Schulleiterin über Elterntaxis Wie die Eichenwallschule in Leer für Sicherheit sorgen will
An den Grundschulen in Leer ist morgens viel Autoverkehr. Schulleiterin Xenia Bruns erklärt Lösungsansätze und Entwicklungen.
Leer - Morgens 7.40 Uhr vor der Eichenwallschule in Leer: Die erste Stunde für die Schüler beginnt in fünf Minuten. Rund 300 Kinder besuchen nach Angaben der Schulleiterin Xenia Bruns die Grundschule in Heisfelde. Entsprechend wuselig ist es kurz vor dem Klingeln. Einige Kinder werden von ihren Eltern zu Fuß zum Schulhof begleitet, andere kommen mit dem Fahrrad an. Nicht wenige werden mit dem Auto gebracht – nach einer aktuellen Studie der ADAC-Stiftung etwa jedes vierte Grundschulkind in Deutschland. Der Grund sei nicht etwa, dass die befragten Eltern den Schulweg für gefährlich hielten.
Vielmehr sei es praktisch, den Nachwuchs auf dem Weg zur Arbeit an der Schule abzusetzen, heißt es in der Studie. „Dass Elterntaxis auf eben diesem mehrheitlich als sicher eingestuften Schulweg unnötige Gefahren heraufbeschwören, ist jedoch die größte Kritik der Eltern, deren Kinder zur Schule gehen, rollern oder radeln“, schreibt die ADAC-Stiftung. Das hohe Verkehrsaufkommen an beispielsweise der Eichenwallschule ist keine Ausnahme: „Wir haben keine klassischen Hotspots im Stadtbereich, grundsätzlich ist das Aufkommen an den meisten Schulen vergleichbar“, erklärt Svenia Temmen, Hauptkommissarin und Pressesprecherin bei der Polizeiinspektion Leer/Emden. Wir haben mit Xenia Bruns von der Eichenwallschule darüber gesprochen, wie sie die Situation einschätzt und welche Lösungen es gibt.
Egoismus vor dem Schulhof
Gerade an der Eichenwallschule sei die Straße sehr eng, sagt Bruns. „Es ist ein Nadelöhr, insbesondere an der Kurve“, so die Schulleiterin. Da werde es morgens schnell mal wuselig. Außerdem hätten viele Elternteile keine andere Wahl, als die Kinder auf dem Weg zur Arbeit an der Schule mit dem Auto rauszulassen, wenn sie pünktlich sein wollen. „Besonders dann, wenn beide berufstätig sind. Heute ist es nicht mehr so, dass der Mann arbeiten geht und die Frau zu Hause bleiben kann. Das kann sich kaum noch jemand leisten“, erklärt Xenia Bruns.
Aber: Ihrer Ansicht nach habe sich die Situation mit den Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, deutlich verbessert. „Ich bin seit 20 Jahren an der Schule und seit 2021 Schulleiterin. Und in den vergangenen Jahren hat sich da sehr viel getan und ein Umdenken stattgefunden“, findet die 47-Jährige. Nicht nur, dass trotz Arbeit immer mehr mit Fahrrad oder zu Fuß kommen. Der Egoismus vor dem Schulhof sei zurückgegangen – und damit die gefährlichen Situationen.
Eltern engagieren sich für Sicherheit
Das liege nicht zuletzt an den Eltern selbst, sagt Schulleiterin Bruns. Zwar gab und gibt es auch von der Schule in Zusammenarbeit mit Polizei und Ordnungsamt Aktionen, die auf die Gefahren von Elterntaxis hinweisen. „Aber die Eltern haben auch selbst zum Beispiel mit Bannern darauf aufmerksam gemacht und viele angesprochen“, so Bruns. Morgens stelle sich die Schulleiterin selbst an die Straße, um dafür zu sorgen, dass die Schüler sicher ins Gebäude kämen. „Mit mir stehen da immer mehrere Elternteile, die sich abwechseln, und mit gucken“, sagt Bruns. „Ich kann von der Elternschaft nur schwärmen“, betont die Schulleiterin.
Doch auch die Zusammenarbeit mit der Polizei und dem Ordnungsamt lobt Bruns. „Die kommen von sich aus zu uns und haben auch ein Auge auf die Kinder, das klappt super“, sagt sie. Wie Hauptkommissarin Svenia Temmen bereits gegenüber dieser Zeitung erklärte, macht die Polizei im Stadtgebiet regelmäßig „Schulwegüberwachungen“.
Rücksichtnahme ist das Zauberwort
Außerdem gebe es inzwischen einen neuen Parkplatz für die Lehrkräfte am neuen Gebäude, in dem früher die Sparkasse war, erklärt Schulleiterin Bruns. „Dadurch haben die Eltern jetzt mehr Platz an der Albert-Schweißer Straße vor der Schule“, sagt sie. Zudem käme ein Großteil der Belegschaft selbst mit dem Fahrrad.
Die Schulleiterin findet: „Es wird immer so auf Elterntaxis geschimpft. Aber manchmal geht es nicht anders.“ Dass sich die Situation aus ihrer Sicht in den vergangenen Jahren stark verbessert habe, sei ein Zeichen, dass Aufklärung und Aktionen Früchte tragen. Mit Sportaktionen wie Fahrradprüfung oder Fußgängerdiplom wolle man beispielsweise die Kinder anspornen, selbst lieber auf diesem Wege zur Schule zu kommen. Und das scheint zu funktionieren, sagt Xenia Bruns. Ihr Appell: „Das Zauberwort ist Rücksichtnahme auf den Schulweg. Ich denke, da können wir alle viel tun.“