Leichter Kreuzer im Krieg Heute vor 85 Jahren gab es die ersten Toten auf der „Emden“
Es ist seit mehr als 100 Jahren Tradition, dass Schiffe nach der Stadt Emden benannt werden. Im September 1939 wurde der Leichte Kreuzer „Emden“ angegriffen. Wir schauen in die Geschichte.
Emden/Wilhelmshaven - Genau an diesem Tag vor 85 Jahren wurde der Leichte Kreuzer „Emden“ bei Wilhelmshaven von einem britischen Kampfflugzeug angegriffen. Der Emder Hobby-Historiker Dr. Klaus Bretschneider hat uns auf diesen Jahrestag hingewiesen und einen Aufsatz dazu verfasst. Der Angriff war einen Tag nach der Kriegserklärung Großbritanniens und Frankreichs an das damalige Deutsche Reich erfolgt, nachdem dieses der Aufforderung nicht gefolgt war, sich aus Polen zurückzuziehen.
Am 4. September 1939 flogen demnach zehn englische Bomber entlang der deutschen Küste bis zur Jademündung. Die Piloten hatten Anweisung, ausschließlich militärische Ziele anzugreifen und diese auch nur dann, wenn keine Zivilisten in der Nähe waren. Vor Wilhelmshaven sichteten sie das Panzerschiff „Admiral Scheer“, den Zerstörer „Diether von Roeder“ und einen Tender, die dort ankerten. Einer der Piloten entdeckte beim Flug über den Binnenhafen der Jadestadt den Leichten Kreuzer „Emden“, der gerade an der Wiesbaden-Brücke anlegte, um von einem auf der Pier stehenden Güterzug Minen zu übernehmen.
Die ersten Verluste auf beiden Seiten
Der Flieger löste seine Bomben aus, die das Schiff aber verfehlten. Von Flakgeschossen der „Emden“ getroffen, explodierte allerdings das Flugzeug und stützte auf das Vorschiff und entlang der Backbordwand ins Wasser, schreibt Bretschneider. Auf dem Kreuzer starben zwei Offiziere, zwei Unteroffiziere und sechs Mann. Ein weiteres Besatzungsmitglied starb später im Lazarett.
Dreißig Soldaten wurden verwundet, zwölf davon schwer. Andere Quellen sprechen von 20 Verwundeten. Die gefallenen Besatzungsmitglieder waren die ersten Toten der Kriegsmarine im Zweiten Weltkrieg. Die Briten verloren vier ihrer Flugzeuge bei dem Angriff. Die dabei getöteten Soldaten waren die ersten Verluste der Royal Air Force in dem Krieg, so Bretschneider.
Kreuzer „Emden“ als Schulschiff konzipiert
Auf dem Ehrenfriedhof in Wilhelmshaven erinnert ein Stein an die Gefallenen des Leichten Kreuzers. Die Bordgemeinschaft der Emdenfahrer stellte ihn am 4. September 2012, also 73 Jahre nach dem Luftangriff, auf. In der Zeremonie wurde auch der englischen Flugzeugbesatzungen gedacht, die am 4. September 1939 gefallen sind, schreibt Dr. Klaus Bretschneider.
Dass der Leichte Kreuzer „Emden“ für Kriegseinsätze verwendet werden würde, war bei seiner Indienststellung im Oktober 1925 in Wilhelmshaven nicht abzusehen. Damals war er von der Reichsmarine der Weimarer Republik als Schulkreuzer konzipiert. In der Zeit als Ausbildungsschiff fuhr der Kreuzer bis nach China, Australien, Hawaii und zu vielen anderen Zielen. Insgesamt waren es neun mehrmonatige Reisen. Vor einer der letzten Auslandsfahrten besuchte der Kreuzer noch seine Patenstadt Emden und machte im Außenhafen fest.
Schiff wurde 1945 gesprengt
Die Zeit als Schulschiff fand dann 1935 ein Ende durch die Eingliederung in die Kriegsmarine und Umrüstung auf schwerere Bewaffnung. Vom 29. März bis zum 15. April 1939 war das Schiff noch im Fischereischutzdienst tätig, heißt es bei Wikipedia. Nach dem Angriff der Briten am 4. September 1939, bei dem das Vorschiff beschädigt wurde, wurde der Kreuzer repariert und nahm an zahlreichen Einsätzen in der Nord- und Ostsee teil.
Bei einem Bombenangriff auf Kiel im April 1945 wurde das Schiff dann allerdings so stark beschädigt, dass wenig später die Außerdienststellung erfolgte. Am 3. Mai 1945 wurde das Schiff in der Heikendorfer Bucht gesprengt, die Reste wurden 1948 abgebrochen.
Mittlerweile sechs Schiffe nach Emden benannt
Der Kreuzer war nach den beiden gleichnamigen Kleinen Kreuzern von 1909 beziehungsweise 1917 das dritte deutsche Kriegsschiff, das nach der Stadt Emden benannt wurde, wie wir in mehreren Artikel bereits berichtet haben. Bekannt ist hier insbesondere die erste „Emden“, die während des Ersten Weltkriegs zum selbstständigen Handelskrieg in den Indischen Ozean entsandt wurde. Dort versenkte sie innerhalb von zwei Monaten 23 feindliche Handelsschiffe und zwei Kriegsschiffe oder brachte sie auf.
Die Besatzung galt als besonders ritterlich und wurde in der damaligen Presse hervorgehoben. Der Kleine Kreuzer wurde rasch zu einem der bekanntesten Schiffe des gesamten Ersten Weltkriegs. Am 9. November 1914 unterlag sie in einem Gefecht mit dem australischen Kreuzer Sydney nahe den Kokosinseln. Als Auszeichnung erhielten Überlebenden des letzten Gefechts das Recht, den vererbbaren Namenszusatz „-Emden“ anzunehmen. Es gibt mehrere Filme zu den Geschehnissen - bekannt ist insbesondere der Spielfilm „Die Männer der Emden“ von 2012.
Mittlerweile wurde das sechste Marineschiff nach der Stadt Emden benannt. Auf der Hamburger Werft Blohm + Voss wurde im Mai 2023 der Neubau einer Korvette getauft. Taufpatin der Korvette war die neue Präsidentin des Bundeswehr-Beschaffungsamtes, Annette Lehnigk-Emden. Sie ist eine Nachfahrin eines Besatzungsmitgliedes des legendären Kleinen Kreuzers „Emden“. Im Juni kam die neue Besatzung der „Emden“ nach Emden zum Matjesfest, um die Patenschaft zu besiegeln. Die ehemalige Fregatte „Emden“ ist im Sommer 2024 übrigens auf ihre letzte Reise zum Verschrotten in die Türkei aufgebrochen.
Hinweis der Redaktion: In einer vorigen Version dieses Artikels heißt es, dass der Leichte Kreuzer „Emden“ im Oktober 1925 Kiel gelegt wurde. Das stimmt nicht. Am 8. Dezember 1921 war die Kiellegung, im Oktober 2025 wurde das Schiff in den Dienst gestellt.