Aurich  Polizist wegen heimlich aufgenommener Sex-Videos und Bestechung vor Gericht

Ole Rosenbohm
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Von Ole Rosenbohm
| 08.09.2024 18:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein inzwischen suspendierter Polizist soll gegen Geld Informationen über Verdächtige preisgegeben haben. Foto: dpa/David-Wolfgang Ebener
Ein inzwischen suspendierter Polizist soll gegen Geld Informationen über Verdächtige preisgegeben haben. Foto: dpa/David-Wolfgang Ebener
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Ein Polizist soll Informationen zu Verdächtigen an zwei Männer aus Niedersachsen weitergegeben haben. Auch um Dutzende heimlich aufgenommene Sex-Videos geht es im Prozess.

Vor dem Landgericht Aurich hat am Freitag ein Prozess gegen einen nur formell noch im Dienst befindlichen Polizeikommissar begonnen. Vorgeworfen werden dem 30-jährigen Auricher 26 Straftaten – heimlich aufgenommene Sex-Videos sowie Verletzungen des Dienstgeheimnisses und Bestechlichkeit. Die letztgenannten Vorwürfe betreffen auch zwei Brüder aus Ganderkesee und Aurich, 29 und 32 alt. Diese müssen sich im Prozess wegen Bestechung verantworten.

Den Brüdern soll der Polizist Inhalte aus dem internen Polizeisystem über einen ebenfalls mitangeklagten 39-jährigen Wilhelmshavener verraten haben. Dieser 39-Jährige wollte laut Anklage wissen, ob er gefahrlos in die Türkei fliegen könne oder ob gegen ihn ein Untersuchungshaftbefehl wegen Drogenhandels vorläge. Der Polizist gab diese Info heraus: Offenbar war die Reise möglich – ein Haftbefehl habe nicht vorgelegen.

Wenig später sollen die beiden Brüder den seit Ermittlungsbeginn suspendierten Polizisten nach dem Status eines anderen möglichen Straftäters gefragt haben – ein sich auf der Flucht befindliches Mitglied des Rockerclubs Bandidos, der informiert werden wollte, ob er einen Flug von der Türkei in die Niederlande wagen könne. Gegen diesen Mann lagen zum damaligen Zeitpunkt zwei nationale Haftbefehle sowie eine Aufenthaltsermittlung für den Schengen-Raum vor. Für 200 Euro soll der Polizist auch dies weitergegeben haben.

Die Vorwürfe gegen den in diesem Prozess hauptangeklagten Polizisten sind aber viel umfangreicher. Vor allem während seiner Ausbildung an der Polizei-Akademie in Oldenburg soll er bei Treffen mit sieben unterschiedlichen Frauen ohne deren Zustimmung Videos von gemeinsamen sexuellen Handlungen gemacht haben – 33 Filme mit viereinhalb Stunden Gesamtlänge. Einige der Filme, in denen er auffallend oft in Polizeiuniform zu sehen sein soll, habe er sogar weitergeleitet. 20 Fälle der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch die Aufnahmen kamen zur Anklage. Die Geschädigten ahnten von nichts, sagte ein Ermittler aus. Allesamt seien sie höchst schockiert gewesen, als sie über die Taten informiert worden waren.

Eine Geschädigte war zur Tatzeit erst 17 Jahre alt, weswegen dem Angeklagten auch Herstellung und Besitz von Jugendpornografie vorgeworfen wird. Weil er mit hämischem Kommentar auch ein (nicht von ihm gemachtes) Kinderporno-Video verschickt haben soll, muss er sich auch wegen des Verbreitens von Kinderpornografie verantworten. Zudem angeklagt ist eine Tat während seines Dienstes, bei der er mit einem Kollegen einen offensichtlich hilflosen Mann in der Gewahrsamszelle beleidigt, verhöhnt sowie ihn durch die Luke der Zellentür gefilmt haben soll.

In einer knappen Einlassung hat der 30-Jährige die Taten zu den Videos zugegeben, zur Kinderpornografie und Bestechlichkeit – den Taten mit den wohl höchsten Straferwartungen – aber nichts gesagt. Er werde sich noch ausführlicher äußern, sagte sein Verteidiger.

Die drei Mitangeklagten ließen sich nicht ein. Auch nicht der Ganderkeseer, ein ehemaliger Jura-Student, der offenbar wegen der Vorwürfe sein Studium unter- oder abbrechen musste. Insgesamt sind fünf Verhandlungstage angesetzt.

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