Gefahr für Mensch und Tier Hitzeschock im Auto – so schnell wird’s lebensgefährlich
Der Sommer in Ostfriesland hat richtig Fahrt aufgenommen. Schon nach kürzester Zeit wird das Auto zum Backofen – für Tiere und Menschen lebensgefährlich. Hier kommen Erklärung und Tipps.
Leer - Bereits an diesem Mittwochvormittag gegen 11 Uhr zeigte die Wetter-App in Logabirum 26 Grad Celsius an. Tendenz: steigend. Im Auto kann es bei solchen Temperaturen richtig schnell richtig heiß werden. Mal eben auf dem Weg nach Hause den Hund oder das Kind im Wagen zu lassen, ist deshalb keine gute Idee, schreibt der ADAC auf seiner Webseite. Wolfgang Herda, Verkehrsexperte des ADAC betont: „Hitze im Auto ist lebensgefährlich! Lassen Sie nie Kinder, Tiere und andere Mitfahrer – insbesondere ältere Menschen – im Auto zurück.“ Wir haben nachgefragt, wie gefährlich das ist und nach Tipps dagegen gesucht.
Wie heiß wird es?
Bei direkter Sonneneinstrahlung wird es im Auto schnell sehr heiß, schreibt der ADAC. Schon nach zehn Minuten in der Sonne übersteige die Temperatur im Innenraum die Körpertemperatur eines Menschen oder Tieres, nach 30 Minuten werden über 45 Grad erreicht – „und das nur bei einer Außentemperatur knapp über 28 Grad Celsius“, heißt es weiter. Eine Grafik des ADAC zeigt: Nach rund 60 Minuten sei bereits fast die Spitzentemperatur erreicht. Diese steigt dann nur noch langsam weiter an, sodass es im Innenraum eines Autos nach nur 90 Minuten parken in der Mittagssonne sogar fast 60 Grad heiß werden kann.
Ist das wirklich so gefährlich?
Ja, lebensgefährlich sogar. „Das ist bei Tieren so wie bei Kindern“, sagt Tierärztin Dr. Nele Seybold aus Leer im Gespräch mit dieser Zeitung. „Das Auto wird dann zu einem Backofen“, warnt sie. Nicht einmal eine Minute, findet Seybold, sollten Tiere oder andere Insassen in einem Auto in der Mittagshitze zurückgelassen werden. Es könnte nicht nur sehr schnell zu einem Hitzeschlag kommen. „Sogar noch Tage später ist ein Organversagen möglich“, warnt sie.
Was tun, wenn ich Hund oder Kind allein im Auto sehe?
Nur im äußersten Notfall dürfe sich Zugang zum Auto verschafft werden, also beispielsweise die Scheibe eingeschlagen werden. Wer bei Sommerhitze unbeaufsichtigte Kinder oder Tiere in einem geparkten Auto vorfindet, sollte sich zunächst vergewissern, dass es ihnen gut geht, rät der ADAC. Zum Beispiel an die Scheibe klopfen und schauen, ob von Innen noch reagiert wird.
Weiteres Indiz: „In manchen Autos gibt es eine Temperaturanzeige, die anzeigt, ob die Temperaturen noch im normalen Bereich sind. Ist das jedoch nicht der Fall, wirkt das Kind im Auto apathisch oder hechelt der Hund stark, sollte die Polizei unter 110 oder die Feuerwehr unter 112 gerufen werden“, schreibt der ADAC. Während man auf die Einsatzkräfte wartet, unbedingt im Auge behalten, ob sich die Lage der Insassen verschlechtert.
Gibt es Tipps, damit das Auto möglichst kühl bleibt?
Auch während der Fahrt kann die hohe Außentemperatur gefährlich werden. „Durch die Hitze sinkt die Konzentrationsfähigkeit, es drohen gesundheitliche Probleme und das Unfallrisiko steigt“, warnt der ADAC. Damit Autofahrer möglichst gut und sicher durch den Sommer kommen, gibt der Verein einige Tipps.
- Vor der Fahrt gut durchlüften: Alle Türen und, wenn vorhanden, Schiebedach öffnen, damit das von der Sonne aufgeheizte Fahrzeug auskühlen kann.
- Vorsicht beim Einsteigen: Lenkrad, Schaltknauf sowie Sitze können sehr heiß sein. Das Abdecken mit einem weißen Leinentuch kann verhindern, dass sie zu sehr aufheizen.
- Klimaanlage nutzen: Die Klimaanlage hilft, die Temperatur im Auto zu regulieren. Der Unterschied zwischen Innen- und Außentemperatur sollte nicht zu hoch sein, idea seien zwischen 22 und 25 Grad. Wird zu stark heruntergekühlt, könne dies zu Kreislaufproblemen und Erkrankung der Atemwege führen. Der kühlende Luftstrom sollte gleichmäßig im Auto verteilt werden und nicht direkt auf den Körper gerichtet sein, das fördere Muskelverspannungen und Erkältungen.
Viel zu trinken ist gerade bei Hitze wichtig. Foto: Margais/dpa - Viel trinken: Genügend Flüssigkeit in Form von Wasser, Saftschorle oder Tee sollte bei diesen Temperaturen immer im Auto vorhanden sein. Pro Tag werden bis zu drei Liter empfohlen, schreibt der ADAC.
- Schattig parken: Autofahrer sollten, wenn möglich, unter Bäumen parken. Sonnenschutz hinter der Windschutzscheibe oder auch ein Thermo-Scheibenschutz außen auf der Scheibe helfe zusätzlich, die Hitze im Auto zu reduzieren.
- Starke Hitze meiden: Längere Autofahrten sollten wenn möglich morgens oder abends angetreten werden.