25. Jahrestag Auricher Tageshospiz – grüne Oase für Gespräche, Trauer und Gedenken
Wer Angebote des Tageshospizes nutzt, kann nun draußen in einem Hängesessel oder einer Nestschaukel entspannen. Kinder nehmen in der Arbeit des Vereins einen immer größeren Raum ein.
Aurich - Es ging ein erstauntes Oho über die Lippen vieler Gäste beim Tag der offenen Tür im Auricher Tageshospiz, als sie am Sonntag zum ersten Mal den neuen Gedenkgarten der Einrichtung betraten. 2015 wurde das neue Domizil des Hospiz-Vereins an der Hasseburger Straße eröffnet – mit viel Platz für Angebote. Nun – zum 25. Jahrestag der Vereinsgründung – kam eine kleine Gartenoase hinzu.
Neben einem großen Blumenbeet gibt es dort einen kleinen Sitzkreis aus Holzstämmen, eine Nestschaukel und einen Hängesessel, aber natürlich auch eine Sitzbank aus Holz und in wenigen Tagen auch einen Pavillon. Der Garten soll Platz für Trauer und Gespräche bieten und eine kleine grüne Oase in der Stadt sein, wo man die Welt genießen kann.
Bürgermeister Horst Feddermann war in Doppelfunktion vor Ort, denn er ist auch der Vorsitzende des Hospizvereins, der ihm zufolge inzwischen 227 Mitglieder hat und stetig wächst. Zum Jubiläum waren einige Gründungsmitglieder dabei.
Verein steht zum Ziel der ambulanten Betreuung
72 ehrenamtliche, gut ausgebildete Mitarbeiter plus zwei hauptamtliche Koordinatorinnen begleiten Menschen im Sterbeprozess oder in ihrer Trauer. Laut Feddermann werden derzeit auch sechs Kinder von Sterbebegleitern betreut. Die Arbeit mit Kindern nehme ebenso wie die Einzelgespräche mit Trauernden einen immer größeren Raum ein.
Regelmäßig etwa sechs Gäste nutzen das Tageshospiz „Strandkorb“ – und sicher bald auch die kleine grüne Oase am Haus. Ziel beispielsweise von Eike Zabel und Dr. Max Freyland, die die Einrichtung des Tageshospizes vorantrieben, war es, Betroffenen einen Ausflug aus dem Alltag zu Hause zu ermöglichen.
„Wenn wir über den Hospizverein sprechen, dann wundern sich viele, dass hier keine Betten stehen“, sagte Feddermann. Oftmals müsse der Unterschied zwischen einem stationären und einem ambulanten Hospiz erklärt werden.
„In Aurich haben wir uns vor zehn Jahren ganz bewusst für die Beibehaltung des ambulanten Hospizdienstes mit angeschlossenem Tageshospiz entschieden.“ Der Verein habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen lieber in den eigenen vier Wänden bleiben möchten. „Diesem Wunsch entsprechen wir“, so Feddermann.
Neue Hospizangebote sind keine Konkurrenz
Vor gut zehn Jahren sei die Entscheidung gegen ein stationäres Hospiz in Aurich auch auf der Basis von erhobenen Zahlen getroffen worden. Damals deutete alles darauf hin, dass die vorhandenen Angebote ausreichen, sagte Feddermann. Inzwischen habe sich die Situation verändert, es gebe den Bedarf für die neuen stationären Hospize in Emden und Hage. Aber es gebe auch den Bedarf nach dem ambulanten Hospizdienst in Aurich. Auch hinsichtlich des Spendenaufkommens habe sich durch die neuen Einrichtungen im Umfeld nichts zum Negativen entwickelt. „Wir kommen gut klar“, so Feddermann.
Der Verein sei gegründet worden, um die Würde des Menschen in seiner letzten Lebensphase zu wahren, menschenwürdiges Sterben zu ermöglichen, ungewollter Isolierung angesichts des Todes entgegenzuwirken und um Trauernde zu begleiten, so Feddermann. Zudem solle das Thema Sterben Teil des öffentlichen Bewusstseins werden.
Kindertrauergruppe startet im September wieder
Nicht nur der Gedenkgarten gehört zu den neuen Angeboten des Auricher Hospizes. Im Obergeschoss ist zwischen dem Gruppenraum und dem Bastelraum für die Kinder- und Jugendtrauergruppen ein Snoozelraum entstanden. Dort können Kinder sich durch buntes Licht entspannen.
Wenn die Kindertrauergruppe sich treffe, sei dort bei Bedarf zudem Einzelbetreuung möglich, wenn ein Kind sich zurückziehen wolle, berichtete Erika Winter, die zusammen mit Silke Voss und Janina Speiser seit fünf Jahren in der Arbeit mit Jugendlichen und Kindern tätig ist.
Am 21. September, um 14 Uhr startet die neue Kindertrauergruppe mit ihren monatlichen Treffen. Mütter oder Väter kämen als Begleitung mit und träfen sich während der Termine unten in der Tageshospizküche. So sei bei Bedarf immer jemand da, falls das Kind eine vertraute Bezugsperson brauche. Das jüngste Kind, das in der Trauergruppe bislang betreut worden sei, sei vier gewesen, so Winter. Dieses Angebot richte sich an Kinder bis etwa 12 Jahren. Ab dann sei eher die Jugendtrauerarbeit etwas für Kinder, die Eltern, Geschwister, Großeltern, Onkel, Tanten oder gute Freunde verloren hätten.
Kinder trauerten anders als Erwachsene, seien damit aber nicht schneller „fertig“, so Winter. Es sei gut, wenn das traurige Ereignis schon einige Monate zurückliege, bevor mit der Gruppenarbeit begonnen werde. Die Pausen zwischen den Terminen seien als Entwicklungszeit wichtig. Über ein Jahr gebe es zehn Treffen. Insgesamt kümmern sich fünf ehrenamtliche Trauerbegeleiter um die Kindertrauergruppe. Dieses Team geht auf Anfrage auch in Schulklassen oder Kindergruppen, wenn dort ein Kind verstorben ist.