Osnabrück „Tatort: Deine Mutter“ – Krassnitzer und Neuhauser eröffnen neue Tatort-Saison
Im neuen Wiener „Tatort: Deine Mutter“ ermitteln Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser unter Rappern und schließen das Sommerloch der Sonntagskrimis.
Rapper Ted Candy (Aleksandar Simonovski aka Yugo aka Jugo Ürdens) hat es geschafft. Dank seines früheren Förderers und jetzigen Kontrahenten Akman 47 (Murat Seven) kann er prächtig von seiner Musik leben. Jetzt steht er ziemlich zugedröhnt auf der Bühne und überzieht Akman mit den üblichen Kraftausdrücken, die bei einem Beef, einem handfesten Streit unter Rappern, einfach dazu gehören. Alles nur Show?
Tags darauf wird Ted erschlagen in einer Tiefgarage aufgefunden. War das etwa doch mehr als nur ein in der Szene üblicher Beef, mit dem die Kontrahenten Aufmerksamkeit generieren wollten? Oberstleutnant Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und seine Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) tauchen ein in eine für sei komplett fremde Welt und Szene aus Hass, Wut und Musik, die sie nicht verstehen.
Dabei entwickeln sie eine Mischung aus faszinierter Neugierde und purer Ablehnung gegen die Szene. Eisner kommt irgendwann zu dem Schluss, dass Rapper „alles Spießer“ seien, wegen des Frauenbildes und der offen ausgelebten Abneigung gegen Homosexuelle. Aber nicht nur da setzen erste Verdachtspunkte an.
Im Mittelpunkt steht Teds titelgebende Mutter Adriane (Ex-„Tatort“-Darstellerin Edita Malovčić). Eine durch und durch tragische Figur, die ein bitteres Geheimnis mit sich herumträgt. Ihr Sohn ermöglicht ihr zwar ein sorgenfreies Leben und hat ihr gerade erst eine neue Wohnung gekauft. Aber innerlich ist sie vollkommen gebrochen, betäubt von Alkohol und Drogen.
Dieser erste neue „Tatort: Deine Mutter“ nach der Sommerpause klingt gewagt. Ein alterndes Ermittlerduo zwischen rotzigen Gangster-Rappern, die alle auf der Jagd nach schnellem Ruhm und noch schnellerem Reichtum sind, diese Konstellation hätte schnell ins Auge gehen können. Zumal Krassnitzer und Neuhauser in einer Traumsequenz auch noch dazu genötigt werden, zu rappen.
Aber keine Angst. Die ganze Sache ist gerade noch einmal gut gegangen. Was insbesondere der gelungenen Inszenierung von Regisseurin Mirjam Unger nach dem Drehbuch von Franziska Pflaum und Samuel Deisenberger zu verdanken ist, die sich in der Szene auskennt.
„Wir konnten uns auf die Regisseurin Mirjam Unger verlassen, die sich als frühere Musikjournalistin sehr gut in der Szene auskennt und eine große Affinität zum Hip-Hop hat“, lobt Bibi-Darstellerin Neuhauser die Dreharbeiten. Und für Regisseurin Unger „war es vor allem wichtig, dass die Rap-Einlage so unpeinlich wie möglich rüberkommt“, wie sie in einem ARD-Presseinterview betont.
Das größte Lob kommt aber von Ted-Darsteller Simonovski aka Yugo, der im Hintergrund auch beratend für die Dreharbeiten tätig war. Das Bild, das dieser Wiener „Tatort“ von der Rap- und Hip-Hop-Szene vermittele, sei „absolut stimmig“. Ganz nebenbei überzeugt er in seiner kurzen Rolle mit seinem Debüt als Schauspieler.
Trotz leichter Schwächen in der Dramaturgie („Wo waren Sie zwischen ...“) markiert „Deine Mutter“ einen gelungenen Einstieg in die neue Saison der ARD-Sonntagskrimis. In den kommenden Wochen geht es dann munter bis heftig weiter. Wobei auch mehrere Abschiede zu verzeichnen sein werden. Schon am letzten Sonntag im September geben sich Margarita Broich und Wolfram Koch im „Tatort: Es grünt so grün, wenn Frankfurts Berge blüh‘n“ mit tatkräftiger Unterstützung von Matthias Brand zum letzten Mal die Ehre.
Und nur eine Woche später verlässt Dagmar Manzel das „Tatort“-Team aus Franken. Die vorerst größte Aufmerksamkeit dürfte dann aber dem neuen Fall mit Ulrich Tukur am 20. Oktober (geplant) zuteil werden. Die Episode „Murot und das 1000-jährige Reich“ bietet wieder reichlich Zündstoff, um für Kontroversen innerhalb der treuen „Tatort“-Fangemeinde zu sorgen.
„Tatort: Deine Mutter“. Das Erste, Sonntag, 15. September, 20.15 Uhr. Anschließend in der ARD Mediathek.