuge genannt.

Und es stimmt: Für Strom-Autos werden keine Getriebe gebraucht und etliche Zulieferer sind unter Druck geraten. Allerdings entstehen durch die Herstellung von Batterien, Softwareentwicklung und anderer Komponenten jede Menge neuer Jobs.

Daher kann das Ergebnis einer frischen Studie des Münchner ifo-Instituts wenig überraschen. Firmen in der Autoindustrie mit Fokus auf Elektromobilität suchen deutlich mehr Arbeitskräfte als jene mit Fokus auf Verbrennertechnik. In China - dem wichtigsten Zukunftsmarkt - werden übrigens schon heute mehr Autos mit alternativen Antrieben verkauft als Diesel und Benziner, das Luxussegment mal ausgenommen.

Dessen ungeachtet waren neben CDU und CSU auch FDP, AfD und BSW mit der Forderung nach dem Aus fürs EU-Verbrennerverbot ab 2035 in den Europawahlkampf gezogen. Ihre gemeinsame Ansage: Wir retten den Verbrenner, und damit retten wir die Zukunft der Autoindustrie! Eine gewagte These. Deutschlands größten Autobauer VW hätte ein Aus für das Verbrenner-Aus in gravierende, ja existenzielle Schwierigkeiten manövriert, weil er voll auf E-Autos setzt.

Aber nicht nur für den Wolfsburger Konzern, für die Zukunft der europäischen Hersteller insgesamt ist es ein gutes Signal, dass die am Donnerstag wiedergewählte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Verbrennerverbot grundsätzlich festhalten will. Zugleich ist ihr Angebot, neue Verbrennermotoren auch nach 2035 noch zuzulassen, wenn sie nur mit synthetischem Kraftstoff (E-Fuels), nicht aber mit Benzin oder Diesel betankt werden können, absolut zu begrüßen. Und Wasserstoff-Autos bleiben sowieso erlaubt, weil sie kein CO₂ ausstoßen.

Union und FDP sollten daher ganz schnell in das für beide Parteien Gesicht wahrende Angebot aus Brüssel einschlagen. Ein anhaltendes Gezerre ums Verbrennerverbot würde Deutschlands Autobauer nämlich zum Abwarten verdammen. Und das ist das Allerletzte, was sie im globalen Konkurrenzkampf gebrauchen könnten.

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