Hamburg  Gegen den Trend? Wieso es zwischen Osnabrück und Ostfriesland mehr Clan-Straftaten gibt

Tim Prahle
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Von Tim Prahle
| 18.08.2024 12:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In der Polizeidirektion Osnabrück soll die Zahl der Clan-Straftaten im vergangenen Jahr deutlich angestiegen sein. Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich
In der Polizeidirektion Osnabrück soll die Zahl der Clan-Straftaten im vergangenen Jahr deutlich angestiegen sein. Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich
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Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens sieht „keine Hotspots“ bei der Clan-Kriminalität. Gleichwohl steigen die Fallzahlen besonders in einer Region an. Wie das zusammenpasst.

Tausende Straftaten mit Bezug zur Clan-Kriminalität gibt es in Niedersachsen jedes Jahr. Doch wenngleich die amtliche Bestätigung noch aussteht: 2023 scheinen die Zahlen erstmals etwas rückläufig zu sein, wie der NDR unter Berufung auf das Landeskriminalamt Niedersachsen berichtet.

Doch schon vor der offiziellen Verkündung der Zahlen hört man aus Osnabrück andere Töne. Es gebe zwischen Ostfriesland und Osnabrück – dem Zuständigkeitsgebiet der Polizeidirektion (PD) Osnabrück – „deutlich mehr relevante Ereignisse, darunter mehr Straftaten und mehr Ordnungswidrigkeiten“, heißt es auf Anfrage unserer Redaktion mit Blick auf die Clan-Kriminalität.

2022 wurden offiziell noch 461 Straftaten und 72 Ordnungswidrigkeiten gelistet. 2023 soll diese Zahl entgegen dem landesweiten Trend deutlich nach oben gesprungen sein. Illegale Spielautomaten, Drogengeschäfte, Straßenrennen: Die Liste der Beispiele von Straftaten, in die kriminelle Clan-Mitglieder verwickelt waren, ist lang.

Doch der Eindruck von mehr Straftaten in diesem Bereich muss nicht heißen, dass kriminelle Clans sich besonders gerne in dieser Region breitmachen. Die Polizeidirektion selbst verweist darauf, dass man seit dem vergangenen Jahr den Kampf gegen Clan-Kriminalität verstärkt als Schwerpunkt betrachtet.

Das heißt auch, dass es tendenziell immer mehr Razzien und Durchsuchungen gibt, bei denen dann wiederum Taten und Ordnungswidrigkeiten aufgedeckt werden, die die Polizei der Clan-Kriminalität zuordnet. Im gesamten Zuständigkeitsbereich seien es pro Jahr mehr als Hundert solcher Maßnahmen, erläutert ein Polizeisprecher.

Die Polizeigewerkschaft GdP mahnt jedoch an, wie personalintensiv dieses Vorgehen ist. „Einsätze im Umfeld von Clankriminalität stellen für die eingesetzten Kräfte häufig besondere Herausforderungen dar, weil Täter und Tatverdächtige in diesem Deliktsfeld häufig gut organisiert und stark vernetzt sind“, sagt Georg Linke, Vorsitzender der GdP-Bezirksgruppe Osnabrück. „Das führt immer wieder dazu, dass auch bei eigentlich einfachen Maßnahmen wie Personenkontrollen schnell eine große Gruppe von Menschen vor Ort ist, die die Maßnahmen stören oder verhindern wollen und dabei mitunter aggressiv auftreten.“

Die Vorbereitung bedeute einen besonderen Aufwand. Vor allem benötige man mehr Einsatzkräfte als üblich, damit bei solchen Kontrollen alles ruhig bleibe. Immer öfter fehle es jedoch an nötigen Kräften, so Linke, der mehr Personal für diesen Bereich forderte.

Zumindest konzeptionell scheint es jedoch zu passen, wie es von der Polizeidirektion Osnabrück weiter heißt. Über Lingen bis Aurich arbeite die Polizei mit Experten für Clan-Kriminalität zusammen. „Um der Entwicklung und Verfestigung krimineller Clanstrukturen entgegenzuwirken, haben wir in Zusammenarbeit mit Staatsanwaltschaften und Kommunen zudem direktionsweit regionale Allianzen und Netzwerke gebildet“, führt der Polizeisprecher aus.

Das Ziel ist wie überall, wo Clan-Kriminalität bekämpft wird: Das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung zu stärken. Denn rein statistisch dürfte Clan-Kriminalität auch zwischen dem Teutoburger Wald und den Ostfriesischen Inseln einen Anteil von unter einem Prozent der Gesamtkriminalität haben. Insgesamt wurden in der Polizeidirektion für 2023 knapp 90.000 angezeigte Straftaten erfasst.

Lohnt sich der Aufwand dann überhaupt? Die Polizei zeigt sich weiter kämpferisch. „Wir lassen nicht locker und dulden keine Bildung von Parallelgesellschaften – wir schreiten deshalb auch zukünftig konsequent und niedrigschwellig ein“, teilt sie mit.

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