Osnabrück Die Eskalation im Nahen Osten zeigt die Ohnmacht der Weltgemeinschaft
Israel unter iranischem Raketenbeschuss: Trotz erfolgreicher Abwehr herrscht Kriegsangst. Kommt es zur direkten Konfrontation zwischen dem Mullah-Regime und Israel? Die nächsten Stunden und Tage sind entscheidend.
Nun ist eingetreten, was viele befürchtet haben. Aus Rache für die gezielte Tötung der Anführer von Hisbollah und Hamas, den wichtigsten Verbündeten der vom Iran angeführten israelfeindlichen „Achse des Widerstands“, hat das Regime in Teheran Israel mit hunderten Raketen angegriffen.
Die gute Nachricht dahinter: Der „Iron Dome“ funktioniert, die israelische Luftabwehr hat die meisten Raketen abgefangen. Die schlechte Nachricht: Mit dem Angriff ist eine weitere Stufe der Eskalation erreicht, von der zum jetzigen Zeitpunkt niemand weiß, wo sie endet.
Wird Israel nun einen Vergeltungsschlag unmittelbar gegen den Iran führen? Es scheint, als wollten beide Seiten einen großen Krieg geradezu heraufbeschwören.
So verständlich Israels Bedürfnis ist, die Extremisten der Hisbollah auszuschalten, so erwartbar war es, dass der Iran auf Israels Schläge der vergangenen Wochen im Libanon früher oder später reagieren würde.
Damit wird immer offensichtlicher: Solange die Palästinenser-Frage nicht gelöst ist und die Auslöschung Israels bei den iranischen Mullahs zur Staatsraison gehört, wird die Region keinen Frieden finden. Und die Weltgemeinschaft steht der Entwicklung einmal mehr ohnmächtig gegenüber; viel zu lange schon hat der Iran bis hin zum Jemen zündeln können.
Der Einfluss der USA und auch Deutschlands und der Europäer auf die israelische Regierung ist offenbar nur noch begrenzt. Die Politik von Premier Benjamin Netanjahu gleicht einem Ritt auf der Rasierklinge; man kann nur hoffen, dass er und seine Falken sich nicht überschätzen. Offenbar verlassen sie sich auf das Beistandsversprechen der Alliierten. So drohen allen voran die USA zur Kriegspartei zu werden – wenn sie es denn nicht schon sind.
Diplomatie scheint bis auf Weiteres an ihr Ende gekommen. Warnungen vor einem Flächenbrand, wie sie nun auch wieder von Bundeskanzler Olaf Scholz zu hören sind, unterstreichen die Hilfs- und Einfallslosigkeit des Westens nur umso deutlicher.
Ob es gelingt, die sich immer bedrohlicher drehende Spirale im Nahen Osten zu stoppen? Die nächsten Tage werden entscheidend sein. Eine Katastrophe für die Menschen vor Ort ist es schon jetzt.