Kampf gegen Schädlinge  Trotz Ködern – der Hohe Wall in Aurich wird nie rattenfrei sein

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 15.08.2024 18:15 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ratten sind Allesfresser. Foto: privat
Ratten sind Allesfresser. Foto: privat
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Die Stadt Aurich hat eine Fachfirma mit der Bekämpfung von Ratten am Hohen Wall beauftragt. Wie effizient das ist, lässt sich schwer ermessen.

Aurich - Passanten am Hohen Wall wundern sich seit Wochen über schwarze Boxen, die an einem Draht befestigt sind. Dieser schlingt sich um die mächtigen Bäume, die an dem Fußweg in den Himmel ragen. Wozu dienen die schuhkartongroßen Behältnisse?

Ein Blick auf die Unterseite der Boxen verschafft rasch Klarheit. Ein pinkfarbener Zettel warnt vor der Schadnagerbekämpfung, die mit dem Inhalt der schwarzen Kästen beabsichtigt ist. Im Kleingedruckten ergeht ein Hinweis darauf, dass man Kinder und Haustüre von den Boxen fernhalten möge. Eine weitere Empfehlung: Wenn man einen Kadaver entdecken sollte, solle man ihn entsprechend entsorgen.

Nagersichtungen werden gemeldet

Was hat es genau mit den Behältnissen auf sich? Helmut Lücht bestätigt, dass die Stadt das Unternehmen Klaaßen mit der Bekämpfung der Ratten beauftragt habe. Der Leiter des Ordnungsamtes sagt, dass immer mal Anrufe von Anwohnern des Hohen Walls wegen einer Nagersichtung bei ihm eingingen. Dann werde die Großefehntjer Firma aktiv. Das klappe immer hervorragend.

Diese Boxen wurden am Hohen Wall ausgelegt. Foto: Boschbach
Diese Boxen wurden am Hohen Wall ausgelegt. Foto: Boschbach

Doch laut Schädlingsbekämpfer Christian Klaaßen müsse man am Ball bleiben: „Immer wenn wir die Boxen demontiert haben, gibt es wieder einen Anrufer, der eine Sichtung melden. Dann müssen wir erneut tätig werden. Deshalb stehen die Stationen dort fast dauerhaft.“ Acht der schwarzen Behältnisse habe man aktuell auf dem Hohen Wall montiert. In jedem stecke ein Köder. In der Regel handele es sich um ein Kumarinderivat, wie man es auch aus dem Baumarkt kenne, allerdings in einer anderen Dosierung und nicht für den professionellen Gebrauch gedacht.

Die Ratte verliert ihre Energie

Wie ist die Wirkweise? Das Präparat hemmt die Blutgerinnung. Selbst minimale Verletzungen oder Risse in den Blutgefäßen der Tiere können nicht mehr heilen. Das Blut staut sich in den Organen, drückt auf das umliegende Gewebe. Das nachtaktive Tier verliert seine Energie und bekommt verstärkt Atembeschwerden. Der Tod tritt in der Regel zwei Tage nach Aufnahme des Gifts ein. Das ist natürlich immer abhängig von der Dosierung.

Wie viele Ratten durch die ausgelegten Boxen verenden, kann Christian Klaaßen nicht beziffern. „Wir können nur sagen, wie stark der Köder angefressen war, mehr nicht“, sagt er im Gespräch mit der Redaktion. Für die Tiere sei die Fläche am Hohen Wall wegen der Wassernähe ideal. Es sei kaum möglich, dieses Areal rattenfrei zu halten.

Klimawandel begünstigt Verbreitung

Das liegt auch an der Vermehrungsfreudigkeit der Nager. Bis zu 60 Junge zieht eine Ratte im Jahr auf. Zudem ist sie sehr anpassungsfähig. Der Klimawandel begünstigt die Verbreitung. Je milder die Winter, desto weniger Kältestress haben alte und kranke Tiere.

Ratten sind selten tagsüber unterwegs. Foto: privat
Ratten sind selten tagsüber unterwegs. Foto: privat

Schätzungen zufolge gibt es 350 Millionen Ratten in ganz Deutschland. Sie leben in Kolonien, in der Stadt wie auf dem Land, meist unter der Erde, aber auch in Kellern, Dachböden und bei Mülldeponien. In Aurich hat noch niemand die Ratten gezählt. Im Schnitt gehen laut Ordnungsamt im Schnitt jährlich rund 400 Sichtungsmeldungen im Rathaus ein. Dann beauftragt die Stadt die Schädlingsbekämpfungsfirma Klaaßen, die seit 2021 für die Verwaltung tätig ist.

„Ekelfaktor“ für den Menschen

Warum werden die Ratten vernichtet? Weil sie Bakterien wie Salmonellen, nierenschädigende Hantaviren und andere Erreger übertragen können, sagt Christian Klaaßen. Außerdem seien sie ein „Ekelfaktor“ für den Menschen. Die Tiere wolle einfach niemand in seiner Nähe haben. Wann spricht man von einer Rattenplage? „Die liegt vor, wenn mehrfach am Tag Ratten gesehen werden“, sagt der Unternehmer. Schließlich handele es sich um Nager, die sonst nur in der Dunkelheit unterwegs seien.

Die Giftköder stehen indessen auch in der Kritik, weil der Tod der Tiere qualvoll ist. In der Diskussion sind tierfreundlichere Alternativen. Dazu gehört der Vorstoß, die Ratten nicht länger zu vergiften, sondern zu sterilisieren, etwa mit Flüssigködern, die Ratten unfruchtbar machen. In den USA wird die Methode bereits erfolgreich angewendet, zum Beispiel in Los Angeles. Nach einem dreimonatigen Einsatz der Flüssigköder war die Rattenpopulation dort um 40 Prozent geschrumpft.

Gewissenhafter Umgang mit Abfällen

Grundsätzlich kann aber jeder seinen eigenen Beitrag leisten, um den Ratten das Leben schwer zu machen: Indem man zum Beispiel keine Essensreste achtlos wegwirft oder über die Toilette entsorgt. Offene Futterquellen wie Abfalleimer oder Kompost sollten rattensicher verschlossen werden. Der gewissenhafte Umgang mit Abfällen ist ganz wichtig. In Müllhaufen wohnen Ratten am liebsten. Außerdem sollte man keine Tauben und Enten füttern, denn auch diese herumliegenden Reste können Ratten anziehen.

Wer eine Ratte in seiner Umgebung sieht, kann sich unter Telefon 04941/120 an die Stadt Aurich wenden.

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