Hannover  Schulstart in Niedersachsen: Was jetzt wichtig wird

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 02.08.2024 14:20 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) zeigt im Interview, dass es auch künftig an Niedersachsens Schulen bei der Unterrichtsversorgung eng werden könnte. Foto: Lars Laue
Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) zeigt im Interview, dass es auch künftig an Niedersachsens Schulen bei der Unterrichtsversorgung eng werden könnte. Foto: Lars Laue
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Kultusministerin Julia Willie Hamburg wirft einen Blick auf das neue Schuljahr. Die Grünen-Politikerin hält einige Neuerungen bereit.

Weiße Bluse, pinker Blazer, Lippenstift und Schminke: Niedersachsens Kultusministerin hat sich schick gemacht für diesen wichtigen Termin. Am Montag geht die Schule wieder los und Julia Willie Hamburg gibt am Freitag in Hannover einen Ausblick auf das neue Schuljahr.

Probleme bei der Unterrichtsversorgung, immer mehr Schüler auf der einen und Lehrermangel auf der anderen Seite sowie eine Gesellschaft im Umbruch – die Ministerin deutet die enormen Herausforderungen an, vor denen das Schulsystem in Niedersachsen steht.

Von künstlicher Intelligenz über Falschnachrichten, die im Netz kursieren, bis hin zum Terrorangriff der Hamas auf Israel und dem Krieg in der Ukraine gibt es zahlreiche Herausforderungen, die sich Schulen zusätzlich zu ihrem normalen Unterrichtsprogramm zu stellen haben.

Grünen-Politikerin Hamburg vermasselt das die Laune nicht. Sie lächelt, spricht vom „Weg der 1000 Schritte“, den sie fortsetzen wolle, um die Lage an den Schulen in Niedersachsen zu verbessern.

Doch wie sieht die aktuelle Situation überhaupt aus? Ein Überblick.

Für mehr als 840.000 Schüler an den allgemeinbildenden Schulen in Niedersachsen beginnt am Montag wieder der Unterricht. Das sind laut Ministerium im Vergleich zum zurückliegenden Schuljahr rund 19.000 Schüler mehr (Plus von 2,2 Prozent).

Rund 82.000 Kinder werden am kommenden Sonnabend, 10. August, eingeschult (Vorjahr: 80.871).

Seit Jahresbeginn wurden den Angaben zufolge 2191 Lehrkräfte eingestellt. Allerdings habe es auch 1764 Abgänge gegeben, ein Plus von gut 400 Lehrkräften also. Die Unterrichtsversorgung liegt laut Hamburg bei 96,9 Prozent. Viele Experten sehen einen Wert von mehr als 100 Prozent als notwendig an, um ein ausreichendes Unterrichtsangebot machen und Ausfälle etwa durch Krankheit kompensieren zu können.

Auch nach dem Beginn dieses Schuljahres bleibe das Einstellungsverfahren offen. Hamburg: „Wir stellen die nächsten Wochen weiter mit Hochdruck ein. Das große Ringen um jede weitere Lehrkraft trägt dazu bei, den Status Quo bestmöglich zu sichern und damit die Unterrichtsversorgung trotz deutlich steigender Schülerzahlen bestmöglich zu stabilisieren. Jede weitere Lehrkraft hilft uns angesichts steigender Schülerzahlen, dem Abwärtstrend entgegenzuwirken.“

Mit einem neu eingeführten Sozialindex hat Niedersachsen erstmals ein Instrument, um zusätzliche Ressourcen und zusätzliches Personal an Brennpunkt-Schulen einsetzen zu können. Anhand der damit verbundenen Indikatoren (Armut und Migration) wurden rund 390 Schulen in Niedersachsen ausgewählt, die ab sofort für zehn Jahre am Startchancenprogramm teilnehmen werden.

Ziel des Startchancenprogramms ist es, die Persönlichkeitsentwicklung und den Erwerb von Basiskompetenzen sowie die Ausbildungsfähigkeit junger Menschen zu stärken. Bis zum Ende der Programmlaufzeit in zehn Jahren soll die Zahl der Schüler, die derzeit die Mindeststandards in Mathematik und Deutsch verfehlen, halbiert werden. Insgesamt profitieren laut Ministerium rund 122.000 Schüler davon.

Niedersachsen legt zudem einen besonderen Fokus auf die Grundschulen, „um allen Kindern sichere Grundlagen für ihr weiteres Lernen zu ermöglichen“, wie es heißt. Neben sprachlichen und mathematischen Fähigkeiten sollen auch die sozialen Kompetenzen aller Grundschulkinder gestärkt werden. Dafür wird laut Land die Stundenzahl an Grundschulen schrittweise erhöht, begonnen mit einer Stunde in diesem Schuljahr und dann schrittweise auf insgesamt drei Stunden.

Alle Lehrkräfte mit einem Lehramt für Grund-, Haupt- und Realschulen werden nun wie Gymnasiallehrkräfte im Einstiegsamt nach A 13 besoldet. Auch wird zu Beginn des neuen Schuljahres das Gehalt vieler Lehrkräfte angehoben, die dann in eine höhere Besoldungsgruppe kommen. Laut Kultusministerium profitieren davon rund 35.500 Lehrkräfte. Zum Vergleich: Mehr als 71.000 Lehrer unterrichten an Niedersachsens allgemeinbildenden Schulen. Bei einer Vollzeitbeschäftigung bedeutet der Sprung ein Plus von mehreren hundert Euro im Monat.

Ministerin Hamburg spricht in diesem Zusammenhang von einem „ganz wichtigen Signal“, weiß aber auch: „Die Herausforderungen bleiben groß und wir haben noch viel zu tun.“

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