Berlin Deutsches Wolfsmanagement: Wo der wahre Kontrollverlust steckt
Die EU senkt den Schutzstatus des Wolfes und macht Abschüsse damit leichter. Hilft das den Nutztierhaltern wirklich?
Nachdem auch die Bundesregierung zugestimmt hat, plant die EU einen leichteren Abschuss von Wölfen. Ob das Viehhaltern hilft, ist noch offen. Tierschützer verweisen auf eine mehrjährige Studie zur Wolfsjagd in der Slowakei, die dagegen spricht. Zwischen 2014 und 2019 wurde der Wolfsbestand hier mit Abschussquoten reguliert. Auf die Zahlen der Nutztierrisse hatte die Maßnahme keinen Einfluss. Mehr tote Wölfe, so die Studie, führen nicht zu weniger toten Schafen.
Der Bund für Naturschutz erklärt den überraschenden Befund damit, dass schlichtweg nicht alle Wölfe Nutztiere fressen. Das Verhalten müssen wandernde Jungtiere erst lernen – und das passiere vor allem dann, wenn sie auf schlecht gesicherte Herden stoßen. Ein Wolfsrudel, das dieses Verhalten nie erlernt hat, könne damit sogar zum Schutz von Nutztieren beitragen – indem es Wanderwölfe aus dem Revier vertreibt. Ein wahlloser Abschuss der falschen Tiere wäre also kontraproduktiv.
Stimmt die Hypothese? Das dürften neue Gesetze bald im europaweiten Feldversuch ergeben. Eine solche Evaluation ist dabei dringend einzufordern. Der Wolf bleibt schließlich geschützt. Und eine wirkungslose Jagd auf das Tier verbietet sich.
Noch etwas sollte bei der aufgeregten Debatte nicht untergehen: Die Gesetze zum Abschuss betreffen bislang nur einen Bruchteil der Wölfe, die von Menschen getötet werden. Seit der Wolf wieder in Deutschland vorkommt, werden sämtliche Totfunde gezählt. Genau 18 Tiere wurden im letzten Vierteljahrhundert legal geschossen. Fünfmal soviel, nämlich 98 Wölfe, wurden gewildert. Die überwältigende Zahl aber wurde vollkommen planlos und unreguliert getötet. 853 Wölfe – drei von vier der tot aufgefundenen Tiere – starben zufällig auf der Straße.
Das Wort vom Wildtier-Management vermittelt also ein falsches Gefühl der Kontrolle. Die gibt es nicht – und das weniger, weil die Tiere nicht in den Griff zu kriegen wären. Entglitten ist uns Menschen der eigene Einfluss auf alle anderen Lebewesen.