Osnabrück  Darum freue ich mich besonders auf diese Frankfurter Buchmesse

Dr. Stefan Lüddemann
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Von Dr. Stefan Lüddemann
| 28.09.2024 16:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Zentrales Debattenareal der Frankfurter Buchmesse: Der Frankfurt Pavilion. Foto: Zino Peterek/Frankfurter Buchmesse
Zentrales Debattenareal der Frankfurter Buchmesse: Der Frankfurt Pavilion. Foto: Zino Peterek/Frankfurter Buchmesse
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Die gleiche Prozedur, in jedem Jahr? Für die Frankfurter Buchmesse gilt das nicht. Die Ausgabe 2024 wird noch einmal anders werden. Gute Gründe für steigende Vorfreude.

„Und wo bleibt das Positive?“ Erich Kästner antwortete auf diese selbst gestellte Frage seinerzeit mit einem Gedicht. Ich möchte mir als Kolumnist herausnehmen, einfach einmal zu loben – fast ohne Vorbehalt. Und was? Die Frankfurter Buchmesse. Schön, dass der Ticketverkauf gut läuft, prima, dass sich der Geschäftsführer Juergen Boos darüber freut.

Ich freue mich auch, besonders auf die Formate, die in Frankfurt zwischen dem 16. und 20. Oktober 2024 zu erwarten sind und die zeigen, dass sich die Drehscheibe des Bücher-Business zu einem regelrechten Debattenforum entwickelt. „Frankfurt Calling“: Was nach einem bloßen Werbeslogan klingt könnte zu einer wirklichen Botschaft avancieren. Die Messe als Diskursplattform: Dieses Motiv wird 2024 konsequent ausgebaut. Gut so.

Die Buchbranche geht damit in die Offensive. Sie setzt Themen anstatt nur auf schlechte Nachrichten zum Thema Meinungsfreiheit zu reagieren. Wer initiativ den Diskurs führt, muss sich nicht in moralisierendes Lamento flüchten.

Was mich besonders freut: Die aktive Programmpolitik wird dazu beitragen, dass sich die Buchmesse nicht von provokanten Auftritten rechter Verlage vor sich hertreiben lassen muss. Die aktive Gesprächspolitik besetzt die diskursiven Räume, überlässt sie nicht den Feinden der Freiheit. Das gefällt mir richtig gut.

Ich freue ich schon jetzt auf die Debatten im Frankfurt Pavilion. Diese luzide Kapsel war als Nutzbau auf Zeit gedacht und ist längst zu mehr als einem Signet avanciert. Frankfurt Pavilion firmiert als perfektes Statement und damit als der beste Ort auf der ganzen Messe.

Ich freue mich schon jetzt auf die weiteren neuen Formate, auf das Areal für junge Leser. Da verschmerze ich gern das reichlich sperrige Motto „FBM24 is Read!ng – Read. Reflect. Relate“ und Claudia Roth als Eröffnungsrednerin. War wirklich nur die Kulturstaatsministerin für diese Position denkbar? Ich hätte mir eine überraschend andere, weil nachdenklichere Stimme gewünscht.

Es soll sogar Goethes „Italienische Reise“ als Escape Room geben. Ein anspielungsreiches Angebot, hat doch der Weimarer Dichter seine Reise Richtung Süden als Flucht aus einem Lebensraum empfunden, der ihm längst zu eng geworden war.

Aber liegt in diesem Roman nicht auch eine Zweideutigkeit? In Frankfurt wird die Debatte um das Gastland Italien und die Auswahl seiner offiziellen Diskussion weitergehen. Der regierungskritische Autor Roberto Saviano kann nur auf Einladung seines Verlages kommen. Mit der Kulturpolitik der Regierung Meloni ist die Meinungsfreiheit offenbar kein geklärter Grundsatz mehr. Mal schauen, wie der Ausgang aus diesem ideellen Escape Room gefunden werden soll.

„Ich will nicht schwindeln. Ich werde nicht schwindeln. / Die Zeit ist schwarz, ich mach euch nichts weis“, dichtete einst Erich Kästner. Die schöne Literatur wirkt nicht als weiße Salbe. Aber das wissen die Akteure der Frankfurter Buchmesse wohl. Gerade deshalb freue ich mich, auf Frankfurt.

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