Kolumne „Digital total“ Viel lieber wolkenlos am Schreibtisch
Microsoft setzt bei seinen Office-Programmen inzwischen auf die Cloud. Unser Kolumnist mag es hingegen lieber altmodisch – und erklärt, was seine Ansichten mit Datenschutz und Sicherheit zu tun haben.
Wie sehr Microsoft mit der Cloud verheiratet ist, zeigte sich zuletzt bei der Veröffentlichung der neuen Version von Microsoft Office: Office 2024. Das ist die lokal installierbare Ausgabe der Software, die man nur einmal bezahlen muss.
Microsoft versucht jedoch seit Jahren, alle Anwender zu Microsoft 365 zu drängen, das komplett mit der Cloud vernetzt ist und bei dem Abo-Gebühren anfallen. Nun gibt es auch ein sogenanntes Office LTSC 2024, eine lokal installierbare Variante ohne jegliche Cloud-Anbindung – also ein Office-Paket, wie es alte Hasen wie ich von jeher kennen und zu schätzen wissen. Ich selbst bin vor Jahren von Microsoft Office zurück auf Open-Source-Alternativen gewechselt, weil ich erstens Abo-Gebühren – die man ja heute für alles zahlt: Bildbearbeitungs-Software, Office-Software, Musik, Fernsehen und so weiter – sparen wollte und zweitens keine Cloud-Funktionen in meiner Büro-Software brauche oder haben will.
Ich finde es äußerst lustig, dass Microsoft die LTSC-Version von Office für „Nischenszenarien“ bewirbt. Also Ämter, die unbedingt weiterarbeiten wollen, wenn die Cloud einmal ausfällt oder Krankenhäuser, die sensible Daten verarbeiten, die vielleicht nicht bei Microsoft in der Cloud landen sollten. Dabei finde ich, dass die angeblich so tollen Cloud-Funktionen, die Microsoft immer bewirbt, eher die Nischenszenarien darstellen. Oder besser für uns alle wäre, wenn das der Realität entspräche. Klar, wenn Sie in einer großen Firma arbeiten, sehen Sie das vielleicht anders und wissen die Kollaborationsfunktionen zu schätzen. Aber ich persönlich würde lieber Dokumente manuell austauschen und so vermeiden, dass Microsoft meine Betriebsgeheimnisse mitlesen kann.
Aber ich bin nun mal altmodisch. Ich schreibe diese Kolumne und den einen oder anderen Roman schließlich auch in einem einfachen Text-Editor. Hier hängt gar nichts an der Cloud. So bleibt das, was ich schreibe, meins. Bis ich mich entscheide, es zu veröffentlichen.
Kontakt: kolumne@zgo.de
Zur Person
Fabian Scherschel, geboren in Duisburg und nun in Düsseldorf lebend, arbeitete bis 2019 als Redakteur für das Tech-Portal Heise-Online und für die Tech-Newsseite „The H“ in London. Als Freiberufler schreibt er unter anderem für das Magazin „c’t“. Mittlerweile hat der begeisterte Podcaster sein eigenes Projekt: fab.industries. Fernseh- und Radiosender schätzen ihn als Experten.