Fischer in Ostfriesland  Aufatmen an der Küste – wieder mehr Krabben gefangen

| | 11.09.2024 08:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Krabbenkutter ist auf der Nordsee unterwegs. Foto: Schuldt/DPA
Ein Krabbenkutter ist auf der Nordsee unterwegs. Foto: Schuldt/DPA
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In diesem Jahr sind Nordseekrabben teuer und selten geworden. Nachdem die Fischer aber wieder mehr fangen, dürften auch die Preise sinken.

Greetsiel/Oldenburg - Nachdem es im Frühjahr und Sommer kaum Krabben und entsprechend hohe Verbraucherpreise gegeben hat, rechnen Experten mit einer baldigen Kehrtwende. Vor allem in den Niederlanden, aber auch vor der niedersächsischen Küste hätten im August die Krabbenfänge wieder zugenommen, sagte Philipp Oberdörffer, Fischereiexperte bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg. Die Erzeugerpreise seien bereits deutlich gefallen. „Vor ein paar Monaten haben Fischer für ein Kilogramm Krabben mit Schale noch zehn Euro bekommen, zurzeit sind es fünf Euro“, sagte Oberdörffer.

„Die Fänge sind etwas besser geworden“, bestätigte Gerold Conradi, zweiter Vorsitzender des Landesfischereiverbands Weser-Ems und Sprecher der Greetsieler Fischer, im Gespräch mit unserer Redaktion. Ein Grund zum Jubeln sei das allerdings noch nicht. Schwierig sei es weiterhin bei den Fanggebieten vor den ostfriesischen Inseln, besser sei es hingegen weiter westlich Richtung der Niederlande und auf Höhe der Emsmündung. „Die Fangmengen liegen derzeit am unteren Ende des langjährigen Durchschnitts. Die Fischer hoffen jetzt auf September und Oktober.“ Gefischt werde dann noch bis in den Dezember hinein. Conradi geht davon aus, dass auch die Preise für Restaurants und andere Verbraucher wieder sinken, nachdem das, was die Fischer für Ihren Fang bekommen, innerhalb der vergangenen drei Monate halbiert habe.

Krabben mit Schale wieder günstiger zu haben

Die Verbraucher können daher wieder aufatmen, zumindest wenn sie selber pulen. Im Fischhaus Ditzum etwa sind die Preise für ein Kilo Krabben mit Schale bereits 16 auf 14 Euro zurückgegangen, wie Inhaber Stefan Burlager berichtet. Lange seien diese gar nicht verfügbar gewesen und wenn, dann zu Preisen, die gegenüber den Kunden nicht mehr vertretbar gewesen wären. Noch nicht verändert habe sich der Preis für Krabbenfleisch.

Die Preise für Krabbenbrötchen dürften wieder sinken. Foto: Brandt/dpa
Die Preise für Krabbenbrötchen dürften wieder sinken. Foto: Brandt/dpa

Auch mit Blick auf das angeschlossene Restaurant atmet Burlager hörbar auf. „Ein Fischhaus Ditzum ohne Krabben kann ich mir nicht vorstellen. Aber die Küche hat sich in den vergangenen Monaten schon schwergetan, anständige Preise zu kalkulieren.“ Auch bei den Krabbenbrötchen entlaste der gesunkene Preis. „Mehr als 7,50 Euro haben wir selbst nie verlangt“, betont er. Von ganz anderen Preisen habe er aber auch gehört. In der Spitze kosteten diese an der Küste bis zu 15 Euro. Andere Restaurants im Norden haben aufgrund der hohen Preise komplett auf Krabben verzichtet.

Demnächst wieder Krabben im Discounter?

Der Fischereiexperte der Landwirtschaftskammer schätzt, dass es bei bereits gepulten Krabben noch ein wenig dauern könnte, bis die niedrigeren Preise auch beim Verbraucher ankommen. „Jetzt muss das Fleisch erst mal geschält werden“, begründet er dies. Die Nordsee-Krabben werden hauptsächlich in Marokko verarbeitet. Sobald mehr Ware angeboten werden könne, werden seiner Überzeugung nach auch die Discounter wieder Krabben anbieten. Diese hatten die Schalentiere aus dem Sortiment genommen, „weil die Menge gar nicht da war“.

Im Vergleich zu Niedersachsen seien die Fänge vor der schleswig-holsteinischen Küste im August deutlich geringer ausgefallen. „Das haben wir so auch schon im letzten Jahr beobachtet. Da haben September und Oktober den Fischern in Schleswig-Holstein die Saison gerettet“, sagte Oberdörffer. 2023 hatten die deutschen Krabbenfischer knapp 6000 Tonnen angelandet. In den Jahren 2000 bis 2015 im Durchschnitt waren es rund doppelt so viel.

Mit Material von DPA

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