Falschgeld in Ostfriesland Mehr Blüten in Umlauf – Vorsicht vor den falschen Fuffzigern
In der ersten Jahreshälfte wurden so viele gefälschte Geldscheine aus dem Verkehr gezogen wie seit Jahren nicht mehr. Auch in Ostfriesland steigen die Zahlen.
Ostfriesland/Frankfurt - In Deutschland sind im ersten Halbjahr nach Angaben der Bundesbank so viele gefälschte Geldscheine aufgefallen wie seit sieben Jahren nicht mehr. In den ersten sechs Monaten des Jahres waren es demnach 38.578 Banknoten im Nennwert von 2,4 Millionen Euro. Das war die höchste Halbjahreszahl seit 2017 (39.685 Blüten) und 29 Prozent mehr als im zweiten Halbjahr 2023. „Insgesamt bleibt das Falschgeldaufkommen aber niedrig: Rein rechnerisch entfielen neun falsche Banknoten auf 10.000 Einwohner“, sagte Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz.
Mehr Falschgeldfälle gab es auch im Bereich der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund, wie Polizeisprecherin Wiebke Baden auf Anfrage bestätigte. Allerdings sei in der Region Aurich Falschgeld bei weitem nicht so weit verbreitet wie in manch anderer Region in Niedersachsen. So seien etwa im Großraum Hannover einer Statistik der beim Landeskriminalamt Niedersachsen angesiedelten Zentralstelle Falschgeld zufolge im ersten Halbjahr 2023 insgesamt 804 Fälle registriert worden, während es im gleichen Zeitraum in Aurich lediglich 23 bekannte Fälle gab. Im laufenden Jahr habe die Auricher Polizeiinspektion zum Stichtag 29. Juli bislang 36 Fälle, bei denen Blüten aus dem Verkehr gezogen wurden, bearbeitet.
Kriminelle fälschen vorzugsweise kleine Scheine
Zum Stichtag 1. August wurde den Angaben des Landeskriminalamts zufolge im Bereich der Polizeiinspektion Leer/Emden vergleichbar mit dem Bundestrend ebenfalls ein Anstieg der Falschgeldfälle verzeichnet. So seien in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres 50 Falschgeldfälle bekannt geworden. 2024 gab es im gleichen Zeitraum 62 Fälle, bei denen Blüten eine Rolle spielten. Dies entspreche einem Anstieg von 24 Prozent. Mit Blick auf das Gesamtjahr werde ebenfalls mit höheren Zahlen gerechnet. Im abgelaufenen Jahr 2023 gab es 79 Falschgeldfälle. Die Zentralstelle Falschgeld spricht in ihrer Statistik von Falschgeldanhaltungen. Diese seien nicht gleichzusetzen mit falschen Scheinen, da eine Falschgeldanhaltung auch mehrere Blüten beinhalten könne, erläuterte das Landeskriminalamt auf Anfrage.
Der von den Geldfälschern verursachte Schaden stieg der Bundesbank zufolge nur um knapp fünf Prozent. Ursache hierfür sei, dass die Kriminellen vorzugsweise kleinere Scheine fälschten. Mit einem Anteil von 37 Prozent waren „falsche Fuffziger“ am häufigsten im Umlauf vor 20er-Fälschungen (30 Prozent) und nachgemachten Hundertern (15 Prozent).
Viele Fälschungen leicht zu erkennen
Banknoten sollten nach dem Prinzip „Fühlen-Sehen-Kippen“ geprüft werden, empfiehlt Baden. Zu den einfach zu prüfenden Sicherheitsmerkmalen zählen dabei etwa das Wasserzeichen, die Hologramme und der Sicherheitsstreifen. Eine verdächtige Banknote sollte mit einer zweifelsfrei echten verglichen werden. Zudem sei anzuraten, im Zweifel stets mehrere der Sicherheitsmerkmale zu betrachten.
Viele der Fälschungen sind den Experten der Bundesbank zufolge leicht zu erkennen, da bei ihnen die Sicherheitsmerkmale komplett fehlten und sie zudem häufig mit Hinweisen wie „MovieMoney“ oder „Prop Copy“ versehen wären. Diese Scheine seien seit 2019 unter dem Stichwort „Veränderte Banknotenabbilden“ im Zahlungsverkehr im Umlauf, berichtet Wiebke Baden. 2023 sei ungefähr jede fünfte Verausgabung von Falschgeld mit einer veränderten Banknotenabbildung versehen gewesen. Die Scheine zeichneten sich dadurch aus, dass es keinerlei Imitation von Sicherheitsmerkmalen gebe. Es handelt sich um einfache Farbkopien.
Falschgeld bloß nicht weiterreichen
Falschgeld wird nicht ersetzt, betont Baden. Wer es annimmt, bleibt somit auf dem Schaden sitzen. Die Bundesbank warnt dennoch eindringlich vor dem Versuch, die falschen Scheine jemand anderem anzudrehen, weil dies eine Straftat ist. Stattdessen sollten die Blüten bei der Bundesbank oder der Polizei abgegeben werden.
Baden zufolge sind häufige, der Polizei bekannte Örtlichkeiten, bei denen die Gefahr bestehe, mit Blüten in Berührung zu kommen, Supermärkte, Restaurants oder der Einzelhandel. Auch bei größeren Veranstaltungen wie etwa Schützenfesten, Weihnachtsmärkten oder Festivals sei bereits Falschgeld aufgetaucht. Aktuell werde immer wieder versucht, bei Privatgeschäften – etwa über Kleinanzeigen – die Waren mit Falschgeld zu bezahlen. Ziel seien häufig teure Mobiltelefone.
Eine beliebte Masche von Kriminellen ist zudem der unbemerkte Austausch echter gegen falsche Scheine, wie die Bundesbank berichtet. Diese Erfahrung musste etwa ein Interessent machen, der in bar einen Gebrauchtwagen kaufen wollte. Der vermeintliche Verkäufer überprüfte zunächst das echte Geld, brach dann aber überraschend das Geschäft ab. Erst zu Hause stellte der Käufer fest, dass seine Geldscheine gegen Fälschungen ausgetauscht worden waren.
Mit Material von DPA