Schulentwicklungsplanung Norder Schullandschaft im Wandel – wo der Bürgermeister Veränderungen plant
Norden diskutiert die Zukunft seiner Schulen. Was Bürgermeister Florian Eiben plant, um der wachsenden Schülerzahl und dem Lehrermangel entgegenzuwirken.
Norden - Immer mehr Kinder drängen aufs Norder Ulrichsgymnasium und die Kooperative Gesamtschule (KGS) Hage-Norden, immer weniger Kinder werden für die Oberschule angemeldet. Viele Grundschulen in der Stadt schaffen es nicht mehr aus eigenen Kräften, den Unterricht zu gewährleisten, weil die Lehrer fehlen. Wie muss die Schullandschaft der Zukunft aussehen, um allen Anforderungen gerecht zu werden? Darüber machen sich zurzeit auch die Stadtverwaltung und Bürgermeister Florian Eiben Gedanken, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagte.
Zur Faktenlage in Norden: Zurzeit gibt es in Norden fünf Grundschulen, plus die Außenstelle der Linteler Grundschule am Wiesenweg. Zahlreiche Grundschulen sind auf Abordnungen anderer Schulen angewiesen, um den Unterricht im kommenden Schuljahr abdecken zu können. Als weiterführende Schule können die Kinder in Norden das Ulrichsgymnasium (UGN), die KGS Hage-Norden sowie die Oberschule besuchen. Das UGN und die Oberschule sind Regelschulen und müssen die Schüler aufnehmen. Die KGS ist eine reine Angebotsschule. Schüler können von der Schule abgelehnt werden, wenn es nicht ausreichend Kapazitäten gibt. Für die nächsten drei Jahre ist die Kooperation mit der KGS Hage gesichert, die Außenstelle Norden bleibt in ihrer bisherigen Form bestehen. Die Oberschule Norden wurde gerade ins Bundes- und Landesprogramm als Startchancenschule aufgenommen. Das Programm ist für einen Zeitraum von zehn Jahren angesetzt. Gleichzeitig mahnt Wolf Krämer-Mandeau in seinem neuesten Schulgutachten an, wegen zu geringer Anmeldezahlen über die Schließung der Schule nachzudenken.
Interesse, eine Norder KGS zu haben, ist da
„Die nächsten drei Jahre müssen wir dafür nutzen, um zu überlegen, was wir wollen und welche Möglichkeiten es gibt“, sagte Florian Eiben. Die Zahlen bestätigen, dass es in Norden wieder viel mehr Familien und Kinder gibt. Das zeige sich schon jetzt in der Schülerzahl in den Grundschulen und in den Zahlen der Kitakinder. Das müsse die Stadt in den Diskussionen berücksichtigen, damit entsprechende Kapazitäten vorgehalten werden, so Eiben.
Klar ist: Es gibt bei der Stadt Norden das Interesse, eine eigene KGS in Norden zu haben, betonte der Bürgermeister. Das sei aber nicht ohne Weiteres möglich. Es gebe im Schulgesetz ein Verbot von neuen Kooperativen Gesamtschulen. „Da müssen wir gucken, ob wir über eine Erweiterung der Außenstelle reden oder eine neue KGS gründen, da muss man auch feinjuristisch gucken, was wir machen können“, sagte Eiben. Auch müsse man beachten, ob es ab 2027 eventuell eine neue Landesregierung gebe, die dann wieder eigene Ideen in der Schulpolitik mitbringe. Vielleicht gehe es auch wieder zurück zum Trend der Dreigliedrigkeit mit Hauptschule, Realschule und Gymnasium. „Ich glaube, dass es im Moment wieder den Trend zu einer stärkeren Differenzierung gibt“, sagte Eiben. Es sei wichtig, den Eltern eine Vielfalt und viele Möglichkeiten zu bieten.
Oberschule entwickle sich zur Förderschule 2.0
Das Problem der Norder Oberschule sei ihr schlechter Ruf, sagte Nico de Vries, Fachdienstleiter Jugend, Schule, Sport und Kultur. Die Elternbefragung zum Schulgutachten hat ergeben, dass die Oberschule bösartig formuliert als eine Art „Resterampe“ empfunden werde. Das werde aber der hervorragenden Arbeit, die dort geleistet wird, überhaupt nicht gerecht, betonte de Vries. Die Eltern würden die Oberschule fälschlicherweise als einen direkten Nachfolger der Hauptschule wahrnehmen und nicht als Real- und Hauptschule.
Aufgrund der Gegebenheiten entwickle sich die Oberschule zurzeit eher zu einer Förderschule 2.0, so de Vries. Aber die Arbeit, die die Oberschule mache, sei sehr wichtig und notwendig. Gerade mit Blick auf das Thema Integration und Inklusion. „Wir haben an der Oberschule einen hohen Anteil an Schülern mit einem Förderbedarf unterschiedlichster Art“, sagte de Vries. So gebe es einen hohen Sprachförderbedarf, weil es viele Schüler mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung gebe. Auch der emotional/soziale Förderbedarf sei hoch.
KGS an ihrer Kapazitätsgrenze
Das Problem laut de Vries: Integration kann nur funktionieren, wenn die Gruppe, die aufnimmt, größer ist als die Gruppe, die zu integrieren ist. „Da haben wir an der Oberschule ein sehr deutliches Missverhältnis. Die Regelschülerschaft ist deutlich kleiner als die inklusive Gruppe“, so der Fachdienstleiter. Deswegen funktioniere das an der Oberschule nur sehr eingeschränkt. Gerade deshalb seien die kleineren Klassen an der Oberschule aber auch wichtig, weil sich gezielte Förderungen in kleinen Klassen besser umsetzen ließen. Einfach auslaufen lassen, funktioniere bei der Oberschule nicht. „Wo will ich denn mit den rund 250 Schülern hin? Die KGS ist vierzügig und damit an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen“, sagte de Vries.
Auch wenn sich die Verwaltung mit der Schulentwicklungsplanung intensiv beschäftigt und mit den Gremien über die Möglichkeiten debattieren will – einen konkreten Handlungsdruck sieht Bürgermeister Florian Eiben bei den weiterführenden Schulen nicht. „Es macht aber schon Sinn, die nächsten drei Jahre zu nutzen, weil sich dann erneut die Frage stellt, ob wir die Kooperation mit der KGS Hage verlängern wollen“, so Eiben.
An Grundschulen Handlungsdruck höher
Handlungsdruck ganz anderer Art gibt es an den Norder Grundschulen: Immer weniger Lehrkräfte treffen auf immer mehr Schüler mit einem erhöhten Förderbedarf. Trotzdem sieht Bürgermeister Eiben nicht die Notwendigkeit, kleinere Schulstandorte in Norden zu schließen, um Freiräume für die Lehrkräfte zu schaffen. „Auch Sicht der Verwaltung brauchen wir alle Schulstandorte, auch dauerhaft“, machte Eiben klar. Die Stadt stelle die Schulstandorte zur Verfügung, für das Personal sei dann das Land zuständig. Ein Blick auf die Schülerzahlen zeige zudem, dass die Zahl der Grundschüler nach oben gehe. Jede Grundschule mit ihrem ganz eigenen Schwerpunkt sei gut ausgelastet.
Möglichkeiten, die Situation für die Grundschulen zu verbessern, sieht Eiben aber in der Organisation und bei den Schuleinzugsbezirken. Bei der Organisationsform sei eine Möglichkeit, eine Schule als Außenstellen einer anderen Schule zu betrachten, um Querschnittsaufgaben wie die Schulleitung einzusparen, sagte Nico de Vries.
Klar ist laut Eiben, wer eine Durchmischung der Schüler haben will, brauche auch Schulbezirke. Wo aber genau die Grenzen verlaufen und ob diese Grenzen noch immer Sinn machen, müsse man sich anschauen. Es gebe zum Beispiel geballte Einzugsbereiche für die Grundschulen Lintel und Im Spiet. „Da müssen wir gucken, ob wir eine Entschlackung schaffen können“, gab Eiben zu. So sei zu diskutieren, ob das Neubaugebiet Lehmweg nicht auch zur Grundschule Norddeich gehen könnte, statt auch noch in den Spiet. Für all diese Entscheidungen sei aber auch die Verordnung des Landes zum Ganztagsbetrieb wichtig. Erst dann wissen die Kommunen, was sie wo vorhalten müssen. Wie berichtet, kommt diese Verordnung aber erst Anfang 2025.