Betriebsbedingte Kündigungen Entlassungen bei Doepke Schaltanlagen in Norden
Doepke Schaltanlagen in Norden baut Personal ab. Geschäftsführer Andreas Müller und Betriebsrat informieren über Entlassungen und nicht verlängerte Verträge.
Norden - Jahrelang standen bei Doepke Schaltanlagen in Norden die Zeichen auf Wachstum: Neue Gebäude wurden gebaut, immer mehr Mitarbeiter wurden eingestellt, es wurde expandiert. Doch das ist nun offenbar vorbei. In einer Information an die Mitarbeiter, die unserer Redaktion vorliegt, informierte Geschäftsführer Andreas Müller gemeinsam mit Betriebsrat Stefan Davids die Belegschaft über Verhandlungen zum Personalabbau zwischen der Geschäftsführung und dem Betriebsrat. Nach Informationen dieser Zeitung sollen viele Verträge nicht verlängert und bereits 50 Mitarbeiter der Stammmannschaft entlassen worden sein. Eine Anfrage der Redaktion ließ Andreas Müller unbeantwortet.
In dem Schreiben heißt es: Beide Parteien hätten sich nach langen Verhandlungen auf einen Interessensausgleich mit Namensliste und Sozialplan einigen können. Mit den betroffenen Mitarbeitern werde kurzfristig gesprochen und die betriebsbedingte ordentliche Kündigung ausgehändigt. Die Freistellungen würden zeitnah beendet. „Dieser Entschluss war für uns alle sehr schwer und wir haben uns die Durchführung nicht leicht gemacht“, heißt es von Geschäftsführung und Betriebsrat.
Medienberichten zufolge sei Stellenabbau „nicht verwunderlich“
In anderen Medienberichten nennt Müller den aktuellen Stellenabbau „weder verwunderlich noch dramatisch“. Von Massenentlassungen könne in diesem Zusammenhang aber nicht die Rede sein. Seit 2018 hat sich das Unternehmen personell nahezu verdoppelt. Dass ein Wachstum in dieser Größenordnung nicht ewig so weitergehen würde, sei ihm klar gewesen, wird Müller zitiert. In dem Bericht gibt der Geschäftsführer außerdem zu, dass es „natürlich hart“ sei, „dass wir nicht alle Mitarbeitenden behalten können“. Demnach liefen befristete Verträge aus, einige Azubis seien nicht übernommen worden. Außerdem würden manche Mitarbeiter in andere Bereiche der Elektrobranche wechseln – und zwar in solche, die laut Müller von der Krise der Bauwirtschaft weniger betroffen seien, wie etwa die Windkraft.
Doepke Schaltgeräte
Die Firma Doepke Schaltgeräte gehört heute zu den globalen Playern. Angefangen hat alles im Jahre 1956 mit FI-Schaltern. Kaufmann Franz Doepke und Techniker August-Wilhelm Engels haben das Unternehmen in Norden gegründet. Mit ihren anfänglich sieben Mitarbeitern leistete die Firma Pionierarbeit in der Fehlerstromschutztechnik, indem sie erste Fehlerstromschutzschalter, kurz FI-Schalter, entwickelte, produzierte und verkaufte. Im Jahr 2018 hat sich das Unternehmen neu aufgestellt und das Produktportfolio erweitert. Mit den rund 5000 Doepke-Produkten wurde die Firma unter anderem auch für den nordamerikanischen Markt interessanter. Andreas Müller ist seit 2009 Geschäftsführer von Doepke Schaltgeräte. Die Firma hat neben ihrem Hauptsitz im Gewerbepark Leegemoor in Norden drei weitere Standorte: in Bickenriede (Thüringen), in Daventry (Großbritannien) und in Sharjah (Vereinigte Arabische Emirate). Der Jahresumsatz betrug im Jahr 2022 73,5 Millionen Euro. Damals beschäftigte das Unternehmen rund 400 Mitarbeiter.
Das Problem für die Elektronikfirma, die mit Gebäudetechnik zu tun hat: Die Baubranche steckt in der Krise. Damit sinkt auch die Nachfrage der Elektroinstallationen. „Seit über einem Jahr blieben die Absatzzahlen der deutschen Elektro- und Digitalindustrie weit hinter den Erwartungen zurück“, wird Müller dazu zitiert. Auch Investitionen stünden auf dem Prüfstand. Zwar werde der beginnende Hallenbau noch zu Ende geführt, weitere Ausgaben müssten allerdings hinterfragt werden.
Wie Müller in dem Zeitungsbericht betonte, seien Investitionen aber nicht grundsätzlich gestoppt – da, wo sie benötigt werden. So seien der Branche Produkte für die Absicherung von Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen und Elektromobilität vorgestellt worden. Diese seien auf großes Interesse gestoßen.