Osnabrück Film der Woche: Cinema-Arthouse-Chef Christian Saßnick empfiehlt „Was ist schon normal?“
Weshalb für Cinema-Arthouse-Betreiber Christian Saßnick die französische Sommerkomödie „Was ist schon normal?“ der Film der Woche in Osnabrück ist, lesen Sie hier.
Nicht nur drei Neustarts mit Haien, einem alten Ehepaar sowie Gangstern auf der Flucht sorgen für Abwechslung in der neuen Kinowoche. Auch das große Kinofest am Wochenende lockt mit viel Kino für wenig Geld in die Lichtspielhäuser. Aber unangefochtener Favorit in dieser Woche ist für Cinema-Arthouse-Betreiber Christian Saßnick eine Sommerkomödie, die in Frankreich schon rund zehn Millionen Zuschauer in die Kinos gelockt hat.
Frage: Herr Saßnick, in Osnabrück starten in dieser Woche drei neue Filme. Welcher ist Ihr Favorit?
Antwort: Ein Film, der schon vom Titel her sehr in diese Zeit passt: „Was ist schon normal?“
Frage: Und worum geht es da genau?
Antwort: Da geht es um zwei Gangster, die auf der Flucht sind und sich in eine Behindertengruppe schmuggeln. Um da nicht aufzufallen, müssen sie sich natürlich entsprechend anpassen. Daraus entsteht eine Komödie, ein Feelgood-Movie, das nicht so platt daherkommt, wie man vermuten könnte. Im Gegenteil. Das ist ein Film, der auf warmherzige Weise das Miteinander unterschiedlicher Menschen thematisiert, die auf einer Reise sind und gemeinsame Abenteuer erleben.
Frage: Schlägt die Komödie auch tragische Töne an?
Antwort: Ja, der Film hat auch ernste Untertöne und spricht Probleme an wie beispielsweise Bindungen, Liebe und Gefühle im Allgemeinen, die sich natürlich sehr unterschiedlich darstellen. Aber das ist alles sehr witzig, sehr pointiert erzählt.
Frage: Der Film ist ja von und mit Victor Artus Solaro, besser bekannt als einfach nur Artus, der in Frankreich ein absoluter Superstar ist.
Antwort: Ja, genau. Der ist in Frankreich ein Superstar, und der Film hatte da bis jetzt über zehn Millionen Besucher. Er passt gut in die Spätsommerzeit, weil es ja auch um Ferien und Reisen geht. Und diesen leichten Humor, den er versprüht, den glaube ich, können wir im Moment alle gut gebrauchen.
Frage: Liegt der Erfolg in Frankreich vielleicht auch an diesem Superstar Artus?
Antwort: Das ist natürlich jetzt spannend, ob das in Deutschland auch so angenommen wird wie in Frankreich! Der Humor funktioniert länderübergreifend, da bin ich mir sicher. Aber so viele Zuschauer, zehn Millionen, das haben ja bei uns nur die Otto- und Bully-Filme erreicht, was heimische Produktionen betrifft. Und deren Erfolge konnten sich dann länderübergreifend nicht fortsetzen. Umgekehrt bin ich mir sicher, dass „Was ist schon normal?“ hier wahrscheinlich gut ankommen wird. Und wir haben ja auch schon länger keine so gute Komödie mehr hier gehabt.
Frage: Wie werden die Behinderten denn dargestellt?
Antwort: Die haben ihre eigene Wahrnehmung und entlarven die beiden Gangster auch gleich als das, was sie sind. Sie haben sehr spitzzüngige Dialogzeilen und sorgen für viel Situationskomik auf Kosten der Gangster. Die Komik funktioniert selbstverständlich sowieso nicht auf Kosten der Menschen mit Behinderungen, sondern mit ihnen. Das ist ganz wichtig!
Frage: Was für eine Gesamtnote würden Sie denn dem Film geben?
Antwort: Ich würde dem Film eine Zwei geben. Das ist ein gelungenes Feelgood-Movie, eine leichte Sommerkomödie mit liebenswerten Figuren.
Frage: Herr Saßnick, haben Sie vielen Dank!
Was ist schon normal? 98 Minuten, FSK ab 6, Filmtheater Hasetor, Hall of Fame.
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