Hamburg Warum Iran Israel noch nicht angegriffen hat
Nach dem Tod des Hamas-Führers Ismail Hanija in Teheran schwor Iran Rache an Israel. Das ist jetzt knapp zwei Wochen her. Passiert da noch etwas – oder hält Teheran doch still?
Wie wahrscheinlich ist ein iranischer Angriff auf Israel? Seit der Ermordung des hochrangigen Hamas-Führers Ismail Hanija ausgerechnet in Teheran ist die Lage im Nahen Osten zum Zerreißen gespannt. Iran drohte Israel, dem der Anschlag zugerechnet wird, unmittelbar mit Rache – doch seither sind schon fast zwei Wochen vergangen. Während sich die Menschen in Israel und im Libanon auf einen Krieg vorbereiten, Ausländer von ihren Regierungen zur Ausreise aufgefordert werden und Fluggesellschaften die Region meiden, arbeiten Diplomaten hinter den Kulissen mit Hochdruck an einer möglichen Entschärfung der Lage.
Je mehr Zeit vergeht, desto unwahrscheinlicher wird allerdings ein direkter Großangriff des Iran auf Israel. Militärisch wäre der muslimische Gottesstaat den starken israelischen Streitkräften mit ihrem Verbündeten USA ohnehin nicht gewachsen – der Iran hätte durch einen großen Krieg in Nahost wenig zu gewinnen, aber viel zu verlieren.
Nicht umsonst setzt der Iran seit Jahren auf die Unterstützung der Huthis im Jemen, der Hisbollah im Libanon und der Hamas im Gaza-Streifen. Mit dieser Strategie der Finanzierung und Ausrüstung von Terrorgruppen, die ihrerseits Anschläge auf Israel verüben, fährt der Iran deutlich besser als mit einer direkten Konfrontation, die erst zu einem Flächenbrand und dann zu einer Niederlage führen könnte.
Das heißt nicht, dass die Gefahr schon vorbei ist – die Lage im Nahen Osten bleibt so lange brisant, bis sich Israel und die Hamas auf einen Geiseldeal und damit einhergehend auf einen Waffenstillstand einigen. Die Strategie von Ministerpräsident Netanjahu und seinem rechten Hardliner-Kabinett, die Hamas in Gaza endgültig zu zerschlagen, dürfte nicht mehr aufgehen. Israel steht nicht erst seit dem Angriff auf einen Schule in Gaza, bei dem auch Kinder getötet wurden, zunehmend in der Kritik für seine Kriegsführung – auch wenn dabei regelmäßig ausgeblendet wird, dass es die Hamas ist, die die Zivilbevölkerung in Gaza als menschliche Schutzschilde missbraucht.
Aber der Druck aus dem Ausland wächst, im eigenen Land werden die Proteste ebenfalls stärker. Um die Erfüllung von Maximalforderungen kann es hier auf keiner Seite mehr gehen. Ein für allemal das Patt in Nahost zu beenden, mag für manche Hardliner auf beiden Seiten verlockend klingen – es wird am Ende nur Verlierer produzieren.