Palma de Mallorca Mit E-Auto auf Mallorca: Au Backe!
Wie gut kommt man mit einem E-Auto auf Mallorca zurecht? Ein Selbstversuch zeigt: Was zunächst vielversprechend wirkt, wird schnell zur Herausforderung. Denn wo bitte ist hier die nächste freie Ladesäule?
„Sind Sie sicher, dass Sie wirklich ein E-Auto haben wollen?“, fragt der Mitarbeiter des Autovermieters Goldcar am Flughafen von Mallorca leicht irritiert.
Ja klar. Auf der Karten-App waren jede Menge Ladepunkte auf der ganzen Insel eingetragen. In Deutschland kann man fast an jeder Stromtankstelle sein E-Auto mit Lade- oder Kreditkarte aufladen. Auch wenn‘s auf Malle noch nicht ganz so einfach sein sollte: Im Urlaub kommt es ja auch nicht auf jede Minute an.
Außerdem waren wir neugierig: E-Autos gelten als größte Chance auf individuelle Mobilität in einer weitgehend CO₂-neutralen Welt. Um die Erderwärmung zu begrenzen, sind in der EU neue Diesel und Benziner ab 2035 verboten. Wenn das klappen soll mit den Batteriefahrzeugen für die Masse, dann sollte sich auch Spanien längst auf den Weg gemacht haben, um der Technik zum Durchbruch zu verhelfen.
Unverzagt steigen wir also in den elektrischen Opel Mokka mit 50-kWh-Akku und gut 300 Kilometern Reichweite. Für die ersten Tage sollte das ja reichen.
Als der Akku nach ein paar Tagen zur Neige geht, wird die Ladesäulen-Lage gecheckt. Nur acht Kilometer von der Finca entfernt, an einer Tankstelle in Cala d‘Or, steht angeblich ein Schnelllader. Den schnappt zwar ein anderer Tourist weg, aber wir können den zweiten Stecker für mäßig schnelles Laden nutzen. Die Kreditkarte akzeptiert der Ladepunkt nicht. Die App des Anbieters haben wir nicht. Aber eine Tankstellenmitarbeiterin aktiviert nach mehrmaligen Versuchen für uns die Säule.
Bei der Rückkehr nach einer Stunde müssen wir nur einen Euro für die Ladung bezahlen. Die junge Dame erklärt das mit dem zur Mittagszeit dank der starken Sonne krass billigen Strom. Das wäre schön, stimmt nur leider nicht. Der Ladevorgang war schon nach wenigen Sekunden wieder abgebrochen worden.
Zurück am Pool graben wir uns tiefer in die Materie ein. Beim Autovermieter hatten sie uns das Melib-Netz empfohlen: In jeder Kommune stehen etwas in die Jahre gekommene und langsame Ladestationen, das Stromtanken ist dort kostenlos. Eine super Sache, leider nur für Einheimische. Denn mit deutscher Mobilfunknummer kann man sich nicht registrieren – und das dicht geknüpfte Melib-Netz nicht nutzen. Und auf die Idee, ihren Kunden eine Melib-Ladekarte in die Hand zu drücken, sind die Autovermieter bislang nicht gekommen.
Die weitere Pool-Recherche ergibt: Zwar stehen entlang der Autobahnen, in Palma und einigen größeren Städten und Tourismus-Zentren ein paar Schnelllader. Allerdings von ganz verschiedenen Anbietern, und jeder hat eine eigene App. Es gibt zwar auch Sammel-Apps für verschiedene Ladesäulenbetreiber in ganz Europa, etwa Electromaps. Aber welche auch immer man installiert: Kaum eine Stromtankstelle auf Mallorca kann man damit unkompliziert nutzen.
Also laden wir wird die App EVCharge für „unseren“ Schnelllader in Cala d‘Or runter. Darauf können wir sehen, dass der CCS-Stecker für zügiges Laden dort fast immer belegt ist.
Allmählich stehen uns die Haare zu Berge.
Wenn‘s vollgeladen ist, ist so ein E-Auto für Mallorca und Tourismusregionen generell ganz famos. Sehr leise, sehr entspannt zu fahren, kein Gestank, keine Emissionen. Und in den engen Gassen der hübschen Küstenorte sind recht viele Batteriefahrzeuge unterwegs. Anwohner wissen die Technik zu schätzen und nutzen „ihre“ Melib-Ladesäulen rege. Bei den Autovermietern sind E-Autos aber Mangelware, und die Parkplätze der Strände sind mit Autos mit Benzin- und Dieselmotor zugeparkt.
Weil wir auch gerne ans Meer und wieder zurückwollen, ohne mit leerem Akku zu stranden, nutzen wir das Fenster der Gelegenheit, in dem „unser“ Schnelllader frei ist, und düsen nach Cala d‘Or. Tatsächlich ist der Stecker frei, nur: Der Parkplatz davor ist belegt, mit einem E-Auto, das nicht lädt. Stellen wir uns halt in zweiter Reihe davor, müssen die anderen Autos halt ein bisschen rangieren, aber wir wollen jetzt echt Strom tanken.
Dank passender App gelingt es auch, die Säule zu aktivieren. Um 17.58 fließt, Halleluja, endlich der Strom. Und dass der Vorgang weiterläuft, kann beim Warten im nahegelegenen Café per App verfolgt werden. Für 40 kWh, fast bis zur Vollladung, dauert‘s allerdings 75 Minuten. Aber wir sind ja im Urlaub und haben‘s nicht eilig.
Angeblich kann man auch in vielen Parkhäusern in Palma Strom tanken. Nur wenn‘s am Ende nicht klappt, steht man schön da mit seinem fast leer gefahrenen E-Auto. Und drauf ankommen lassen wollen wir es lieber nicht.
Den Versuch, über eine App für verschiedene Anbieter einen Schnellladepunkt nahe des berühmten Strandes Es Trenc anzusteuern, verwerfen wir ebenfalls: Das Risiko, das Ding könnte besetzt und damit für eine Stunde oder länger blockiert sein und dann bei knapp 40 Grad in der Blechbüchse zu schmoren, das ist uns zu hoch.
Für eine lange Überlandfahrt durch den bergigen Westen der Insel wird lieber der alte Audi-Benziner einer befreundeten Familie genutzt. So ist das halt. In Sachen E-Mobilität haben wir unser Bestes gegeben.
Es hilft nichts: Für die Rückfahrt zum Flughafen müssen wir nochmal an die Säule – und kommen gerade rechtzeitig. Kaum sitzt der Stecker, kaum fließt der Strom, da kommt ein Franzose mit seinem schicken E-Mercedes angefahren. „Wie lange brauchen Sie noch?“, fragt der – ja, was auch sonst?
Der geduldige Rentner ist schon seit Jahren jeden Sommer elektrisch auf Mallorca unterwegs. Nach der ersten E-Auto-Euphorie sei auf der Insel der Ausbau der Ladeinfrastruktur erlahmt, berichtet er. Er hat sich damit eingerichtet, nimmt den Nervenkitzel auf Mallorca in Kauf. Zu Hause in Paris, da seien sie schon viel weiter, da gebe es längst ausreichend moderne Schnellladepunkte. „Ich glaube, dass auch die Spanier noch die Kurve kriegen“, meint er zum Abschluss.
Ob wir bei einem nächsten Mallorca-Urlaub noch mal ein E-Auto mieten? Mal schauen.