Osnabrück  Mata Hari: Vom verführerischen Tanz zur Hinrichtung als Spionin

Ronald Feisel
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Von Ronald Feisel
| 04.08.2024 11:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Mata Hari wird erst Tänzerin und dann Agentin. Aber wer war sie wirklich? Foto: IMAGO / Gemini Collection
Mata Hari wird erst Tänzerin und dann Agentin. Aber wer war sie wirklich? Foto: IMAGO / Gemini Collection
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Wer war sie wirklich? Mata Hari, geboren als Margaretha Zelle, geriet zwischen die Fronten des Ersten Weltkriegs. Ihre verführerischen Tänze machten sie berühmt, ihre mutmaßlichen Spionageaktivitäten wurden ihr zum Verhängnis. Ein tragischer Fall voller Rätsel. Teil 22 unserer Sommerreihe: „Verrückte Geschichte(n)“.

Bei der Geburt 1876 im niederländischen Leeuwarden heißt die spätere Tänzerin noch Margaretha Geertruida Zelle. Die dunkle Haut erbt sie von Mutter, die javanische Wurzeln hat. Nach der Trennung der Eltern ist der Teenager auf sich allein gestellt und heiratet mit 18 einen 20 Jahre älteren Offizier. Sie geht mit ihm auf die Insel Java, heute ein Teil von Indonesien. Die Ehe zerbricht und schon ist Margaretha wieder in Europa und auf sich gestellt.

Nun beginnt ihre erste Karriere: Sie nennt sich „matahari“, Sonne bzw. wörtlich „Auge des Tages“, arbeitet zuerst als Aktmodell und dann als verschleierte Tempel-Tänzerin. „Eine große dunkle Gestalt schwebt herein. Kräftig, braun, heißblütig. Sie wiegt sich unter den Schleiern, die sie zugleich verhüllen und enthüllen“, schreibt das eine Journal und das andere fährt fort: „Der Tanz schließt mit dem Sieg der Liebe über die Zurückhaltung, der Schleier fällt.“ 

Von Madrid bis Wien wird sie gefeiert, kultiviert den Striptease, bekommt aber bald Konkurrenz, denn Schönheit vergeht, der Reiz des Neuen auch. „Ich bin eine Frau, die ihr Leben genießt. Manchmal verliere ich, manchmal gewinne ich“, sagt sie und lebt weiter auf zu großem Fuß. Da sie gute Kontakte zu einflussreichen Männern in Frankreich hat, will sie das gleich doppelt zu Geld machen. Sie lässt sich aushalten, einige Quellen sprechen von Prostitution, und sie bietet sich 1915 den Deutschen für 20.000 Francs als Agentin an. Der Erste Weltkrieg brennt in Europa und sie bekommt den Decknamen H21.

Was diese zweite Karriere angeht, wird es etwas unübersichtlich. Mata Hari und andere geben zu Protokoll, sie habe nichts Wichtiges erfahren und verraten. Dagegen steht ein späterer Bericht aus den 1970er Jahren, wonach sie „geplante bzw. nicht geplante französische Offensiven“ nach Berlin gemeldet haben soll.

Zweifelhaft ist auch, ob sie die deutsche Seite fallen lässt, zumal die Franzosen sie schon lange im Visier haben. Für den Ausgang ist das unerheblich. Im Februar 1917 wird sie in Paris verhaftet. Die Franzosen machen im Juli einen kurzen Prozess. Im Oktober wird sie im Alter von 41 Jahren hingerichtet. Noch kurz vor der Exekution beteuert sie ihre Unschuld: „Ich werde den Soldaten ins Auge blicken. Ich war nie eine Spionin, aber ich war Mata Hari!“ Tatsächlich verzichtet sie auf die bei Erschießungen übliche Augenbinde.

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