Ostfriese bei den Olympischen Spielen Diskuswerfer Janssen in Topform – aber noch nicht in Paris
Die Eröffnungsfeier erlebt der gebürtige Norder vor dem Fernseher, die Abschlussveranstaltung dann im Stadion. Wir sprachen mit ihm über das Olympische Dorf, seine Ziele und die Chancen.
Kienbaum - Die große Olympia-Eröffnungsfeier an diesem Freitag in Paris erlebt Henrik Janssen wie ein ganz normaler Fan: vor dem Fernseher. Denn der gebürtig aus Norden kommende Diskuswerfer ist erst in der zweiten Hälfte der Olympischen Sommerspiele an der Reihe und ist noch nicht nach Paris gereist. Seit diesem Donnerstag bereitet sich der 26-Jährige im Olympia-Zentrum in Kienbaum (nahe Berlin) final auf seinen bis dato größten Wettkampf vor. Eben dort schaut er sich mit weiteren deutschen Olympia-Teilnehmern, die ebenso erst in einigen Tagen ins Geschehen eingreifen, die Eröffnungszeremonie im TV an. „Ja, natürlich ist es schade, das nicht vor Ort mitzuerleben“, sagt der Ostfriese. „Priorität hat aber eine gute Wettkampfvorbereitung. Und außerdem: Dafür bin ich bei der Abschlussveranstaltung dabei.“
Das stand erst infrage. Denn es habe, so Janssen, die Ansage gegeben, dass die Athleten doch bitte bis zwei Tage nach ihrem Wettkampf abreisen sollen. „Das wurde nun aber noch gekippt. So bin ich froh, dass ich bis zum Ende bleiben darf“, sagt der 2,04-Meter-Mann. Am Montag, 5. August, sind die weltbesten Diskuswerfer bei Olympia gefordert. Dann steht für Henrik Janssen und Co. die Qualifikation für den Endkampf an, der am Abend des 7. August ausgetragen wird. „Ich fahre mit einem sehr guten Gefühl nach Paris. Für den Endkampf müssen es sicherlich um die 64 Meter sein. Die kann ich werfen – die will ich mindestens werfen“, sagt Henrik Janssen.
Wie sind seine Chancen?
Der für den SC Magdeburg startende Modellathlet befindet sich derzeit in Topform, wie er bei den jüngsten Wurfevents bewiesen hat. Am Sonnabend warf er die zwei Kilogramm schwere Scheibe beim 18. Schönebecker SoleCup 65,81 Meter weit. Damit landete er hinter dem australischen Olympia-Medaillenkandidaten Matthew Denny (67,93 m) und seinem eigenen Trainingspartner Clemens Prüfer (SC Potsdam, 66,62 m) auf Rand drei. Mit seiner Weite von Sonnabend wäre Henrik Janssen bei Olympia 2020 in Tokio Sechster geworden. Was ist also drin bei Olympia 2024 in Paris? Das Erreichen des Endkampfes dürfte für Janssen als Minimalziel gelten, eine Medaille wäre eine Riesenüberraschung. „So ehrlich muss man sein: Aktuell gibt es heftige Diskuswerfer in der Welt. Drei, vier ragen da hervor“, sagt Janssen. „Aber hey, es ist Olympia. Wenn andere patzen und ich das perfekte Ding treffe?“
Henrik Janssen ist der erste ostfriesische Olympia-Teilnehmer seit Christina Hennings im Jahr 2008. Die Leeranerin fuhr damals in Peking mit dem deutschen Ruder-Achter auf Platz sieben.
Abschied von der Familie
Am Donnerstag hieß es für Henrik Janssen erstmal Abschied von seiner jungen Familie zu nehmen. „Meine Frau und die Kleine werde ich erst nach Olympia wieder sehen. Zum Glück gibt es Facetime“, sagt Henrik Janssen. Erst vor gut drei Wochen waren seine Frau Maria und er Eltern geworden. Während es für Henrik Janssen am Donnerstag von Potsdam nach Kienbaum ins Pre-Camp ging, machte sich seine Frau mit Töchterchen Elena auf den Weg nach Ostfriesland zu ihren Eltern. Auch seine Frau stammt gebürtig aus Norden.
Henrik Janssen zieht zwar erst Donnerstag, 1. August, ins deutsche Haus im Olympia-Dorf ein. Doch bereits jetzt hat er schon Eindrücke von vor Ort erhalten. „Von Bogenschützen, die ich kenne, habe ich ein paar Fotos bekommen. Es ist ein großes Haus, es ist gut geschmückt. Und auch die Mensa sieht gut aus“, erzählt Henrik Janssen, der dennoch noch nicht genau weiß, was in Kürze auf ihn zukommen wird. „Es sind ja auch meine ersten Olympischen Spiele. Ich freue mich auf den Wettkampf im vollen Stadion, die Atmosphäre allgemein und die vielen anderen Athleten“, sagt der 128 Kilogramm schwere Muskelprotz, den es mit 15 Jahren weg von der Heimat ins Sportinternat nach Magdeburg zog.
Vor drei Jahren – nach einem schweren Schicksalsschlag, dem Tod von seinem langjährigen Trainer und Förderer Armin Lemme – musste sich Henrik Janssen einen neuen Trainingsstandort suchen. Er entschied sich für Potsdam, wo er seine positive Leistungsentwicklung fortsetzte. Vorläufiger Höhepunkt ist nun die Teilnahme bei den Olympischen Spielen in Paris.