Hamburg  Behandlungsfehler: In diesen Fachgebieten passieren die meisten in Deutschland

Sophie Wehmeyer
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Von Sophie Wehmeyer
| 25.09.2024 13:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Schmerzliche Bilanz: Medizinische Behandlungsfehler sind in Deutschland keine Seltenheit. Foto: IMAGO/Pond5 Images
Schmerzliche Bilanz: Medizinische Behandlungsfehler sind in Deutschland keine Seltenheit. Foto: IMAGO/Pond5 Images
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In Deutschlands Kliniken und Arztpraxen enden jährlich Tausende Behandlungen in einem Albtraum für die Patienten. Manche medizinischen Fachgebiete sind besonders betroffen, wie eine Grafik zeigt.

Ein Missgeschick während der Operation, die falsche Medikation oder schlimmer – Behandlungsfehler sind alltäglich; doch die Opfer bleiben oft im Dunkeln. Schwere medizinische Fehler, die das Leben der Betroffenen drastisch verändern können, sind in Deutschlands Gesundheitssystem an der Tagesordnung.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO meldet weltweit jährlich Millionen Fälle, in denen Patienten durch medizinische Behandlungen zu Schaden kommen. Auch in Deutschland sind Behandlungsfehler weit verbreitet, dennoch gibt es keine verpflichtende Fehlermeldung, wie es in anderen europäischen Ländern der Fall ist, teilt Statista mit.

Eine Statistik von Statista, die sich auf Daten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) bezieht, zeigt, wie ernst die Lage in den verschiedenen medizinischen Fachgebieten ist und wie hoch dort jeweils die Fehlerquote ist.

Die offiziell gemeldeten Zahlen spiegeln die Realität nur in Bruchteilen wider, dennoch zeigen die Daten, dass die Pflege das risikoreichste Gebiet zu sein scheint. In der Grafik wird unterschieden zwischen gemeldeten Fällen (orange) und wirklich nachgewiesenen Fehlern (rot).

Nachgewiesene Behandlungsfehler in der Pflege machen knapp 67 Prozent der bestätigten 726 Fälle aus. Fehler in diesem Bereich sind jedoch oft leichter nachzuweisen, wie das MDK mitteilt. Denn in der Pflege lässt sich einfacher nachvollziehen, um welche Fehler es sich handelt, als beispielsweise in komplexen chirurgischen Eingriffen.

In den Fachbereichen Unfallchirurgie und Orthopädie wurden 2023 hingegen 3.665 Behandlungsfehler gemeldet – mehr als fünfmal so viele Fehler, wie in der Pflege. Dennoch konnten nur in knapp 27 Prozent der Fälle klare Fehler aufgedeckt werden.

Hinter der Unfallchirurgie und Orthopädie folgen die Frauenheilkunde und Geburtshilfe mit 1119 Fällen im Ranking der meist gemeldeten Behandlungsfehler. Hier liegt die Quote der nachgewiesenen Fehler bei knapp 26 Prozent. Die Zahnmedizin folgt mit gut 100 Fällen weniger und einer erwiesenen Fehlerquote von etwa 30 Prozent.

Die Viszeralchirurgie, die sich mit operativen Behandlungen von Erkrankungen im Bauchraum befasst, liegt ähnlich wie die innere Medizin und die Allgemeinmedizin bei 500 bis 600 gemeldeten Fällen und einer nachgewiesenen Fehlerquote von durchschnittlich 26 Prozent.

Seit Einführung des Patientenrechtegesetzes 2013 sei die Zahl der Begutachtungen zwar gestiegen, dennoch gebe es keine repräsentative Erfassung der Fehler, denn die Beweispflicht liegt bei den Patienten, wie das MDK mitteilt. Freiwillige Meldungen verhindern somit eine flächendeckende Erfassung der Fehlerquote.

Eine weitere Auswertung, die das MDK offengelegt hat, zeigt außerdem, dass Frauen häufiger von Behandlungsfehlern betroffen sind als Männer. Diese Unterschiede von etwa zwei Prozent ließen sich jedoch damit erklären, dass Frauen auch im Fachbereich Geburtshilfe und Frauenheilkunde Fälle melden.

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