Urteil am Landgericht Aurich  Mutter getötet – 38-Jähriger muss in Psychiatrie

Aiko Recke
|
Von Aiko Recke
| 29.08.2024 13:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In Handschellen wurde der 38-Jährige am ersten Prozess in den Auricher Schwurgerichtssaal geführt. Foto: Romuald Banik
In Handschellen wurde der 38-Jährige am ersten Prozess in den Auricher Schwurgerichtssaal geführt. Foto: Romuald Banik
Artikel teilen:

Mit 37 Messerstichen stach der Norder am 15. Februar 2024 auf seine Mutter ein. Der Auslöser für seine „Weißglut“ blieb vor Gericht jedoch offen. Nun soll dem psychisch kranken Mann geholfen werden.

Aurich/Norden - Weil er seine eigene Mutter mit 37 Messerstichen getötet hat, wird ein 38-Jähriger aus Norden dauerhaft in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Das hat das Landgericht Aurich am Donnerstag angeordnet. Wie Vorsitzender Richter Björn Raap in der Urteilsbegründung nach mehreren Prozesstagen sagte, habe sich der Vorwurf des Totschlags bestätigt. Der Mann habe seine Mutter töten wollen, auch wenn er sich an diesen Vorsatz nicht erinnern könne.

Allerdings handelte der 38-Jährige wegen einer schweren Schizophrenie-Erkrankung im Zustand der Schuldunfähigkeit. Das hatte der psychiatrische Gutachter Prof. Wolfgang Trabert (Emden) festgestellt. Auch Oberstaatsanwältin Annette Hüfner sagte: „Er ging davon aus, dass seine Mutter in ein Komplott gegen ihn verwickelt war.“ Es müsse einen unmittelbaren Auslöser vor der Tat gegeben haben. Doch dieser sei nachträglich nicht mehr festzustellen. Der Mann ging offenbar in seinem Wahn davon aus, dass ihm Drogen verabreicht werden sollten. Einmal fühlte er sich von Drohnen verfolgt, zuletzt campierte er Zuhause aus Angst auf dem Dachboden.

Psychiatrische Erkrankung spitzte sich in wenigen Tagen zu

Der Mann hatte am Nachmittag des 15. Februar 2024 insgesamt 37-mal heftig mit einem Küchenmesser mit 31 Zentimeter langer Klinge auf seine Mutter eingestochen, wie die Schwurgerichtskammer feststellte. Die Frage, was die vom Angeklagten im ersten Notruf selbst genannte „Weißglut“ auf seine Mutter ausgelöst hatte, konnte im Prozess aber nicht aufgeklärt werden. „Was der letzte Tropfen war, der das Faß zum Überlaufen brachte, bleibt offen“, so Richter Raap. Dazu gehört auch die Frage, warum der 38-Jährige krank geworden war. Fest steht aber laut Gericht, dass sich die schwere psychiatrische Erkrankung innerhalb weniger Tage Anfang Februar 2024 massiv zugespitzt hat. Das sei eine Besonderheit dieses Falls, so der Richter.

Der 38-Jährige am ersten Prozesstag in Aurich neben seinem Verteidiger Andreas Lauven.Foto: Romuald Banik
Der 38-Jährige am ersten Prozesstag in Aurich neben seinem Verteidiger Andreas Lauven.Foto: Romuald Banik

Wegen der Gefährlichkeit für die Allgemeinheit und einer Wiederholungsgefahr bei unbehandelter Erkrankung wurde der Mann direkt nach dem letzten Prozesstag direkt ins Maßregelvollzugszentrum Moringen (Kreis Northeim) gebracht. „Sie bedürfen dringend einer Behandlung, um in die Zukunft schauen zu können“, sagte der Richter zu dem 38-Jährigen. In Richtung der Angehörigen, die im Prozess Nebenkläger waren, sagte er, er hoffe, dass man mit dem Prozess zumindest eine Art Schlusspunkt habe setzen können.

Verteidiger: „Seine Mutter war für ihn heilig“

Auch Oberstaatsanwältin Annette Hüfner hatte zuvor in ihrem Plädoyer die Unterbringung in der Psychiatrie gefordert.

Verteidiger Andreas Lauven (Oldenburg) schloss sich dem an. Er sprach von einer „familiären, menschlichen Tragödie“. Seine Mutter sei für seinen Mandanten eigentlich „eine heilige Person“ gewesen. Doch die Psychose habe ihm offenbar „das Leben zur Hölle gemacht“, so der Anwalt. Diese Störung habe er noch nicht überwunden, was sich auch in der Haft zuletzt gezeigt habe. Daher sei die Unterbringung in der Psychiatrie richtig und erforderlich, um dem Mann zu helfen – und um eine weitere mögliche Tragödie zu verhindern, so der Verteidiger.

Die Nebenklage-Anwältin, die die Angehörigen vertrat, schloss sich der Forderung an. Der Wille der Angehörigen sei, dass ihrem Sohn und Bruder geholfen werde, sagte die Anwältin. Verbunden mit dem Wunsch, das schlimme Geschehen irgendwann verarbeiten zu können.

Ähnliche Artikel