Hamburg  Messer in den Kopf gerammt: Mordanklage gegen mutmaßliches Clan-Mitglied

Dirk Fisser, Tim Prahle
|
Von Dirk Fisser, Tim Prahle
| 16.08.2024 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Bei der Auseinandersetzung im März zückte ein Beteligter ein Messer und stach mutmaßlich zu. Nun ist er wegen Mordes angeklagt. Foto: Polizei Stade
Bei der Auseinandersetzung im März zückte ein Beteligter ein Messer und stach mutmaßlich zu. Nun ist er wegen Mordes angeklagt. Foto: Polizei Stade
Artikel teilen:

Die Staatsanwaltschaft Stade hat Mordanklage nach dem tödlichen Messerstich in der Stader Innenstadt im März erhoben. Die Tat soll grausamer Höhepunkt einer Auseinandersetzung im Clan-Milieu gewesen sein.

Nach einer tödlichen Familienfehde hat die Staatsanwaltschaft Stade nun Anklage wegen Mordes erhoben. Sie wirft einem 34-Jährigen vor, seinem Kontrahenten absichtlich ein Messer in den Kopf gerammt zu haben. Die Ermittler rechnen Täter und Opfer dem Clan-Milieu zu. Sie stammen aus den Großfamilien Miri beziehungsweise El-Zein.

Ende März war es in der Innenstadt zu der Bluttat gekommen. Vorangegangen waren offenbar Streitigkeiten zwischen Mitgliedern der beiden Großfamilien. Unter anderem wurde dabei eine Shisha-Bar zertrümmert und versucht, in ein Privathaus einzudringen. Am Nachmittag des Tages kollidieren dann mehrere Fahrzeuge auf einer Brücke miteinander, offenbar wurde der Unfall provoziert.

Die Insassen der Pkw schlugen zunächst auf offener Straße aufeinander ein. Anwesende Polizisten wirkten mit der Situation überfordert, wie Videoaufzeichnungen von Augenzeugen nahelegen. In dem Tumult hat dann nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft der beschuldigte 34-Jährige einem „arg- und wehrlosen“ Kontrahenten heimtückisch ein Messer in den Kopf gerammt. Der 35-Jährige starb später an den Verletzungen im Krankenhaus.

Der mutmaßliche Messerstecher konnte fliehen, tauchte für Wochen unter. Erst bei Razzien im Landkreis Harburg wurde er geschnappt. Seither sitzt er Untersuchungshaft. Unmittelbar nach der Tat zog die Polizei ein Großaufgebot in der Stadt zusammen. Offenbar befürchteten die Sicherheitskräfte eine weitere Eskalation und eine Blutfehde. Recherchen unserer Redaktion legten offen, dass zwei Imame, einer davon Onkel des Opfers, aus dem Ruhrgebiet nach Niedersachsen eilten, um zumindest auf Seiten der Opfer-Familie El-Zein für Beruhigung zu sorgen.

In einem später als Stellungnahme der Familie verbreiteten Videomitschnitt rief einer der Imame dazu auf, die Bestrafung des Täters dem deutschen Rechtsstaat zu überlassen. Tatsächlich blieb es in der Folge weitgehend friedlich, auch wenn soziale Netzwerke bis heute mit Verwünschungen des Beschuldigten geflutet werden. Das Landgericht muss nun über die Zulassung der Anklage entscheiden. Es gilt als wahrscheinlich, dass der Prozess noch in diesem Jahr beginnt. Dem Beschuldigten droht eine lebenslange Haftstrafe.

Ähnliche Artikel