Zweiter Weltkrieg  Von Loppersum nach Leningrad – diese Briefe erzählen Geschichte

| | 13.08.2024 07:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Lehrer Gottfried Knostmann mit den Loppersumer Kindern der Klassen eins bis vier im Jahr 1938. Knostmann starb 1943 an der Front südlich von Orel in Russland. Foto: privat
Der Lehrer Gottfried Knostmann mit den Loppersumer Kindern der Klassen eins bis vier im Jahr 1938. Knostmann starb 1943 an der Front südlich von Orel in Russland. Foto: privat
Artikel teilen:

Die Schulkinder aus Loppersum haben während des Zweiten Weltkriegs Briefe an die Männer aus ihrem Dorf geschrieben. Jetzt ist ein Buch zu dem Thema erschienen.

Loppersum - „Liebe Loppersumer Soldaten! Insbesondere Du, lieber Empfänger dieses Briefes! Ihr alle, die Ihr draußen irgendwo zur Verteidigung der lieben Heimat steht, bekommt hiermit einen Brief von der Loppersumer Schuljugend.“ Diese Zeilen erreichten all die Männer aus Loppersum, die 1939 in den Krieg zogen. Jeden Monat bekamen sie während des Zweiten Weltkriegs jeweils einen Brief von den Schulkindern aus ihrem Dorf. „Wir wollen dadurch unsere Verbundenheit mit Euch zum Ausdruck bringen, wollen Euch von der Heimat berichten, Euch untereinander verbinden und zuletzt hoffen wir, Euch eine Freude zu bereiten.“

Der Emder Heimathistoriker, Archivar und Autor Dietrich Janßen hat ein Buch mit den Loppersumer Briefen und Fotos veröffentlicht: „Von Loppersum nach Leningrad - Schülerbriefe an die Fronten des Zweiten Weltkriegs“. Foto: Weiden
Der Emder Heimathistoriker, Archivar und Autor Dietrich Janßen hat ein Buch mit den Loppersumer Briefen und Fotos veröffentlicht: „Von Loppersum nach Leningrad - Schülerbriefe an die Fronten des Zweiten Weltkriegs“. Foto: Weiden

Der Emder Heimathistoriker, Archivar und Autor Dietrich Janßen hat nun ein Buch mit den Briefen und Fotos veröffentlicht: „Von Loppersum nach Leningrad - Schülerbriefe an die Fronten des Zweiten Weltkriegs“. So will Janßen die Briefe der Nachwelt zugänglich machen und dafür sorgen, dass sie nicht in Vergessenheit geraten. „Das ist Teil unserer Geschichte. Davor können wir nicht weglaufen“, sagt er.

Lehrer Hinrich Wallrabe schrieb die Briefe für die Soldaten an die Tafel. Die Kinder schrieben sie ab. Foto: Privat/Niedersächsisches Landesarchiv
Lehrer Hinrich Wallrabe schrieb die Briefe für die Soldaten an die Tafel. Die Kinder schrieben sie ab. Foto: Privat/Niedersächsisches Landesarchiv

Schicksalsschläge aus dem Dorf

In den Briefen schreiben die Kinder den Soldaten das, was ihr Lehrer, Hinrich Wallrabe, ihnen vorgab. Über die Arbeiten, die auf den Höfen zu verrichten waren, das Wetter, Verlobungen, Hochzeiten und Geburten bis zu Krankheiten, Todesfällen und Informationen darüber, wo Bomben abgeworfen wurden und die anderen Soldaten aus Loppersum stationiert waren. Vor allem zum Kriegsende hin konnte man aus den Briefen deutlich herauslesen, wie auch auf dem Land die Verzweiflung wuchs und wie das Leben in Ostfriesland zu Zeiten des Krieges war. Die Schicksale - unter anderem berichten die Kinder darüber, wie zwei von ihnen durch einen Bombenwurf ums Leben kamen - gehen dabei unter die Haut. Auch Hinrich Wallrabes einziger Sohn, Heinrich Wallrabe, zählt zu den Loppersumer Kriegsgefallenen. „Das hat mich teilweise sehr betroffen gemacht“, sagt Dietrich Janßen.

Dr. Daniel Schöningh und seine Frau Martha. Der Arzt hatte die Idee, die Schüler Briefe an die Soldaten schreiben zu lassen. Foto: Privat
Dr. Daniel Schöningh und seine Frau Martha. Der Arzt hatte die Idee, die Schüler Briefe an die Soldaten schreiben zu lassen. Foto: Privat

Die Idee für diese Briefe hatte der damalige Battallionsarzt Dr. Daniel Schöningh, der den Lehrer Hinrich Wallrabe dazu brachte, die Briefe jeden Monat als Feldpost an die Loppersumer Soldaten zu schicken. Wallrabe schrieb die Texte an die Tafel, die Kinder schrieben sie ab. In 64 Ausgaben verschickten die Loppersumer Schüler ihre Briefe an die Männer an die Front, vom 31. Oktober 1939 bis zum 25. Januar 1945.

Johannes Diekhoff traf die Tochter von Dr. Schöningh Jahre später zufällig wieder und sprach mit ihr über die Briefe. Foto: Privat
Johannes Diekhoff traf die Tochter von Dr. Schöningh Jahre später zufällig wieder und sprach mit ihr über die Briefe. Foto: Privat

Tochter des Arztes bewahrte Briefe auf

Dietrich Janßen hatte die Briefe bereits 2010 über den Autor Johannes Diekhoff erhalten. Diekhoff kannte Schöningh, weil dieser ihm im Krieg nach schweren Verletzungen das Leben rettete. Viele Jahre nach dem Krieg lernte Diekhoff zufällig Schöninghs Tochter, Theda Schöningh-Kindermann, kennen. Sie hatte die Loppersumer Briefe aufbewahrt und gesammelt.

Die Loppersumer Schule neben der Kirche. Hier wurden mehrere Klassen auf einmal unterrichtet. Foto: Privat/Medienzentrum Norden
Die Loppersumer Schule neben der Kirche. Hier wurden mehrere Klassen auf einmal unterrichtet. Foto: Privat/Medienzentrum Norden

Dietrich Janßen scannte die Briefe der Kinder schließlich ein und transkribierte sie. Über Gretchen Janssen, ihre Tochter Renate Janssen sowie Christine Descher kam er zudem an das benötigte Bildmaterial. „Die Frauen haben mich mit viel Herzblut überzeugt, die Briefe in Buchform zu veröffentlichen.“ Entstanden ist ein Band mit 62 Seiten, in dem jeder der Loppersumer Briefe sowie einige Bilder Platz gefunden haben.

Ein Blick in das Klassenzimmer der Loppersumer Schule. Foto: Privat/Medienzentrum Norden
Ein Blick in das Klassenzimmer der Loppersumer Schule. Foto: Privat/Medienzentrum Norden

76 Todesopfer aus Loppersum

Immer wieder gehen die Kinder in den Briefen auf die Antworten und Fotos der Soldaten ein. Was genau die Männer den Kindern schrieben, bleibt aber leider unklar. „Leider wurden die Rückantworten der Soldaten, deren Fotografien, Ansichtskarten und Frontzeitschriften, die in der Dorfschule akribisch gesammelt wurden, kurz nach Kriegsende oder später vernichtet“, so Janßen.

Loppersum verlor während des Zweiten Weltkriegs 76 Männer und Jungen. Sie starben in russischen Wäldern, in Stalingard, Leningrad, Rumänien, Frankreich, Italien, im Englischen Kanal, in Lettland, Polen, Serbien, Estland oder in Deutschland. Einige von ihnen wurden kurz vor Ende des Krieges „im Osten“ als vermisst gemeldet und nie gefunden. 1965 wurden sie für tot erklärt. Viele der Männer waren unter 30, teilweise sogar unter 20 Jahre alt. Die beiden Kinder, die durch Bomben in Loppersum ums Leben kamen, waren 14 und 12 Jahre alt.

„Von Loppersum nach Leningrad - Schülerbriefe an die Fronten des Zweiten Weltkriegs“ gibt es für 13 Euro bei Dietrich Janßen über bunkeremden@aol.com oder im Kunstladen des Landesmuseums in Emden.

Ausschnitte aus den Loppersumer Briefen von 1939 bis 1945

31. Oktober 1939: „In Loppersum hat sich seit Kriegsbeginn kaum etwas verändert. Wir leben hier friedlich, haben satt zu essen und genug Arbeit. Feindliche Flieger haben unser Dorf häufiger überflogen, haben auch im Anfang einmal Flugblätter abgeworfen und dann knallte es natürlich auch, zwei Mal an einem Sonntag und ein Mal während eines Schulfilms.“

12. Januar 1940: „Wind haben wir in diesem Jahr noch nicht gehabt, trotzdem aber Kälte von -14 bis -18 Grad. Bei der Kälte sind aber alle gesund, nur der Brennstoff nimmt mächtig ab, manchmal ist es bald alle mit ihm. (...) Am dritten Advent hatten wir vom Kindergottesdienst im Gemeindesaal eine schöne Weihnachtsfeier. Die Weihnachts- und Silvester-Abendgottesdienste in der Kirche fielen in diesem Jahre wegen der Verdunkelung aus. Der Übergang vom alten ins neue Jahr war stiller als in den Vorjahren.“

25. November 1940: „Unser Brief vom 24. Oktober hat in den meisten Fällen sein Ziel erreicht, freundliche Aufnahme gefunden und uns viele Antwortschreiben gebracht. Frontzeitungen aus Norwegen, Holland und vom Kanal gingen ein, auch eine ganze schöne Serie Flugzeug-Fotos, die nun in unserer Klasse hängen. Allen danken wir! (...) Trotz des Krieges und Englands Aushungerungsabsichten hängen täglich fette Schweine an der Leiter oder auch schon ‚de Wursten an‘t Bön‘. Martini fiel in diesem Jahr aus. (...) Lieber Freund! Der Totensonntag, der auch sicher Dir Anlass zu stillem Gedenken gab, liegt hinter uns und nun geht es auf Weihnachten zu. Wenn dieser Brief in Deine Hände gelangt, ist vielleicht schon der 1. Advent gewesen. Advent heißt Vorbereitung. So wollen wir uns vorbereiten auf das große Ziel, das allen Menschen vor Augen stehen sollte. Möge Gott uns die Kraft geben, dass wir mit heiliger Hand sein Reich gesegnet bauen im Deutschen Vaterland. Heil Hitler!“

30. Juni 1941: „Lieber Soldat aus der Heimat! Wir stehen ganz im Bann der Erfolge unserer herrlichen Wehrmacht gegen den Weltfeind im Osten, den England als Freund anspricht und sich damit selber richtet. Wegen der Feldpostsperre war es uns nicht möglich, den fälligen Junibrief eher zu schreiben. (...) Dass Hinderk Odinger - Langeoog - sein Leben lassen musste, habe ihr vielleicht erfahren. Sein Vater fiel dort am 9. November 1914.“

14. August 1942: „Lieber Freund! Von der Heimat zu erzählen, wir jetzt diese Form mal wählen. Wenn wir so im Reim Dir schreiben, soll der Stoff darum nicht leiden, und wir denken: Du nimmst hin, diesen Brief mit frohem Sinn. Also los, und Du kannst lesen, was seit Juni hier gewesen: Von dem Wetter ist zu sagen, dass es sich in diesen Tagen, nein in diesen Wochen gar, hat gezeigt ganz sonderbar. Regen gabs genug fürs Land, lieber wär‘ uns Sonnenbrand. (...) Eins steht fest, und das ist gut, jeder seine Pflicht hier tut, und auch alle, voll Vertrauen, in die deutsche Zukunft schauen.“

20. September 1943: „Lieber Freund bei den Soldaten! Vor vier Jahren schrieben wir den Schulbrief an Euch und hiermit folgt der 48. Monatsbrief. Vier lange, ruhmvolle Kriegsjahre liegen hinter uns und auch unserer Dorfgemeinschaft haben sie Schicksalsschläge und Narben gebracht. Das Ortsbild hat mancherlei Änderungen erfahren, aber das Leben geht seinen alten, gewohnten Gang. So sind jetzt die Herbstferien da. (...) Es waren in den letzten Wochen auch allerlei Urlauber im Dorf. (...) Sodann halten wir es für unsere Pflicht, Dir mitzuteilen, dass ein früherer Lehrer unserer Schule, Gottfried Knostmann, der hier vom 1. April 1938 bis zum 1. November 1938 unterrichtete, vor dem Feinde geblieben ist. In der Frühe des 6. August erlitt Oberleutnant und Batteriechef Knostmann südlich Orel den Soldatentod. Wir werden ihn, den immer freundlichen Lehrer, in der Erinnerung behalten. Wir grüßen dich in alter Verbundenheit mit Heil Hitler!“

9. Dezember 1943: „Lieber Freund! Gewiss wirst Du dich freuen, wenn am Weihnachtsfest auch der Schulbrief nicht fehlt und Deine Freude wird wohl erhöht, wenn unsere Zeilen Dir das Bild des Heimatdorfes malen. (...) Am Niklaasabend ist auch in diesem 5. Kriegswinter Sünnerklaas nicht an unserer Tür vorbeigegangen. Sein Sack war wohl nicht so ‚stoppenvuul‘, aber Stutkeerls un Rieders to Peer, wenn ok on Krinten un Rosinen gafft doch. Sünner Kortjes kunn he ok nich mehr levern. (...) Schnee und Kälte haben wir bisher nicht gehabt, und diese milden Wochen haben unseren Brennmaterialvorrat nicht wesentlich angegriffen. (...) Die funkelnden Sterne am dunklen Himmel sind die Brücke über die endlose Weite, die heute Front und Heimat trennt. Zu ihnen schauen wir auf im Gedenken an Euch in der weiten Ferne, vielleicht im harten Einsatz, so wie auch Ihr unter denselben Sternen steht, emporblickt zu ihnen und an die liebe Heimat denkt.“

19. Februar 1944: „Am Donnerstag, den 3. Februar, erlebten auch wir in unserem Dorfe schwere Stunden. Es war an dem Tage, als nach dem Bericht des O.K.W. W‘hafen (Anmerkung der Redaktion: Oberkommando der Wehrmacht in Wilhelmshaven) von USA-Bombern angegriffen wurde. Feindliche Flugzeuge warfen auch hier einige Teppichwürfe ab, die aber glücklicherweise in unserem Dorfe und den einzeln stehenden Häusern keinen Nennwerten Sachschaden anrichteten. Allerdings wurde Harm Weerts Wohnung ziemlich zertrümmert und de Vries Scheune in Brand geworden, der aber auf seinen Herd beschränkt wurde, und schon heute steht das Hinterhaus neu gedeckt da. Leider sind aber zwei junge Menschenleben zu beklagen. Unsere Mitschüler Remmer Remmers und Johannes Grünebast wurden auf dem Nachhauseweg von der Schule (...) in dem Lande von einer Sprengbombe getötet. Sie wurden in der Kirche aufgebahrt und von dort am 7. Februar unter großer Anteilnahme nach dem Friedhof geleitet, wo sie in gemeinsamer Gruft beigesetzt wurden. Auch sie starben für unser Vaterland (...). An demselben Tage kam die Nachricht, dass Johannes Rohlfs seit dem 15. Dezember 1943 im Osten vermisst ist. Von Toni Collmann haben die Angehörigen seit Mitte September auch keine Nachricht. Am 10. Februar wurde die Familie Remmers erneut in Trauer versetzt: nach kurzer Krankheit starb das jüngste Kind, der kleine Johann und am 14. des Monats wurde er neben seinem Bruder beerdigt.“

25. Mai 1944: „Die Gärten sind gegraben uns bestellt, die Wiesen und die Weiden grünen und aus der Feldmark leuchten weithin die Rapsfelder in ihrer gelben Blütenpracht. Dieses friedliche Bild wird leider gestört durch die offenen Bombentrichter in den Ländereien und die feindlichen Flugzeuge, die des öfteren über unsere Heimat brummen und auch uns bei der Schularbeit stören. Aber der Zeitverlust wird durch doppelten Fleiß aufgeholt.“

18. September 1944: „Lieber Freund in der Ferne! Seit dem 12. September haben wir Herbstferien, die bis zum 27. September andauern. Wenn auch keine Schule ist, soll doch um die Mitte des Monate ein Brief an Dich hinausgehen, gerade jetzt, wo jede Nachricht aus der lieben Heimat besonders wohltuend ist. (...) Am 5. September wurde - wie Du wohl auch aus dem OKW-Bericht oder in der OTZ (Anmerkung der Redaktion: Ostfriesische Tageszeitung) weißt - in den Abendstunden unser alte, schöne Nachbarstadt Emden durch starke feindliche Luftstreitkräfte in einen Trümmerhaufen verwandelt und das liebliche Stadtbild ist ausgelöscht. Du kannst Dir denken, dass auch wir bei der Nähe der Stadt unter dem Eindruck dieses Vernichtungswerks standen. Wir haben keinen Schaden gelitten. (...)“

14. November 1944: „Lieber Freund an der Front! Die harten Kämpfe an den Fronten haben in den letzten Wochen auch von unserem Dorfe schwere Opfer gefordert und es ist unsere Pflicht, Dir die Namen der gefallenen Kameraden mitzuteilen. Am 3. November erreichte uns die Nachricht, dass Hilbrecht Rosenkam am 15. Oktober nördlich Warschau im Walde Lajsk-Wielizow gefallen ist. Er ruht auf dem Heldenfriedhof in Modlin. Am Martiniabend erhielt Familie Brockelmann die Nachricht vom Soldatentode ihres Sohnes Wilhelm. Willi, der uns manchen schönen Soldatenbrief schrieb, fiel an der Westfront beim Durchbruch durch die feindlichen Linien in der Morgenfrühe des 23. Oktober. Auf dem heiß umstrittenen Schlachtfelde fand er seine letzte Ruhestätte. Unser Lehrer erhielt in diesen Tagen die Mitteilung, dass bei den schweren Kämpfen in Italien am 11. Oktober Lehrer Hans Melzuhn sein Leben ließ. Ihr werdet ihn sicher noch in Erinnerung haben. Dann kam auch noch die Nachricht, dass am 7. Juni in Italien Johann Henken gefallen sei. Frau Henken musste mit ihren Kindern Emden verlassen und wohnt bei Schneider J. Schipper in der neuen Siedlung. In der Schule gedachten wir der tapferen Männer, die für uns alle ihr junges Leben gaben. Unser Dank kann nur in fleißiger Pflichterfüllung bestehen. (...) Von den Kameraden ist nicht viel zu berichten und Urlauber sind selten geworden. (...) Aus dem Dorfleben ist auch sonst wenig zu berichten. Es herrscht hier Arbeit und recht reges Leben. Aber auch sonst geht alles den gewohnten Gang. Dass der Martinstag ohne Laternen, Gesang und Gaben lief, kannst Du dir wohl denken. Zu solchen Umzügen ist augenblicklich aber auch kein Wetter. (...)“

25. Januar 1945: „Lieber Freund! In den letzten Tagen des verflossenen Jahres, am 29. Dezember, fiel an der Westfront Jannes Ruben. Er gab sein junges Leben für uns und das liebe Vaterland. Am 3. Adventssonntag beginnen wir in unserer Kirche die Gedenkfeier für Wilm Huismann. Zu Beginn des Jahres kamen aber auch erfreuliche Nachrichten in unser Dorf. Hinrich Harringa, Harm Ruben und Göke Buscher, die in Stützpunkten am Kanal ihre Pflicht erfüllten und von denen wir lange nichts hörten, schrieben aus der Gefangenschaft. Wir freuen uns mit ihren Angehörigen und hoffen, dass sie am Ende dieses Krieges gesund heimkehren mögen. Aus mancherlei Gründen kommen Nachrichten von Euch nur recht spärlich. Wir freuen uns deshalb über jedes Lebenszeichen, das von der Front kommt. (...)“

Ähnliche Artikel