Hannover  Teresa Enke zum 15. Todestag von Robert Enke: „Denke daran, was für ein toller Mensch er war“

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 07.08.2024 01:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Teresa Enke, Vorsitzende der Robert-Enke-Stiftung, steht vor dem Fußballstadion von Hannover 96. In diesem Jahr jährt sich der Suizid ihres Mannes Robert Enke, der sich im Alter von 32 Jahren das Leben nahm, zum 15. Mal. Foto: picture alliance/dpa
Teresa Enke, Vorsitzende der Robert-Enke-Stiftung, steht vor dem Fußballstadion von Hannover 96. In diesem Jahr jährt sich der Suizid ihres Mannes Robert Enke, der sich im Alter von 32 Jahren das Leben nahm, zum 15. Mal. Foto: picture alliance/dpa
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Der Suizid von Robert Enke liegt in diesem Jahr 15 Jahre zurück. Im Interview spricht Teresa Enke, Witwe des einstigen Fußballstars, über ihre Gefühle zu diesem Tag. Außerdem kündigt die 48-Jährige eine große Aufklärungskampagne zum Thema Depression an.

Anlässlich des 15. Todestages von Robert Enke in diesem Jahr hat seine Witwe sich vorgenommen, nach vorne zu schauen und an die schöne Zeit mit dem ehemaligen Fußballprofi zu denken. „Wir haben jahrelang getrauert. Nun wollen und werden wir den Blick verstärkt in die Zukunft richten. Wenn ich an Robbi denke, verbinde ich das mittlerweile in erster Linie mit positiven Gefühlen und Dankbarkeit für die schöne Zeit, die ich mit ihm haben durfte“, sagt Teresa Enke im Interview unserer Redaktion.

Der ehemalige Nationaltorwart und Ex-Keeper von Hannover 96 hatte sich am 10. November 2009 im Alter von 32 Jahren an einem Bahnübergang im niedersächsischen Neustadt am Rübenberge unweit seines Wohnorts Empede das Leben genommen. Teresa Enke ist Vorstandsvorsitzende der Robert-Enke-Stiftung, die nach dem Suizid Enkes gegründet worden war und sich der Krankheit Depression widmet.

Nach den Worten von Teresa Enke ist anlässlich des Todestages eine große Aufklärungskampagne in den Herrenhäuser Gärten in Hannover geplant.

Lesen Sie hier das komplette Interview im Wortlaut:

Frage: Frau Enke, am 10. November dieses Jahres ist es 15 Jahre her, dass Ihr damaliger Mann Robert Enke, ehemaliger Nationaltorwart und Ex-Keeper von Hannover 96, sich das Leben nahm. Wie begehen Sie den 15. Todestag?

Antwort: Wir als Robert-Enke-Stiftung planen eine große Aufklärungskampagne in den Herrenhäuser Gärten in Hannover. Allerdings nicht im grauen November, sondern wir machen das vom 23. bis 25. August. Nachdem wir zum fünften und zum zehnten Todestag Veranstaltungen jeweils am 10. November gemacht hatten, machen wir das in diesem Jahr erstmals rund um Robbis Geburtstag am 24. August. Das passt dieses Jahr auch gut, weil sein Geburtstag auf einen Samstag fällt.

Frage: Was genau ist an dem Wochenende geplant?

Antwort: Das Ganze soll bewusst kein reiner Trauertag werden. Warum sollen wir stets den Todestag begehen? Viel positiver besetzt ist doch sein Geburtstag. Es soll ein großes Event werden mit verschiedenen, kleineren Veranstaltungen, um über die Krankheit Depression aufzuklären. Am Freitag finden beispielsweise ein Talk und Poetry-Slam zu diesem wichtigen Thema in der Orangerie statt, an dem auch ich teilnehmen werde. Außerdem zeigen wir Ausstellungsstücke aus Roberts Leben wie etwa seine Trikots aus der Zeit in Lissabon, Barcelona oder bei 96. Am Samstag wird im Gartentheater die Doku „Robert Enke – auch Helden haben Depressionen“ gezeigt.

Frage: Feiern und gedenken also: Geht das gleichzeitig?

Antwort: Durchaus, mein Team in der Stiftung hat das Programm mit viel Herzblut und Fingerspitzengefühl ausgearbeitet. Es wird ein tolles Wochenende in einem sehr würdevollen Rahmen werden, davon bin ich überzeugt.

Frage: An wen richtet sich die Veranstaltung?

Antwort: Es sind alle eingeladen, die sich Robbi verbunden fühlen und/oder sich rund um die Krankheit Depression informieren wollen. Unser Ziel ist auch, der Krankheit ein wenig ihren Schrecken zu nehmen.

Frage: Mit welcher Stimmung blicken Sie auf das Aktionswochenende zu Robert Enkes Todestag?

Antwort: Es wird ausdrücklich keine Trauerveranstaltung. Wir haben jahrelang getrauert. Nun wollen und werden wir den Blick verstärkt in die Zukunft richten. Wenn ich an Robbi denke, verbinde ich das mittlerweile in erster Linie mit positiven Gefühlen und Dankbarkeit für die schöne Zeit, die ich mit ihm haben durfte. Ich habe nicht mehr nur den Suizid und den Verlust vor Augen, sondern denke vor allem daran, was für ein toller Mensch er war und was für unvergessliche Momente ich mit ihm erlebt habe.

Frage: Eingeladen sind für das Wochenende ja auch alte Freunde und Weggefährten. Können Sie schon erste Namen von Gästen nennen, die fest zugesagt haben?

Antwort: Es kommen ehemalige Weggefährten wie beispielsweise Per Mertesacker und auch die aktuelle Mannschaft von Hannover 96 hat sich angekündigt. Auch freue ich mich auch sehr darüber, dass die Stiftungsgründer von der Deutschen Fußball Liga und dem Deutschen Fußball-Bund zahlreich vertreten sein werden.

Frage: Menschen reagieren häufig erstaunt, wenn ihnen vor Augen geführt wird, dass der Todestag von Robert Enke schon bald 15 Jahre zurückliegt. Was meinen Sie, woran das liegt?

Antwort: Das verstehe ich gut. Ich kann selbst kaum glauben, dass es schon 15 Jahre her ist. Das liegt aber auch daran, dass Robbi für mich und die Stiftung und aufgrund seiner Bekanntheit auch für zahllose andere Menschen trotz seines Todes stets präsent ist. Es mag sich platt anhören, stimmt aber: Jemand ist erst gestorben, wenn man nicht mehr über ihn spricht.

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