Steigende Kosten für Ostfriesen Historisch hohe Butterpreise erwartet
Unsicherheit auf dem Markt und rückläufige Milchmengen: Die Butterpreise liegen bei über zwei Euro – Tendenz: steigend. Wie betroffen ist der ostfriesische Markt?
Ostfriesland - Butterpreise von über zwei Euro, das gab es zuletzt 2022, nach Ausbruch des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Im letzten Jahr gingen die Preise wieder ein Stück runter. Jetzt allerdings sind wieder „historische Höchstpreise“ zu erwarten, wie Monika Wohlfarth, Geschäftsführerin der Zentrale Milchmarkt Berichterstattung (ZMB) mit Sitz in Berlin, gegenüber der Redaktion mitteilt. Das kann auch Auswirkungen auf den ostfriesischen Markt haben.
Wie stark die in Deutschland grassierende Blauzungenkrankheit (kurz: BT) sich auf den Rohstoffmarkt auswirkt, ist laut Experten noch nicht absehbar. Seit Oktober 2023 breitet sich die Seuche schnell in Deutschland aus, trifft etwa Rinder, Schafe und Ziegen. Wie eine Grafik des Friedrich-Loeffler-Instituts vom 29. August 2024 zeigt, wurden in Deutschland Fälle der Blauzungenkrankheit bereits in so gut wie allen Bundesländern nachgewiesen.
Der Einstiegspreis für Butter hat die Zwei-Euro-Marke geknackt
Nach Bekanntwerden der zunehmenden Fälle der Blauzungenkrankheit seien bereits in der vorletzten Woche die Milchpreise gestiegen, berichtet Monika Wohlfarth. „Die Unsicherheit ist gewachsen, vor allem mit Blick auf den Herbst“, sagt sie.
Im ostfriesischen Handel liegt der Einstiegspreis für Butter bereits über zwei Euro. Christian Brahms, Mit-Inhaber der Multi-Märkte und Geschäftsführer von Multi Nord und Multi Emden, berichtet von einem Butter-Einstiegspreis von 2,09 Euro – ausgenommen besondere Angebote. Damit nähert sich Butter den Höchstpreisen von 2,29 Euro von Ende 2022 an. „Eine Prognose zu den Preisen im Herbst kann ich nicht geben“, sagt er gegenüber der Redaktion.
Milchausfälle kommen bei den Molkereien an
Kühe, die an der Blauzungenkrankheit erkranken, leiden körperlich und geben weniger bis gar keine Milch mehr. Zudem treten Fehl- und Frühgeburten auf. Bis ihre Milchleistung sich wieder normalisiert, kann es bis zur nächsten Geburt eines Kalbs dauern.
Erkrankte Kühe bedeuten aber nicht nur Sorgen und wirtschaftliche Einbußen für Landwirte. Auch bei den Molkereien kommt weniger Milch an. „Wir merken es, aber die Ausfälle sind noch nicht so hoch, dass wir nicht mehr produzieren können“, sagt Insa Rücker, Pressesprecherin der Molkerei Rücker mit Sitz in Aurich, im August gegenüber der Redaktion. Allerdings wisse man auch nicht, wie sich der Markt in Zukunft entwickelt.
Niedriger Fettgehalt der Rohmilch befeuert die Preise
Auf den Rohstoffmärkten merke man es hingegen schon, dass dort die Preise steigen, so Rücker. „Die Rohstoffmärkte reagieren sehr empfindlich“, weiß sie. Nun stelle sich die „Frage, ob diese Situation nachhaltig ist oder ob nur eine temporäre Nervosität vorliegt“, so Rücker. Für Menschen sind die Produkte absolut unbedenklich, auch anstecken können sie sich nicht.
Ein weiterer Faktor für steigende Butterpreise ist der niedrigere Fettgehalt der Rohmilch, der im Frühjahr und Sommer in der Regel niedriger ist als im Winter. In der Folge steigen die Rahmpreise – und damit die Preise für Produkte wie Käse, Sahne und Butter, wie auch die „Lebensmittelzeitung“ in der aktuellen Ausgabe berichtet.
Rückläufige Milchmengen und Unsicherheit lassen Preise steigen
Schon in der 33. Kalenderwoche (13. bis 18. August 2024) verzeichnete die ZMB einen Mengenrückgang des Rohstoffs Milch von 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei sei der Norden stärker betroffen, so Monika Wohlfarth. Dieser Wert befinde sich zwar noch im Normalbereich der Schwankungen.
Faktoren, die zu weniger Milch führen, seien auch Hitzestress bei den Tieren aufgrund hoher Temperaturen sowie die saisonal bedingte geringere Milchproduktion, die bis zum Herbst andauere. „Die rückläufigen Milchmengen, die wir jetzt schon sehen, in Verbindung mit der Unsicherheit, lassen die Preise steigen“, sagt sie.
BTV-3 grassierte schon im letzten Sommer in den Niederlanden. Im Juli dieses Jahres sei im Nachbarland ein Milchrückgang von 3,2 Prozent auf dem Markt verzeichnet worden, so Monika Wohlfarth. „Das ist viel“, sagt sie. Man müsse davon ausgehen, dass die Ausfälle auch hier ansteigen werden.