Berlin  Wer folgt auf Lang und Nouripour? Diese Politiker werden für die Grünen-Spitze gehandelt

Svana Kühn
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Von Svana Kühn
| 26.09.2024 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Grünen stehen vor einem personellen Neuanfang. Foto: imago/Christian Spicker
Die Grünen stehen vor einem personellen Neuanfang. Foto: imago/Christian Spicker
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Nach den verheerenden Niederlagen bei den Landtags- und Europawahlen ziehen die Grünen Konsequenzen: Die Parteivorsitzenden Ricarda Lang und Omid Nouripour treten zurück. Ein spannendes Rennen um ihre Nachfolge beginnt. Wer sind die Favoriten?

Nach den jüngsten Niederlagen bei der Europawahl und den Landtagswahlen im Osten stellen sich die Grünen neu auf: Die Parteivorsitzenden Ricarda Lang und Omid Nouripour haben ihren Rücktritt angekündigt. Beim Parteitag im November wird ein neuer Vorsitz gewählt.

Die Grünen werden traditionell von einer Doppelspitze geführt. Es wird darauf geachtet, dass beide Bundesvorsitzende sowie die übrigen Mitglieder des Vorstands jeweils zur Hälfte dem Realo-Flügel und dem linken Flügel entstammen und, dass der Vorstand mindestens zur Hälfte mit Frauen besetzt wird. Somit kämen für den Vorsitz auch zwei Frauen infrage – nicht aber zwei Männer. Welche Politiker werden also für die Spitze gehandelt?

Am häufigsten wird aktuell der Name Franziska Brantner genannt. Die 45-Jährige ist parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium und gilt als Vertraute von Robert Habeck. Schon vor dem Rücktritt von Lang und Nouripour wurde spekuliert, ob sie wohl Habecks Wahlkampfmanagerin werden wird. Laut Informationen des Tagesspiegels soll sich Brantner von Habeck auch versichert haben lassen, dass sie nach der nächsten Bundestagswahl bei grüner Regierungsbeteiligung Ministerin werden würde.

Bratner wurde im südbadischen Lörrach geboren und hat in Paris, New York und Mannheim Politikwissenschaften studiert. 1996 ist sie in die Grüne Jugend eingetreten, ab 2009 saß sie für die Grünen im EU-Parlament, seit 2013 im Bundestag.

Die Politikerin gehört dem Realo-Flügel und steht für einen pragmatischen Kurs. Sie gilt also als liberal-konservativ und offen für Schwarz-Grün.

Auch das Privatleben von Brantner wurde in der Vergangenheit bereits zum Thema gemacht: Bis 2013 hat sie eine Beziehung mit Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer geführt. Gemeinsam haben sie eine Tochter.

Als Brantners mögliche Co-Vorsitzende werden die Bundestagsabgeordneten Felix Banaszak und Andreas Audretsch gehandelt. Beide gehören dem linken Flügel der Partei an.

Der 34-Jährige Felix Banaszak ist der großen Öffentlichkeit wohl eher unbekannt. Manche dürften aber bereits im Dezember des vergangenen Jahres von ihm gehört haben, als er eine der wohl kürzesten Reden in der Geschichte des Deutschen Bundestages hielt. „Wer belastet so spät den Bundestag / Es ist die Fraktion, die keiner mag / Sie stellt einen Antrag, dem du nicht entkommst / Wir lehnen ihn ab – ja was denn auch sonst“, reimte er als Reaktion auf einen Antrag der AfD.

Banaszak wuchs in Duisburg auf und studierte Sozial- und Kulturanthropologie und Politikwissenschaft in Berlin. Von 2018 bis 2022 war Banaszak Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen in Nordrhein-Westfalen und gehört seit 2021 als Abgeordneter dem Deutschen Bundestag an. Von 2013 bis 2014 war er Sprecher der Grünen Jugend und gilt als rhetorisch versiert.

Wie Banaszak gehört auch Andreas Audretsch eher zu den unbekannteren Gesichtern der Partei. Seit 2021 gehört der 40-Jährige dem Deutschen Bundestag an, seit 2022 ist er stellvertretender Vorsitzender der Fraktion, zuständig für Finanzen, Haushalt, Wirtschaft, Arbeit und Soziales. Er war beispielsweise in die Verhandlungen um das Heizungsgesetz und um die Kindergrundsicherung involviert.

Geboren wurde Audretsch in Stuttgart. Der Sozialwissenschaftler hat in Münster, Berlin und Potsdam studiert. Parallel zu seiner Arbeit in der Politik war er nach eigenen Angaben auch als Journalist, unter anderem für die ARD und das Deutschlandradio tätig.

Ein weiterer Name, der kurzzeitig im Raum stand, ist der des Realo-Politikers Tarek Al-Wazir. Der frühere Wirtschaftsminister in Hessen hatte unlängst seine Kandidatur für den Bundestag angekündigt. Das Problem: Al-Wazir ist überzeugter Realo und würde der Parteilogik folgend nicht mit Brantner zusammenpassen. Zudem hat Al-Wazir bereits sein Interesse am Vorsitz dementiert.

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