Kolumne „Digital total“ Das große Comeback der Lesezeichen
Unser Kolumnist war nie ein Freund der Lesezeichen-Funktion im Webbrowser. Doch das hat sich geändert – und hängt auch mit der Entwicklung bei Google und anderen Suchmaschinen zusammen.
In den letzten zwei Jahrzehnten meiner Internet-Nutzung habe ich so gut wie keinen Gebrauch von der Lesezeichen-Funktion der verschiedensten Web-Browser gemacht. Wenn ich Webseiten wiederfinden wollte, habe ich einfach mit Google danach gesucht. Ich stelle nun seit einiger Zeit fest, dass dieser Ansatz nicht mehr funktioniert.
Google hat in den vergangenen zwei Jahren so abgebaut, dass ich oft Webseiten, die ich Tage zuvor noch besucht hatte, nicht mehr finden kann. Das scheint eine Kombination aus mangelnder Resistenz gegen Suchmaschinen-Optimierung von Click-Farm-Seiten, aktivem Löschen/Verstecken unerwünschter Inhalte und einer neuen Orientierung weg von Relevanz von Ergebnissen für den Suchenden und hin zu „vertrauenswürdigen Quellen“ zu sein.
Aber das Problem beschränkt sich nicht auf Google. Microsofts Suchmaschine Bing, die noch nie besser als Google war, wenn es zum Beispiel um Nachrichten-Recherche ging, hat ähnliche Schwierigkeiten. Und die ganzen alternativen Suchmaschinen, die auf Googles Ergebnisse aufbauen, schaffen es (bisher) auch nicht, diese Probleme auszugleichen.
Zur Person
Fabian Scherschel, geboren in Duisburg und nun in Düsseldorf lebend, arbeitete bis 2019 als Redakteur für das Tech-Portal Heise-Online und für die Tech-Newsseite „The H“ in London. Als Freiberufler schreibt er unter anderem für das Magazin „c’t“. Mittlerweile hat der begeisterte Podcaster sein eigenes Projekt: fab.industries. Fernseh- und Radiosender schätzen ihn als Experten.
Und deswegen benutze ich jetzt wieder Lesezeichen – wie ganz früher einmal. Denn anders kann man mittlerweile Webseiten – vor allem solche, die man auf alternativen Wegen zu den gängigen Suchmaschinen gefunden hat – später nicht mehr wiederfinden.
Ich persönlich verwende zum Anlegen der Lesezeichen eine Wiki-Software – also so etwas wie meine eigene, lokale Wikipedia. Vor allem wegen der besseren Übersicht bei einer großen Anzahl an Links und weil mir diese Software es erlaubt, zusätzlich Notizen oder auch Zitate von den verlinkten Webseiten zu speichern.
Aber man kann das im Alltag natürlich auch mit den eingebauten Funktionen seines Browsers machen. Vor allem, wenn man nicht so viel im Internet unterwegs ist und dementsprechend viele Links zu Webseiten abzulegen hat wie ich.
Kontakt: kolumne@zgo.de
Zur Person
Fabian Scherschel, geboren in Duisburg und nun in Düsseldorf lebend, arbeitete bis 2019 als Redakteur für das Tech-Portal Heise-Online und für die Tech-Newsseite „The H“ in London. Als Freiberufler schreibt er unter anderem für das Magazin „c’t“. Mittlerweile hat der begeisterte Podcaster sein eigenes Projekt: fab.industries. Fernseh- und Radiosender schätzen ihn als Experten.