Diskussion um Event  Wie geht es weiter mit den Beach Days Borkum?

| | 24.09.2024 06:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
In diesem Jahr rockten Silbermond die Beach-Days-Bühne. Foto: Ferber
In diesem Jahr rockten Silbermond die Beach-Days-Bühne. Foto: Ferber
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Der Tourismusausschuss hat sich mit Perspektiven für die Beach Days beschäftigt. Die Veranstaltung sorgt für ein großes Defizit. Daher soll es im nächsten Jahr Änderungen geben. Das ist geplant.

Borkum - Auf der einen Seite eine Leuchtturmveranstaltung mit großer Strahlkraft, auf der anderen Seite ein Defizit von rund 300.000 Euro: Vor diesem Hintergrund hat sich Borkums Tourismusausschuss in seiner jüngsten Sitzung mit Perspektiven für die Beach Days befasst. Sind die „Strandtage“ bald gezählt?

Welche Bedeutung haben die Beach Days?

Um die Relevanz der Beach Days zu unterstreichen, hat die Nordseeheilbad Borkum GmbH (NBG) Zahlen zusammengetragen. Demnach tummelten sich etwa 14.000 Besucher an allen vier Tagen auf dem Gelände und es liefen über 180 Radiospots auf Antenne Niedersachsen und Radio Nordseewelle. Dazu kämen mehr als 4,2 Millionen potenzielle Leser im Printbereich, über 500.000 Views in den sozialen Medien und 30.000 Zuschauer im Livestream. Konzertkarten seien bereits seit Ende März ausverkauft gewesen und es gebe erhöhte Gästeanfragen speziell zu den Beach Days. Zudem steige die Sponsoring-Bereitschaft (über 60.000 Euro lokales Sponsoring, laut NBG eine Verdopplung zu 2023).

Das Beach-Days-Konzert war auch in diesem Jahr ausverkauft. Foto: Ferber
Das Beach-Days-Konzert war auch in diesem Jahr ausverkauft. Foto: Ferber

Warum gibt es ein Defizit?

Dass die Beach Days in ihrer derzeitigen Form dennoch ein Defizit produzieren, hat laut Thorben Stalke, Veranstaltungsleiter bei der NBG, mehrere Gründe. Denn anders als in einem Hit des diesjährigen Hauptacts Silbermond besungen, braucht es für das Event weitaus mehr als „leichtes Gepäck“. Bühne, Tribünen, die Veranstaltungstechnik, der gesamte Transport per Fähre verursachen hohe Kosten. Dazu komme das Personal, so Stalke, also Sicherheitsdienst, Helfende etc.. Die Gage der Künstler indes bekomme man durch Ticketeinnahmen wieder rein.

Was ist für die künftigen Beach Days geplant?

Seitens der NBG ist vorgesehen, mit dem Aufbau wie in diesem Jahr auch künftig an der Promenade zu beginnen. Dort sei man weitestgehend sturmflutsicher; zudem gebe es eine Zeitersparnis und Vorteile beim Material-Transport durch kürzere Wege. Durch eine bessere Anbindung an die Promenade erhöhe sich überdies der Publikumsverkehr. Apropos Publikum: Geplant ist eine Vergrößerung der Zuschauer-Kapazität beim Konzert von aktuell 2.500 auf 3.100 Personen 2025 und von 3.100 auf 3500 Personen 2026 – wobei entsprechende Genehmigungen noch einzuholen sind. Des Weiteren soll ein Stehplatz künftig 65 statt wie bisher 55 Euro und ein Sitzplatz 75 statt wie bisher 65 Euro kosten. Und für die Silent Disco für Kinder sollen im nächsten Jahr fünf statt wie bisher drei Euro zu bezahlen sein.

Hauptact in diesem Jahr: Silbermond. Foto: Ferber
Hauptact in diesem Jahr: Silbermond. Foto: Ferber

Auch beim Programm sind Änderungen geplant. So soll der Donnerstag als Veranstaltungstag entfallen – die Silent Disco wird auf Sonntagabend verschoben – und stattdessen als weiterer Aufbautag genutzt werden. Start ist demnach am Freitag mit der Eröffnung des Eventdorfs, Beachvolleyball und wie bisher dem Konzert am Abend. Bei der NBG sieht man insgesamt verbesserte Einnahmemöglichkeiten für die Gastronomie und Verkaufsstände durch drei ganze Tage samt Gästewechsel. Als weitere Option für die Zukunft könnte es montagabends einen zweiten größeren Programmpunkt geben. Die NBG nennt als Beispiele einen Comedy-Act, ein Konzert mit anderer Musikrichtung oder ein Kinder-/Familienkonzert. Generell sei der Planungsstand vorläufig, Gespräche mit Behörden und Gewerken stünden noch aus.

Welche Meinungen gab es im Ausschuss?

Melanie Helms (SPD) sprach sich klar für einen Erhalt der Beach Days aus. Diese seien wichtig für die Insel, vor allem „wenn man sieht, wie schnell die Karten dieses Jahr ausverkauft waren, wie viel Interesse es gibt, wie viel das in den sozialen Medien geteilt wird“. Sie warnte davor, das Ganze jetzt zu stoppen.

Für ihn seien die Beach Days ein „wirklich gelungenes Format, von vorne bis hinten“, ergänzte Olaf Look (SPD). Er plädierte aber mit Blick auf Kosten und Zeitaufwand für Auf- und Abbau für (nur) vier Tage Event dafür, die Beach Days zu vergrößern, zu verlängern. „Meine Meinung ist: Wir denken zu klein.“

Auch er halte die Beach Days für eine gute Veranstaltung, bekräftigte Christoph Michaelsen (Borkums freie Liste). Aber: „Wenn wir das weiterführen wollen, müssen wir die Ausgaben- und Einnahmeseite unbedingt verbessern.“ Fraktionskollege Peter de Buhr sah es ähnlich: „Wir müssen gucken, was wir uns leisten können, nicht wollen.“ Und de Buhr stellte für die BfL klar: „Egal, was wir uns wünschen, wäre das Endergebnis dann, dass wir über eine Erhöhung des Kurbeitrages reden, sind wir nicht dabei.“

Auch ältere Zuschauerinnen haben Spaß beim Beach-Days-Konzert. Foto: Ferber
Auch ältere Zuschauerinnen haben Spaß beim Beach-Days-Konzert. Foto: Ferber

Eldert Sleeboom (Grüne/CDU) berichtete, er habe bei den Beach Days 2024 „nur strahlende Gesichter gesehen und der Werbefaktor ist unbezahlbar“. Er sei auch dafür, die Beach Days zu behalten und wenn möglich zu verlängern, „aber es muss alles in einem Kosten-Nutzen-Verhältnis stehen“. Zudem brachte Sleeboom die Idee ins Spiel, bei einem erweiterten Programm zum Beispiel das Borkum-Musical „Up de Walvis“ aufzuführen oder einen Tag der Chöre zu initiieren. Bezüglich des „Up de Walvis“-Vorschlags gab es prompt eine Absage aus dem Publikum von Thorben Stalke. Das Musical sei eine tolle Veranstaltung, für die aber zwei Wochen lang die Kulturinsel umgebaut werde. „Auf dem Strand kriegen wir das nicht dargestellt.“

Für ihn seien die Beach Days eine Herzensangelegenheit, sagte der Ausschussvorsitzende Björn Leidheiser (CDU/Grüne), wenngleich es das Defizit zu reduzieren gelte. Er sprach sich dafür aus, auf eine andere defizitäre Veranstaltung – den Windsurfcup – zu verzichten. Tourismusdirektorin Pia Hosemann bekräftigte, seitens der NBG halte man die Beach Days für ein gut gelungenes Produkt, „das sich definitiv noch ändern, was noch wachsen kann“. Das Defizit zu minimieren, gehe über Wachstum und Bekanntheit.

Was hat der Ausschuss beschlossen?

Mit einstimmigem Beschluss hat sich der Tourismusausschuss hinter die von der NBG vorgelegten Pläne für die Beach Days 2025 gestellt – inklusive des Versuchs, die Kosten zu reduzieren. Zudem soll im Verkehrsausschuss der Antrag gestellt werden, dass für die Beach Days die Beschränkung auf zwölf Tonnen für die Bewegung von Gütern ausgesetzt wird. „Dann könnte man mit einem 40-Tonner direkt von der Reede zum Oppermannspad fahren und würde viel kostengünstiger und schneller die Güter transportieren. Jetzt wird alles auf der Reede umgeschlagen und das kostet immens Zeit“, argumentierte Olaf Look, der den Vorschlag einbrachte.

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