Wasserstoffspeicher in der Krummhörn Ostfriesland als „riesen Real-Labor“ der Energiewende?
In Upleward wurde eine Wasserstoff-Speicheranlage eröffnet. Von dieser „handfesten Pionierarbeit“ soll am Ende die ganze Region profitieren.
Upleward - In einer Zeit, in der die Umstellung auf klimafreundliche Energieversorgung immer dringlicher wird, setzen Niedersachsen und insbesondere Ostfriesland neue Maßstäbe. Mit der Eröffnung der Wasserstoff-Pilotanlage von Uniper in Upleward in der Gemeinde Krummhörn wird ein zentraler Meilenstein für die Energiewende in Deutschland gesetzt, wie Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) am Montag vor Ort sagte. „Ohne Niedersachsen wird die Energiewende in Deutschland nicht gelingen“, sagte der Minister. „Wir sind das Energieland Nummer 1 und das Wasserstoffland Nummer 1.“ Niedersachsen übernehme nicht nur Verantwortung, sondern sei auch Vorreiter.
Der Energiekonzern Uniper will in Upleward Ende September einen unterirdischen Testspeicher für Wasserstoff in Betrieb nehmen und hatte am Montag, 26. August 2024, Vertreter aus Politik, Industrie und Presse zur offiziellen Eröffnung der Anlage eingeladen. Etwa zwei Jahre lang soll dort unter anderem geprüft werden, wie Materialien und Technik mit dem Gas zurechtkommen - „handfeste Pionierarbeit“, wie Uniper-CEO Michael Lewis es nannte. Auch die Einspeicherung von Wasserstoff unter realen Bedingungen und die Genehmigungsverfahren werden erprobt. Der Testspeicher befindet sich in einer Tiefe von gut 1700 Metern und misst etwa 30 Mal 16 Meter. Das Volumen liegt bei 3000 Kubikmetern - das ist so viel, dass eine Kirche locker Platz darin finden würde. Langfristig will der Konzern den Standort auch kommerziell ausbauen.
Standort Ostfriesland ist ideal für die Energiewende
Der Standort in der Krummhörn sei ideal. Laut Uniper-CEO Michael Lewis stelle er zum einen eine Ergänzung zu bestehenden Projekten in der Region, zum Beispiel in Wilhelmshaven, dar. Zum anderen biete der Standort durch seine Nähe zur windreichen Nordsee und der Anbindung an das bestehende Strom- und Gasnetz sowie das zukünftige Wasserstoff-Kernnetz viele Vorteile. „So stärken wir nicht nur den Standort Krummhörn, sondern auch die Bedeutung Niedersachsens als zentraler Energieträger in Mitteleuropa“, so Lewis.
Niedersachsen habe sich in den vergangenen Jahren zu etwas wie der Mutter der deutschen Energiewende etabliert. „Nur wenige Bundesländer verfügen über eine vergleichbare Kombination aus erneuerbaren Energien, industrieller Infrastruktur, technologischem Know-How und dem politischen Willen zur Transformation“, sagte Lewis. Gerade die Küstenregion mit ihren Windparks, den Häfen und den Wasserstoffprojekten sei „beispielhaft“ für die Zukunft der Energiewende.
Was haben die Bewohner davon?
Was haben die Menschen in der Krummhörn von diesem Pioniergeist in ihrer Gemeinde? Das wollte auch der Freepsumer Ortsvorsteher Johannes Voß wissen, der die Frage-Möglichkeit am Ende der Veranstaltung nutzte. Zum einen entstünden durch Projekte wie diese auf Sicht Jobs in der Region, antwortete ihm Uniper-COO Holger Kreetz. Zum anderen, so Wirtschaftsminister Olaf Lies, sollen und müssen, ähnlich wie bei der Windkraft, auch nicht unerhebliche Steueranteile in den Gemeindekassen ankommen. „Das ist etwas, was wir rechtlich sicherstellen müssen“, sagte er.
Generell, das machte Lies auch in seiner Rede klar, müsse man dafür einstehen, dass Niedersachsen nicht nur als Vorreiter mit Verantwortung, sondern als klarer Profiteur hervorgehe. „Ohne uns kommt die Energie nicht von See an Land, ohne uns ist kein Platz für entsprechende Konverter-Stationen und ohne uns wird man auch keinen Wasserstoff importieren oder speichern können“, so Lies. Dabei komme es eben nicht nur auf Klimaneutralität an, sondern auch auf die Stärkung Niedersachsens als Wirtschaftsstandort.
Was es nun brauche, sei neben der Wertschöpfung vor allem Verlässlichkeit- auch aus der Politik. „Da muss man aufpassen, zwischendurch nicht ins Schwanken zu geraten“, sagte der Wirtschaftsminister. Dabei gehe es neben den finanziellen Rahmenbedingungen auch um standardisierte Genehmigungsverfahren und strukturierte Prozesse. Wer sehen wolle, wie all das funktioniert, der solle in die Krummhörn fahren, in das „riesen Real-Labor“ der Energiewende.