Kiew  5 Wahrheiten über den Ukraine-Krieg: Warum Scholz und Selenskyj verlieren

Michael Clasen
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Von Michael Clasen
| 07.09.2024 07:39 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Gaben sich bewusst optimistisch: Olaf Scholz traf sich mit Wolodymyr Selenskyj in Frankfurt. Foto: dpa Pool
Gaben sich bewusst optimistisch: Olaf Scholz traf sich mit Wolodymyr Selenskyj in Frankfurt. Foto: dpa Pool
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Kanzler Scholz und Präsident Selenskyj geben sich bei ihrem Treffen in Deutschland kämpferisch. Dabei ist die Niederlage der Ukraine absehbar. Fünf Wahrheiten, die zeigen, wie sehr sich die Nato verkalkuliert hat.

Wer den Nebel des Informationskrieges beiseiteschiebt, dem zeigt sich nach mehr als 900 Kriegstagen deutlich: Selenskyj wird sein Ziel niemals erreichen, die Krim und die übrigen von Russland illegal besetzten Gebiete zurückzuerobern. Auch eine schnelle Aufnahme in EU und Nato ist abwegig. Warum? Fünf unbequeme Wahrheiten:

1. Der Westen prophezeite, Russland mit Sanktionen ruinieren zu können. US-Präsident Joe Biden und seine Berater hatten wohl noch Bilder aus Sowjetzeiten vor Augen. Die Wirklichkeit: Putins Kriegswirtschaft boomt. Der Rohstoffverkauf läuft. Im Gegenzug liefert China Hightech. Moskau ist auch nicht international isoliert. Viele Länder des globalen Südens unterstützen vielmehr Putin. Geschwächt wird dagegen Deutschlands Wirtschaft.

2. Verteidigungsminister Boris Pistorius und andere gaben das Ziel aus, die Ukraine müsse militärisch siegen. Richtig ist: Die ukrainische Armee verliert den brutalen Abnutzungskrieg. Die Frage ist nicht ob, sondern wann und wie. Die vollmundig angekündigte Großoffensive 2023 zur Befreiung des Landes war ein Desaster. Der jüngste Überraschungsangriff in der Region Kursk gleicht einem Himmelfahrtskommando. Dafür zermürben die Russen die ukrainischen Verteidigungslinien im Donbass immer stärker. Putin hat die Oberhand.

3. Auch die Annahme des Westens ist falsch, Russland würden Soldaten und Waffen ausgehen und es habe nur veraltetes Gerät im Einsatz. Die Realität: Russland hat über 600 000 Mann an der Front – mehr als dreimal so viel wie zu Beginn des Überfalls auf die Ukraine im Februar 2022. Zudem verfügt Putins Armee über ein riesiges Arsenal, auch an Hightech-Waffen. Dafür gehen der Ukraine angesichts hoher Verluste die Soldaten aus. Ohne westliche Hilfen wäre das Land längst am Ende. Doch in der EU und in den USA wächst der Widerstand gegen weitere Milliarden-Ausgaben.

4. Ebenso trügerisch ist die Hoffnung gewesen, Putin könnte gestürzt werden. Es gab einen kurzen Aufstand eines Söldnerchefs. Doch je länger der Stellvertreter-Krieg mit der Nato geht, desto geschlossener erscheinen die Reihen hinter dem Kreml-Herrscher, der zudem über ein rabiates Überwachungssystem verfügt.

5. Somit droht der Nato nach Afghanistan in der Ukraine die nächste Katastrophe. Je länger der Westen diese brutale Wirklichkeit ignoriert, desto höher wird der Preis sein, den die Ukraine am Ende bezahlen wird. Verhandlungen mit Putin sind alternativlos. Ohne Kompromisse wird es keinen Frieden geben.

Ist Selenskyj dafür der richtige Mann? Derzeit deutet nichts darauf hin. 

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